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Mieterverein Erkner und Umgebung beklagt Rückgang des Angebots / Betriebskosten nur wenig gestiegen

Weniger bezahlbarer Wohnraum

Joachim Eggers / 06.10.2017, 07:32 Uhr
Erkner (MOZ) Eine drastische Verringerung des bezahlbaren Wohnraums beklagt der Mieterverein Erkner und Umgebung. Der Verein mit etwa 780 Mitgliedern von Kienbaum bis Rüdersdorf stellt indes auch fest, dass die Betriebskosten im vorigen Jahr kaum gestiegen seien.

In einer Presseerklärung aus Anlass seiner jährlichen Mitgliederversammlung spricht der Vereinsvorsitzende, Michael-Erdwin Voges aus Erkner, von einem überhitzten Wohnungsmarkt. "Das geringe Angebot bleibt durchweg hinter der Nachfrage zurück." Die Mietpreisbremse werde häufig umgangen und zeige mangels durchgreifender Sanktion bei einem Verstoß fast keine Wirkung. Mieterhöhungen hat der Verein im vorigen Jahr nach Aussage von Voges in größerer Zahl im Grünheider Ortsteil Alt-Buchhorst festgestellt. Das liege auch daran, dass dort viele Wohnungen in der Hand von Einzeleigentümern seien, aber gemeinsam verwaltet würden. So hätten die Verwaltungen einen guten Überblick über die Mieten und könnten relativ leicht die erforderlichen Vergleichswohnungen nachweisen, um eine Mieterhöhung durchzusetzen, sagte Voges auf Nachfrage.

In Erkner sieht Voges, auch Stadtverordneter der Linken, den mangelnden Erfolg des Umzugsprogramms der Wohnungsgesellschaft WGE als Problem. Es zielt darauf, dass Senioren, die wegen des Auszugs von Kindern oder Todes von Partnern weniger Platz benötigen, in kleinere Wohnungen ziehen. Dass das nicht wirklich funktioniert, hat die Geschäftsführerin der Wohnungsgesellschaft, Susanne Branding, wiederholt bestätigt. Sie schreibt das vielfältigen, oft emotionalen Bindungen der Menschen an ihre Wohnungen zu.

Voges sieht auch noch einen anderen Grund, nämlich einen zu niedrigen finanziellen Anreiz. Weil die WGE bei der Neuvermietung einer kleineren Wohnung höhere Quadratmetermieten verlange, komme für die Senioren kaum eine Ersparnis heraus, argumentiert er. Susanne Branding widerspricht: Beim Umzug in eine kleinere Wohnung würden Mieter in ihrem neuen Zuhause maximal fünf Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter bezahlen. Ganz alte DDR-Verträge, in denen Mieter extrem niedrige Beträge auf den Quadratmeter bezahlten, gebe es kaum noch. Hinzu komme beim Umzug in eine kleinere Wohnung die Einsparung an Betriebskosten. Tatsächlich habe aber kaum jemand einmal konkret nach einer kleineren Wohnung gefragt.

Allerdings räumt Susanne Branding auch ein, dass es in den meisten Fällen nur um den Umzug von einer 58 Quadratmeter großen Drei-Raum- in eine etwa 50 Quadratmeter große Zwei-Raum-Wohnung gehen könne - da sei der Anreiz gering. In der Hauptfrage gibt es freilich keinen Dissens: Das Wohnungsangebot in Erkner bleibt deutlich hinter der Nachfrage zurück.

Schwerpunkt der Tätigkeit des Mietervereins ist weiter die Beratung - monatlich sechs Stunden im Bildungszentrum Erkner, vier Stunden im Woltersdorfer Awo-Seniorenclub und fünf im Schöneicher Rathaus-Sitzungssaal. Einschließlich der Beratungen per E-Mail und Telefon kommt der Verein laut Voges auf fast 1000 Beratungen.

Schwerpunkte seien oft Betriebskosten, gefolgt schon von den Mieterhöhungen, auch solchen im Zuge von Modernisierungs- oder Sanierungsmaßnahmen. Weitere Beratungsthemen sind Mängelbeseitigung und schließlich alle Fragen in Bezug auf Kündigungen und Wohnungsrückgabe. Die meisten Schwierigkeiten hat der Verein nach Auskunft von Voges mit kleineren privaten Vermietern. "Das ist oft gar kein böser Wille, sondern einfach Unkenntnis davon, wie abzurechnen ist", sagt Voges, selbst pensionierter Richter, mit Blick auf die Betriebskosten. Die sind im vorigen Jahr nur wenig gestiegen, stellt der Mieterverein fest.

Die Mitgliederversammlung hat den Vorstand bestätigt - Voges bleibt Vorsitzender, Stellvertreter ist Klaus Hübler. Die weiteren Vorstandsmitglieder sind Waltraud Schneider, Ursula Paape, Hieke Peters, Klaus-Dieter Spiel und Steffi Zahn.

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