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Dialog zur Lichtverschmutzung

Arbeit im Seelabor: Dr. Jens C. Nejstgaard ist einer der Wissenschaftler, die sich mit Lichtverschmutzung beschäftigen.
Arbeit im Seelabor: Dr. Jens C. Nejstgaard ist einer der Wissenschaftler, die sich mit Lichtverschmutzung beschäftigen. © Foto: MZV
Sandra Jütte / 06.10.2017, 08:00 Uhr
Neuglobsow (GZ) Still und dunkel liegt der Stechlinsee in der Dämmerung, auf dem seit 2012 ein Seelabor des Leibnitzinstitutes für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) schwimmt. In 24 Zylindern, die mit einem Durchmesser von rund neun Metern bis in 20 Meter Wassertiefe ragen, haben internationale Wissenschaftler im vergangenen Jahr untersucht, welche Auswirkungen Lichtverschmutzung auf verschiedene Organismen im Wasser hat. Mit diesem Begriff wird der Verlust der Nacht durch künstliche Lichtquellen bezeichnet. Besonders stark ist dieses Phänomen über dicht besiedelten Gebieten zu beobachten. "Noch kennen wir die Antwort nicht", sagt der schwedische Mikrobiologe Dr. Jens Nejstgaard, während er zwischen zwei Zylindern entlangläuft. Aufgrund der großen Datenmengen, die bei den Versuchen gesammelt wurden - mehrfach wurden mittels einer Infrarotkamera 600 Bilder in jedem Zylinder aufgenommen-, werden die ersten Auswertungen erst in einigen Monaten vorzeigbar sein.

Für das Experiment wurden spezielle LED-Leuchten über den Zylindern installiert, die Lichtintensitäten von völliger Dunkelheit über Mondlicht bis hin zum Himmelsleuchten einer großen Metropole wie Shanghai simuliert haben. "So viel Licht wie heute gibt es erst seit Erfindung der Glühbirne, also etwa seit 150 Jahren", erklärt Nejstgaard. In der Evolutionsgeschichte sei das zwar nur ein Wimpernschlag, dennoch habe die Aufweichung von Tag und Nacht Auswirkungen etwa auf nachtaktive Tiere wie Planktonfresser, die erst bei Eintritt der Nacht an der Oberfläche nach Nahrung suchen. "Wenn es dann aber nicht dunkel wird, ist es eine Frage, ob sie überhaupt auftauchen", veranschaulicht der Mikrobiologe. Dadurch könne das ganze System aus der Balance geraten und auch ein Dominoeffekt entstehen. Für manche Arten könne das Vor-, für andere Nachteile haben. "Die genauen Auswirkungen untersuchen wir hier erst einmal im Kleinen", so Dr. Jens C. Nejstgaard.

Auch für den Menschen kann der Verlust des natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus Folgen wie Hormon- oder Schlafstörungen haben, erklärt der kommissarische Leiter des IGB, Mark Gessner. Dabei spiele auch die Lichtfarbe eine Rolle. Blaues Licht von einem Computerbildschirm mache etwa zusätzliche wach.

Um für das Thema zu sensibilisieren, veranstaltet das IGB am 13. und 14. Oktober einen Dialog am Stechlinsee. Die Veranstaltung startet am Freitag ab 20.30 Uhr mit einer Sternenführung des Astronomen Andreas Hänel. Am Sonnabend werden dann von 10 bis 16.15 Uhr etliche Vorträge und Diskussionen geboten und die Arbeit des IGB näher vorgestellt. Auch interessierte Bürger haben die Möglichkeit, an der Veranstaltung teilzunehmen. Eine verbindliche Anmeldung ist bis heute erforderlich unter stechlin@igb-berlin.de oder Telefon 033082 6990. Das komplette Programm ist zu finden unter: www.igb-berlin.de

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