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Falscher Polizist am Telefon

Dietmar Rietz / 06.10.2017, 06:50 Uhr
Angermünde/Schwedt (MOZ) Das Telefon klingelt. Auf dem Display die 110. Am Apparat ein Polizeibeamter. Der Polizist erkundigt sich, ob Wertsachen in der Wohnung seien. Man müsse diese in Sicherheit bringen und Spuren sichern. Gleich würde deshalb ein weiterer Beamter vor der Haustür stehen, um die Wertsachen in Empfang zu nehmen. So oder ähnlich versuchen derzeit Trickbetrüger in Deutschland, vorwiegend ältere Menschen um ihre Ersparnisse zu bringen. Sogar Haftbefehle wurden schon verschickt, mit dem Hinweis, diese seien nur durch das Zahlen einer hohen Summe abzuwenden. Die Fälle häufen sich.

"Die Betrüger geben sich am Telefon überzeugend als Polizisten, Kommissare, aber auch als Staatsanwälte aus, um so auf perfide Weise das Vertrauen der Angerufenen - zumeist Senioren und Seniorinnen, zu gewinnen", erläutert Gerhard Klotter, Vorsitzender der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Dabei nutzen die Täter eine spezielle Technik, die bei einem Anruf auf der Telefonanzeige der Angerufenen die Polizei-Notrufnummer 110 oder eine andere örtliche Telefonnummer erscheinen lässt -obwohl die Anrufer zumeist aus dem Ausland agieren.

Den Betrügern gelingt es immer wieder, ihren Opfern mittels geschickter Gesprächsführung glaubwürdig zu vermitteln, dass ihr Geld und ihre Wertsachen zuhause nicht sicher seien. Ein Vorwand dafür ist beispielsweise, die Polizei habe Hinweise auf einen geplanten Einbruch. Ein Polizist in Zivil werde vorbei kommen, um das gesamte Geld und sämtliche Wertsachen "in Sicherheit" zu bringen. Ein anderer Vorwand ist, dass die Ersparnisse auf untergeschobenes Falschgeld überprüft beziehungsweise Spuren gesichert werden müssten, ein Polizist komme vorbei und werde Geld beziehungsweise Wertsachen abholen.

Auch auf Konten und Bankdepots ihrer Opfer haben es die Betrüger abgesehen. Auf den falschen Hinweis hin, die Bankmitarbeiter seien korrupt, sollen die Angerufenen ihre Konten und Bankdepots leeren und das Geld einem Unbekannten, der sich als Polizist ausgibt, übergeben. Andere Betrugsopfer werden von der falschen Polizei dazu aufgefordert, per Western Union Geld ins Ausland zu überweisen, damit eine angebliche Betrügerbande festgenommen werden könne. Reagiert ein Opfer misstrauisch, wird es mit dem Hinweis, es behindere eine Polizeiaktion, wenn es nicht mitmache, unter Druck gesetzt und eingeschüchtert.

Besonders dreiste Täter gaben sich auch schon als Mitarbeiter des Bundeskriminalamts in "hochgeheimer Mission" aus. Manche Betrüger ließen ihre Opfer gefälschte Verpflichtungserklärungen als "informelle Mitarbeiter" unterschreiben.

Tipps der Polizei: Die Polizei wird sie niemals um Geldbeträge bitten. Die Polizei ruft niemals unter der Polizeinotruf-Nummer 110 an. Das tun nur Betrüger. Wer sich unsicher ist, wählt die Nummer 110, benutzt dabei aber nicht die Rückruftaste, da er sonst möglicherweise wieder bei den Betrügern landet, sondern wählt die Nummer selber. Aber auch das örtliche Polizeirevier hilft im Zweifelsfall weiter oder nimmt eine Betrugs-Anzeige entgegen.

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