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Doberburger fordern, Engpass mit Hilfe eines Trottoirs zu entschärfen / Ortsvorsteher brüskiert Abgeordnete

Gehweg in der Sackgasse

Engpass: Die Ortsdurchfahrt ist stellenweise nur 5,5 Meter breit. Die Geschwister Lilly (16) und Leni Ullrich (10, vorn) auf dem Weg zur Bushaltestelle.
Engpass: Die Ortsdurchfahrt ist stellenweise nur 5,5 Meter breit. Die Geschwister Lilly (16) und Leni Ullrich (10, vorn) auf dem Weg zur Bushaltestelle. © Foto: MOZ/Jörg Kühl
Jörg Kühl / 07.10.2017, 07:58 Uhr - Aktualisiert 12.10.2017, 14:18
Doberburg (MOZ) Die Doberburger fordern für eine besonders enge Stelle der Ortsdurchfahrt seit längerem einen Gehweg. Im kommenden Jahr soll die Straße saniert werden. Eigentlich eine gute Gelegenheit, den Gehweg gleich mit einzuplanen. Dies scheitert jedoch - aus verschiedenen Gründen.

Die Geschwister Lilly (16) und Leni Ullrich (10) sowie Lenis Schulkameradin Thadea Ringk (10) wohnen im Oberdorf von Doberburg. Oberdorf deshalb, weil die Dorfhälfte an der leicht ansteigenden Flanke des Eichbergs liegt, somit etwas höher, als das Unterdorf. Beide Dorfhälften teilt das Lieberoser Mühlenfließ, über das eine Brücke führt. Kurz hinter der Brücke endet der Gehweg just an der Stelle, wo die Ortsdurchfahrt, immerhin eine Kreisstraße, gerade mal 5,50 Meter breit ist. Wenn die Schülerinnen zur Bushaltestelle im Unterdorf wollen, müssen sie wohl oder übel gut 50 Meter lang auf der engen Dorfstraße entlangmarschieren, weil es hier keinen Gehweg gibt. "Wenn es dunkel ist im Winter, ist es schon ein bisschen zum Fürchten, meint Lilly, die das Gymnasium in Beeskow per Schulbus besucht. Passenderweise rollt gerade ein drei Meter breiter Traktor vorbei. Links und rechts gibt es kaum Platz zum Ausweichen. Dabei ist der landwirtschaftliche Verkehr gar nicht mal das Hauptproblem. "Hier fahren sie oft wie die Helden", kommentiert Thadeas Mutter Nadine Ringk Autofahrer, die sich nicht an die innerörtliche Geschwindigkeit halten. Sie setzt sich, wie viele andere im Dorf, für einen Gehweg am Engpass ein. Sie kämpft nicht nur für ihre Tochter und ihren dreijährigen Sohn Herman. "Es gibt auf dieser Seite des Dorfes vier weitere Kinder, die in den nächsten Jahren in die Schule kommen. Bereits Manfred Lischeski hatte in seiner Zeit als Ortsvorsteher angeregt, eine weitere Bushaltestelle im Oberdorf zu errichten, um Schulkindern die enge gehweglose Passage zu ersparen, jedoch vergeblich.“

Im kommenden Jahr soll die Ortsdurchfahrt erneuert werden. In diesem Zusammenhang werden einige Anschnitte der bestehenden, maroden Gehwege instandgesetzt. "Eigentlich eine gute Gelegenheit den Gehweg am Engpass gleich mit einzuplanen", findet Doberburgs Ortsvorsteher Jürgen Willenberg. Nach seiner Auffassung ist die Planung der Kreisstraße inklusive der Gehwege jedoch "komplett am Dorf vorbeigegangen". Doberburg habe im Vorfeld signalisiert, auf 200 Meter Gehweginstandsetzung zu verzichten, damit im Gegenzug die 50 Meter am Engpass gebaut werden können. In einem mit pikanten Worten gespickten Brief an die ehrenamtliche Bürgermeisterin von Lieberose, Kerstin Michelchen und die anderen Abgeordneten der Schulenburgstadt, machte der Ortsvorsteher die Adressaten persönlich für eventuelle Schadenfälle haftbar.

Auf der jüngsten Stadtverordnetenversammlung von Lieberose verteidigte Bürgermeisterin Kerstin Michelchen die Stadt. Für den Straßenbau samt damit zusammenhängender Planung sei der Landkreis Dahme-Spreewald verantwortlich. Die Stadt Lieberose käme lediglich als Baulastträger für den Gehweg in Betracht. Die Stadt jedoch befindet sich dank prekärer Finanzlage in der vorläufigen Haushaltsführung. Für Gehwegbauten gebe es derzeit keinen Spielraum. Erschwerend kommt hinzu, dass für den Gehweg Land von Privathand erworben werden müsste. Ob der Eigentümer überhaupt dazu bereit wäre, das steht derzeit noch in den Sternen.

Am Donnerstag hat Willenberg den Stand der Dinge seinen Bürgern im Rahmen einer Einwohnerversammlung dargelegt. Horst Dommaschk (Linke) war als einziger Vertreter des Lieberoser Stadtparlaments anwesend.Dommaschk appellierte an die Adresse Willenbergs, sich verbal zu mäßigen. Im Gegenzug bot er an, zwischen dem Bauamt des Amts Lieberose/Oberspreewald und dem Dorf zu vermitteln. Ziel ist unter anderem, Einsicht in die Planungsunterlagen zu erhalten.

Kommentar

Ohne Geld kann nichts gebaut werden. Diese Binsenweisheit zeigt sich gerade in Doberburg, wo seit Jahren dringend ein Stück Gehweg benötigt wird. Dennoch ist eine Lösung gefragt. Nicht nur, aber auch im Sinne der Schüler, die sich täglich den Engpass mit Autos teilen. Der Gehweg muss von Grund auf neu erörtert werden, und zwar an dem Ort, der dafür vorgesehen ist: Im Lieberoser Stadtparlament. Dafür wünschte man dem Ortsvorsteher, dass er die Moralkeule stecken lässt und mit seinen guten Argumenten für Mehrheiten wirbt.Jörg Kühl

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