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Feldversuch mit allen Sinnen

Arbeitsbesprechung: Landschaftsentwicklerin Anne Kulozik, Kenneth Anders vom Oderbruchpavillon, der Initiator des Pleinairs in Gabow, sowie Garten- und Landschaftsarchitekt Jens Kleber (v.l.) besprechen ihre Arbeit an der Installationsfläche.
Arbeitsbesprechung: Landschaftsentwicklerin Anne Kulozik, Kenneth Anders vom Oderbruchpavillon, der Initiator des Pleinairs in Gabow, sowie Garten- und Landschaftsarchitekt Jens Kleber (v.l.) besprechen ihre Arbeit an der Installationsfläche. © Foto: MOZ/Nadja Voigt
Nadja Voigt / 13.07.2011, 21:05 Uhr
Gabow (In House) Grund und Boden stehen im Fokus des Pleinairs. Eine Woche lang beschäftigen sich vier Künstler, vier Wissenschaftler, zwei Wasserbauingenieure sowie zwei Garten- und Landschaftsarchitekten mit den Fundamenten der Landschaft des Oderbruchs. Am Ende soll eine Installationsfläche in Gabow entstehen.

Es ist ein Pleinair für die Sinne: Künstlerhände erkunden den Boden, horchen in die Landschaft, Wissenschaftler blicken auf Feld und Flur, nehmen Bodenproben und erkunden das Ackerland. Es herrscht geschäftiges Treiben auf dem fünf Hektar großen Feld in Gabow. Die Agrogenossenschaft Schiffmühle hat es den Veranstaltern, dem Oderbruchpavillon von Kenneth Anders und Lars Fischer, zur Verfügung gestellt. Eigentlich wächst dort das Futter für die Milchkühe des Betriebes. Geschäftsführerin Vera Wesner ist auf die morgige Präsentation gespannt. „Ich finde es interessant, was dort entsteht und wie andere sich dem Thema Grund und Boden nähern“, sagt sie.

Die Annäherung erfolgt tatsächlich auf sehr unterschiedliche Weise. Antje Scholz gräbt mit den Händen und legt das Ackerland frei. „Ich will den Boden zeigen, die nackte Erde“, sagt die Künstlerin. Uta Steinhardt, Professorin für Landschaftsökologie in Eberswalde, hat ebenfalls die Hände in der schweren Erde vergraben. „Ich finde die Auseinandersetzung wichtig“, sagt sie über ihre Motivation, an dem interdisziplinären Pleinair teilzunehmen. „Nicht nur unter ökologischen, sondern auch unter emotional-ästhetischen Aspekten.“ Denn ihre Bindung zum Oderbruch sei auch sehr emotional. „Ich liebe es“, gibt die Naturwissenschaftlerin zu.

Unter geologischen Aspekten betrachtet Hubert Wiggering, Direktor des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg, das intensiv genutzte Grünland. Drei bis vier Mal im Jahr wird das Futter für die Tiere gemäht. Bodenprofile zeigen dem Wissenschaftler, wie sich Ton und Torf abgelagert haben, dass bereits in nur einem Meter Tiefe das Grundwasser steht.

„Kunst und Wissenschaft arbeiten hier ergänzend“, erklärt der Professor für Geoökologie seine Faszination für das Pleinair. „Wir Naturwissenschaftler arbeiten eher analytisch, während die Künstler einen Blick für Formen und Ästhetik haben. Das ergänzt sich idealtypisch.“

Eine Installation in der Mitte des Feldes soll die wichtigsten Fragen – nach dem Verkaufswert, dem Bodenwert, der Wertschöpfung und der Wertschätzung – thematisieren. „Das soll keine Agitation sein, sondern ein Feldversuch“, sagt Veranstalter Kenneth Anders. „Wir wollen die Wichtigkeit dieser Fläche thematisieren und nähern uns deshalb dem Objekt aus vielen verschiedenen Perspektiven.“ Deshalb wird auch hörbar gemacht, was sonst niemand wahrnimmt: Mithilfe von Bodenmikrofonen erstellt Klangkünstler Helmut Lemke Hörprotokolle.

Die Ergebnisse des Pleinairs werden am Freitag ab 14 Uhr auf dem Feld und im Anschluss auf der Internetseite www.oderbruch pavillon.de präsentiert.

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