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Klandorfer feiern 200 bewegte Jahre

Andrea Weil / 24.07.2011, 19:37 Uhr - Aktualisiert 24.07.2011, 19:37
Klandorf (In House) Auf dem Leiterwagen haben die Vertriebenen ihre Habe zusammengepackt: Spinnrad, Waschzuber, Bettzeug. Dahinter kommen die Soldaten, Bajonette im Anschlag. Während sich der Mann ins Geschirr wirft, winkt die Frau mit Spitzenhäubchen fröhlich der Menschenmenge am Straßenrand zu.

Der Festumzug am Sonnabend war der Höhepunkt der dreitägigen Jubiläumsfeier, mit der die Klandorfer dem 200-jährigen Bestehen ihres Dorfes gedachten. Dabei war die Gründung alles andere als lustig, wie der Heimatverein Groß Schönebeck beim Umzug zeigte. Nach zwei großen Bränden wurde 1811 ein Teil der Bürger von Groß Schönebeck zwangsweise umgesiedelt. „Die Menschen sind mit nichts hier angekommen“, erzählt Helmut Suter, der bereits am Freitag einen Vortrag zur Geschichte hielt. „Trotzdem ist das heute ein Tag zum Feiern – als Erinnerung an das, was sie geschaffen haben.“

Die zehnjährige Sophie Schure hat mit ihren Freunden am Sonnabendnachmittag die Vertreibung in einem Theaterstück aufgeführt. „Ich kann mir gut vorstellen, dass die Bauern traurig waren und wütend“, sagt sie. Im Umzug ist Sophie als freie Bäuerin mitgelaufen, die erstmals keine Fronarbeit mehr leisten mussten. „Das hat großen Spaß gemacht“, sagt das Mädchen. „Bauern sind wichtig, damit alle zu Essen haben.“

Ein großer Teil des Festumzugs war dann auch der landwirtschaftlichen Entwicklung vom Dreschflegel bis zur Erntemaschine gewidmet. 28 Gruppen stellten mit viel Liebe zum Detail den Alltag der Bäuerinnen und Gemeindeschwestern dar, den Dorfschulzen, Kriegsausbruch, die Ankunft der Russen in einem originalen alten Motorrad mit Beiwagen und vieles mehr. Eine Stunde lang kommentierten Hubertus Albrecht und der ehemalige Ortswehrführer Martin Wolf unter dem Applaus der Menschenmenge am Straßenrand die vorbeiziehenden Gruppen.

„Persönlich empfinde ich an solchen Tagen tiefen Respekt vor denen, die uns vorausgingen“, sagte Uwe Schoknecht, Bürgermeister der Gemeinde Schorfheide, in seiner Festansprache zum Auftakt des Wochenendes. „Sicher bringt auch die Gegenwart Herausforderung – doch die Klandorfer werden sie meistern.“ Er dankte stellvertretend für alle fleißigen Helfer der Ortsvorsteherin Petra Poller.

Auf dem Festgelände führte die Fechtbruderschaft von St. Markus einen Schwerttanz vor. Die Kung-Fu-Gruppe des Sportvereins Zerpenschleuse zeigte sich athletisch. Während des Handwerksmarkts konnten die Besucher einem Schmied und einem Drechsler bei der Arbeit zusehen. Bis spät in die Nacht feierten die Klandorfer mit der Showband „Hot and Fire“ – ohne Brandgefahr.

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