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Vom anderen Leben auf dem Wasser

Entspannung am idyllischen Werlsee: Klaus Nitsch (l.) und Herwarth G÷tze machen auf ihren Booten so oft wie m÷glich Urlaub. Sie liegen seit Jahren an den Liegeplõtzen des Bootshauses am Werlsee.
Entspannung am idyllischen Werlsee: Klaus Nitsch (l.) und Herwarth G÷tze machen auf ihren Booten so oft wie m÷glich Urlaub. Sie liegen seit Jahren an den Liegeplõtzen des Bootshauses am Werlsee. © Foto:
JWEILBACHERN / 03.08.2008, 08:42 Uhr
Fangschleuse () Von Jan C. Weilbacher

Es ist Hochsommer. An den Liegeplätzen in der Region befinden sich wieder unzählige Boote in jeder Größe - so auch am Bootshaus am Werlsee in Fangschleuse. So mancher hat dort seit Jahren einen festen Stellplatz und lebt wochenlang auf seinem - mitunter kleinen - geliebten Motorboot.

Ein Boot zu besitzen, das hat viel mit Liebe zu tun. Das macht der fesch gekleidete Enddreißiger dem Geschäftsführer des Bootshauses, Steffen Rüdiger-von Hoch, in dessen Büro gleich klar. Was er denn für ein Boot bezahlen wolle, hat ihn Rüdiger-von Hoch zuvor gefragt. "Nein, nein", erwidert der Mann aus Berlin-Köpenick. "So funktioniert das nicht. Ich muss mich in ein Boot verlieben." Der Preis spiele dabei eine untergeordnete Rolle.

Leicht rhythmisch schaukelnd, liegen die Motorboote nebeneinander auf dem Wasser. Der Anblick hat etwas beruhigend friedliches. Dass die Dauermieter der Liegeplätze am idyllisch gelegenen Werlsee ebenfalls eine große Liebe für ihr Boot empfinden, lässt sich bereits an den Bootsnamen ablesen: Ihmchen heißt eines, ein anderes Lulu. Das neun Meter lange Kajütboot von Klaus Nitsch, der bereits seit 1984 einen Platz dort hat, heißt Manjana. Es kommt vom spanischen mañana (morgen). Diese Gelassenheit, die hinter dem Wort stecke, entspreche durchaus seiner Mentalität hier, sagt der 68-jährige Ruheständler. "Nur keine Hektik."

Wenn er im Sommer hier ist, so erzählt er, lebe er völlig anders, als zu Hause in Berlin. Es werden Bücher gelesen und viel geschwommen - jeden Morgen um 6 Uhr. Und ab und an ist er mit seinem Boot unterwegs. Vielleicht schon die nächste Woche geht es mit dem Enkelkind zum Scharmützelsee. Allein zu fahren, sei nämlich schwierig. "Bei den Schleusen braucht man eine zweite Person, das schafft man heute alleine nicht mehr", sagt Klaus Nitsch.

Das Leben auf dem Boot als Urlaub pur - das sieht auch Herwarth Götze so, der mit seiner "Eumel 2" der Nachbar von Klaus Nitsch ist. "Man schaltet ab, die Probleme kommen hier nicht ran", sagt der 56-Jährige, der beim Entstörungsdienst, der Berliner Straßenbahn arbeitet. In seinem Kajütboot mangele es ihm an nichts. Man habe von der Toilette bis zur Schlafmöglichkeit alles hier, schwärmt Herwarth Götze, der seit 2002 in Fangschleuse einen Liegeplatz hat. Aber sobald abgelegt werde, so Nitsch, beginne das Abenteuer. Ein bisschen abenteuerlich ist auch die Geschichte des Bootshauses am Werlsee, das als Werft bereits 1893 gegründet wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts baute der Firmengründer Paul Rüdiger Senior vor allem Ruderboote, Angelkähne und Paddelboote. Das ist vorbei. "Die Boote werden immer größer", sagt der Vater des Geschäftsführers Eberhard Rüdiger, der die Firma selbst mal geleitet hat. Auf dem Gelände des Bootshauses hat sich mittlerweile ein Wassersportzentrum entwickelt. Neben den 160 Liegeplätzen und dem Bootsverkauf, gibt es auf dem Grundstück zahlreiche Dienstleistungen rund um das Boot. Angebote, wie die Werkstatt, der Reinigungsservice oder die Sattlerei, wurden - wie es Neudeutsch heißt - outgesourct. Das bedeutet, andere Unternehmen bieten die Dienstleistungen an. Dadurch, so Rüdiger-von Hoch, professionalisiere sich der Service.

Die Zeiten sind andere geworden. Auch wenn Eberhard Rüdiger darauf Wert legt, dass am Bootshaus eine familiäre Atmosphäre herrscht, "wie in einem Gasthaus". Klaus Nitsch sieht das nicht ganz so. "Früher sprach man miteinander", sagt er. "Heute wird man hier manchmal gar nicht mehr gegrüßt." Es sei ein Status-Denken eingekehrt, das es früher nicht gegeben habe. Die Größe des Bootes spiele für viele eine wichtige Rolle, so Nitsch.

Steffen Rüdiger-von Hoch sagt selbst, dass es anders geworden ist. "Da hatten wir auch noch 50 Liegeplätze." Um wirtschaftlich zu bestehen, müsse das Unternehmen aber eine gewisse Größe haben. Auch habe sich die Altersstruktur bei den Mietern verändert. Es komme nun eine jüngere Schicht nach, die mit den Älteren vielleicht nicht mehr so zusammensitzt, abends. Sein Vater spricht von einem generellen Generationenproblem. "Die verzahnen sich nicht mehr."

Trotzdem tut man am Bootshaus alles, dass die Kunden auch im geselligen Bereich zufrieden sind. Momentan entsteht auf dem Gelände ein Clubraum. Dort können sich Jung und Alt dann gemütlich auf ein Bier treffen.

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