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Stein des Anstoßes

Ellen Werner / 29.06.2011, 07:39 Uhr
Klandorf (In House) Geburtstag ist am 26. Juli, die dreitägige Feier am Wochenende davor. Wenige Wochen vor dem großen Ereignis in dem kleinen Klandorf ist die Vorfreude jedoch getrübt: Ein Feldstein sollte das hundertjährige Gründungsdenkmal ersetzen. Im Dorf gefällt das nicht jedem.

Wenn Klandorf feiert, können Besucher es nachlesen: „In der Vorbereitung zur 200-Jahrfeier sollte das alte Denkmal entfernt und durch einen Findling ersetzt werden. Da sagte ein alter Klandorfer: Denkt mal nach, warum es hier steht?“

Aus eigener Anschauung kann diese Frage niemand mehr beantworten. Angelika Gielsdorf hat sie aber ernst genommen. „Schön ist es nicht“, räumt die junge Klandorferin ein. „Aber es ist etwas, was unsere Vorfahren uns hinterlassen haben. Sie haben sich doch was dabei gedacht. Das kann doch nicht weg!“

Ein zehnköpfigen Festkomitee bereitet die Jubiläumsfeier des 211 Einwohner zählenden Schorfheidedorfes vor. Je näher das Fest rückt, desto häufiger kommt das Komitee zusammen. Beim Treffen vor etwa einem Monat ging es um die Erneuerung des Denkmals. Eine Blitzentscheidung, so wie Angelika Gielsdorf es schildert. Die 28-Jährige sprach sich als einzige dagegen aus.

Danach hätte alles sehr schnell gehen können. Der alte, flache Jägerzaun, die fünf Koniferen, die wacklige, mit Wachstuch überzogene Bank waren schon weg. Bevor auch das Denkmal verschwand, machte sich Angelika Gielsdorf kurzerhand mit einer Unterschriftenliste auf den Weg durchs Dorf.

Hinter dem alten Klandorfer steht ihre Oma. Ingeborg Gielsdorf, Witwe des vor elf Jahren verstorbenen Dorfchronisten Kurt Gielsdorf, war entsetzt, als sie hörte, dass das Denkmal verschwinden soll. „Es gehört zu Klandorf“, ist für die 74-Jährige völlig klar. Genauso wie es für sie auf der Hand lag, dass man nun etwas tun müsse. „Wir hatten 67 Unterschriften, dann haben wir aufgehört“, sagt Angelika, unterstützt von Vater Arno Gielsdorf, der moniert: „Es wurde kein Gestaltungsvorschlag gemacht und die Bürger wurden nicht informiert.“ Unterdessen war jedoch Bewegung in die Sache geraten. Ortsvorsteherin Petra Poller reagierte unmittelbar und rief zur Einwohnerversammlung. Dort wurde schnell klar, dass man im Dorf gespaltener Meinung ist. Begriffe wie „Schandfleck“ und „Kleckerburg“ müssen gefallen sein. „Zugezogene finden es eher hässlich und ersetzbar“, sagt Ortsvorsteherin Petra Poller.Aber auch von denen wollen nicht alle den mittlerweile vielerorts üblichen Feldstein vor der Kirche.

Dass vor allem Ältere „ergriffen, auch traurig sind“, wie Angelika Gielsdorf sagt, lässt sich nicht einfach als vergangenheitsverhafteter Reflex abtun. Unter Denkmalschutz steht das Denkmal nicht. Aber es hat seine Geschichte. Unter anderem aus den Aufzeichnungen des alten Gielsdorf geht das hervor.

Besonders anrührend: Am Bau beteiligten sich viele Klandorfer. Die Kinder brachten Feldsteine vom Familienacker mit. Vor 6000 Gästen soll das Denkmal 1910 eingeweiht worden sein. „Zum hundertjährigen Bestehen von Klandorf dem Gedächtnisse Preußens edler Königin Luise errichtet“, stand bis vor 50 Jahren auf einer Holztafel. Sie wurde vor 25 Jahren durch die Bronzeplatte mit der Inschrift „Klandorf 1811“ ersetzt. Im Inneren soll sich noch ein Gefäß mit Urkunde befinden.

„Wir hätten das Ding ja nicht plattgemacht“, sagt Ortsvorsteherin Poller. „Nur: Es hat bisher niemand zur Kenntnis genommen.“ Schon vor anderthalb Jahren habe das Festkomitee beschlossen, den Platz zu erneuern. Niemand hätte sich seitdem zum Denkmal geäußert, sieht Poller den demokratisch gewählten Ortsbeirat mit seiner nun widerrufenen Entscheidung im Recht. Viel kosten durfte die Verschönerung auch nicht. Vom Bauamt der Gemeinde wurde der Feldstein vorgeschlagen – eine günstige Variante.

Zu guter Letzt hat sich ein versöhnlicher Kompromiss angebahnt. Einige im Dorf wollen die Geschicke in einer Denkmalfindungskommission in die Hand nehmen. Und der Zerpenschleuser Maurermeister Ulrich Zurth, geprüfter Restaurator im Handwerk, hörte von der Sache. Er will das Denkmal kostenlos restaurieren. „Das ist bis zum Fest machbar“, sagt er.

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