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Orkan wirbelt massenhaft Bäume um / Chaos auf Straßen / Bahnlinie gesperrt

Uckermark entwurzelt

Ging noch halbwegs glimpflich ab: Das Haus von Familie Wiese in Petzig wurde zwar getroffen, doch blieben alle Bewohner unverletzt. Die Feuerwehr sägte den Stamm klein.
Ging noch halbwegs glimpflich ab: Das Haus von Familie Wiese in Petzig wurde zwar getroffen, doch blieben alle Bewohner unverletzt. Die Feuerwehr sägte den Stamm klein. © Foto: MOZ/Oliver Schwers
Oliver Schwers / 06.10.2017, 20:13 Uhr
Angermünde (MOZ) Chaotische Zustände hat der Orkan Xavier in der Uckermark hinterlassen. Massenhaft stürzten Bäume um. Straßen waren unpassierbar, Strom fiel aus, die Bahn stand still. Hunderte Feuerwehrleute arbeiteten bis tief in die Nacht. In Peetzig krachte ein Stamm auf ein Hausdach.

Erst hörte er es krachen, dann dachte er sofort an den morschen Baum vor seinem Haus. Als Reiner Wiese vor das Grundstück trat, versperrte ihm ein dicker Stamm den Weg. Und dann lief auch schon das Wasser innen die Wand herunter. Wiese rief die Feuerwehr, bangte um das neue Grundstück. "Ärgerlich", sagt der Hauseigentümer. Er hatte eine solche Situation kommen sehen und schon früher das Grünamt der Stadt auf den Baumschaden aufmerksam gemacht. Mit Kettensägen und der großen Drehleiter schufteten die Helfer bis in die Nacht, um den Baum stückweise vom Dach zu holen. Ein herbeigerufener Dachdecker legte anschließend eiligst neue Ziegel auf die geborstenen Stellen.

Überall in der Uckermark die gleichen Bilder: Umliegende Baumriesen, herabgebrochene Äste, gesperrte Straßen. Berufstätige versuchten über stundenlange Umwege heimzukommen. Die Bahn hatte den Betrieb schon am späten Nachmittag ganz eingestellt. Pendler aus Berlin versuchten, als Mitfahrer in Autos nach Hause zu kommen. Auch am nächsten Morgen fuhren keine Züge. Reisende und Schüler standen ratlos an den Gleisen. Einige Orte wie zum Beispiel Wolletz waren stundenlang überhaupt nicht mehr erreichbar. Feuerwehrleute kämpften sich entlang der Alleen meterweise vor und zersägten entwurzelte Baumstämme im Akkord. An der B 198 zwischen Greiffenberg und Gramzow donnerten uralte Baumriesen auf die Felder. In Angermünde legten sich zwei Bäume quer über die Puschkinallee. In der Innenstadt segelten Blumenkästen, Mülltonnen und Aufsteller über die Straßen. In etlichen Gegenden fiel der Strom aus. Sternfelde blieb 15 Stunden komplett finster. Gärten, Parkanlagen und Höfe wurden überall in der Uckermark verwüstet. Die Verbindung zur Einsatzleitstelle in Eberswalde brach zusammen. Die Ausnahmesituation dauerte von 16 bis zirka 23 Uhr. Nach Unfällen mussten eingeklemmte Menschen aus Autos befreit werden. In den drei Landkreisen Uckermark, Barnim und Oberhavel gab es bis in die Nacht hinein 800 offizielle Einsätze. Doch viele Feuerwehren handelten selbstständig, griffen sich die Kettensägen und fuhren auch ohne Alarmierung ins Chaos hinaus.

Die Schäden sind bis jetzt nicht zu beziffern. Die Bestandsaufnahme der kommunalen Bauhöfe, der Straßenmeistereien und Gemeindearbeiter dauert noch an. Auf dem Markt von Gartz sind viele alte Bäume abgebrochen. Amtsbrandmeister Wolfgang Grösch schätzt ein: "Die Bäume müssen sicherlich gefällt werden, weil der Schaden so groß ist."

Niemand kann die genaue Zahl aller umgestürzten Bäume abschätzen. Auch in den Wäldern wütete der Sturm.

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