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Weltliteratur aus Kunersdorf

jens sell / 24.01.2011, 07:30 Uhr
Kunersdorf (In House) Vor 230 Jahren wurde der Naturforscher und Dichter Adelbert von Chamisso geboren. Genaueres zum Geburtsdatum weiß man nicht, nur, das er am 31. Januar 1781 getauft wurde. Der Bad Freienwalder Mediziner und Autor Ernst-Otto Denk macht auf die regional bedeutsamen Aspekte Chamissos aufmerksam.

Auf dem Gut der Adelsfamilie von Itzenplitz in Kunersdorf, damals schrieb sich der Ort mit C, war er im Jahre 1813 zu Gast. Er bemühte sich um die Erfassung von Pflanzen und deren Einordnung in das vorgegebene System. Wenn er aber nicht auf botanischen Pfaden unterwegs war, schrieb er an seiner Märchennovelle „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“. Ein Jahr später erlebte das Buch seine Erstauflage und … wurde ein Welterfolg. Kurz: Ein Mann verkauft seinen Schatten, muss aber bald bemerken, was er sich damit angetan hat, und versucht sein Leben lang, auf seine Weise den Handel rückgängig zu machen.

Vielleicht ist es der Essay von Thomas Mann, der die Symbolik dieses Vorganges am besten umreißt.

Die Geschichte des Peter Schlemihl wurde ein Welterfolg und in kaum einer Sprache ist der Text nicht übersetzt worden. Und eben diese Geschichte wurde hier in unmittelbarer Nähe in Kunersdorf geboren.

Als im Jahre 1988 die literarische Welt an den 150. Todestag des Dichters und Naturwissenschaftlers erinnerte, würdigten ihn Freienwalder Denkmalpfleger des Kulturbundes in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Kunersdorf und setzten ihm neben dem Parkeingang einen Denkstein. Die nebenstehende Linde erhielt die Widmung: Chamissolinde.

Als Zugabe wurde an historischer Stelle des einstigen Gutsparks eine Sonnenuhr errichtet. Mit der Inschrift „Es gibt immer eine bessere Zeit, aber dies ist die unsere“. Die Symbolik des Uhrwerks, das keine Unruhe besaß und keine Feder, dessen wichtigste Komplikation, wie ein Uhrmacher sagen würde, der Schatten ist, passte wundervoll in die Symbolik des „Schlemihl“.

Der erhoffte Effekt der Initiatoren, dass von nun an Schulklassen Ausflüge an diese historische Stelle machten, blieb aus, und so mancher Abiturient, der sich dem Lehramt verpflichtete, erfuhr während des Studiums in Hamburg oder Tübingen erstmals von der Entstehungsgeschichte der Märchennovelle in seiner Heimat.

Am 17. April 2010 wurde die Chamisso-Gesellschaft zu Kunersdorf gegründet. Für die Kunst- und Kulturgeschichte des Oderbruchs, aber auch weit darüber hinaus, ein prägnanter Augenblick. Für uns Einheimische war ein solcher Schritt kaum zu machen, wir kennen den Spruch, dass der Prophet im eigenen Land wenig gilt. Aber es kamen uns die Damen des Findling Verlags Margot Prust und Inge Bärisch zu Hilfe. Mit ihrem Einzug in Kunersdorf begann die Renaissance eines Märkischen Musenhofes, der Potenzial in sich birgt. Und ein Teil davon wird in Zukunft das „Schlemihlium“ sein, wie es von der Autorin Beatrix Langner genannt wird. Jetzt kommt es darauf an, dass auch die Politiker und Kulturverantwortlichen des Landes Brandenburg wahrnehmen, was hier im Entstehen ist. Und wir hoffen und fordern, dass sie diese Entwicklung kräftig unterstützen. Vielleicht schreiben eines Tages die Abiturienten der Umgebung einen Aufsatz mit der Überschrift: „Die Sonne bringt es an den Tag“ – Interpretieren Sie diesen Vers des Dichters Adelbert von Chamisso am Beispiel seiner Märchennovelle „Die wundervolle Geschichte des Peter Schlemihl“.

Ja, wenn es einmal so weit ist, dann dürfen sich die inzwischen 40 Mitglieder der Chamisso-Gesellschaft auf die Schultern klopfen, dann ist vieles erreicht. Dann sind wir in der Aufarbeitung des kulturellen Erbes unserer Heimat einen bedeutenden Schritt voran gekommen.

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