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Detonation war bis Pfaffendorf zu hören

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Kühl / 16.01.2009, 08:03 Uhr
Kunersdorf () In einem Waldstück bei Kunersdorf haben Sprengexperten gestern eine 250 Kilogram schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg kontrolliert gesprengt. Die Bombe englischer Herkunft war in Vorbereitung von Rodungsarbeiten aufgespürt und freigelegt worden.

Pünktlich um 11 Uhr wurde der Wald bei Kunersdorf von einem ohrenbetäubenden Knall erschüttert. Tonnen von Sand, Steinen und Eisensplittern flogen mehrere hundert Meter weit durch den Nadelwald. Die Schneedecke rings um den Bombenkrater wurde mit rötlichem Sand und Feldsteinen bedeckt, fünf Fichten knickten wie Mikadostäbchen um.

Sprengmeister Peter Ewler ist erleichtert. Die 250-Kilo-Fliegerbombe englischer Herkunft, bei einer routinemäßigen Munitionssuche im Auftrag der Forstbehörden gefunden, ist ein für alle Mal unschädlich gemacht worden.

An einem Hang im Wald klafft nun ein zehn Meter großer und vier Meter tiefer Krater. Am Rand liegen vereinzelt scharfkantige Bombensplitter, die noch heiß sind. "Es handelt sich um eine Sprengbombe, die mit Aluminium-Brandbeschleuniger versetzt war", klärt Ewler auf. Eigentlich wollte er die Detonation mit einer Videokamera dokumentieren, die er an einem Ast aufgehängt hatte, aber daraus wurde nichts, der Startknopf war offenbar von dem Klebeband deaktiviert worden. Er selbst stand währenddessen nur vierhundert Meter entfernt mit dem Detonations-Auslöser hinter einem Baum.

"Man konnte Sekunden nach dem Knall Steine hören, die mit dem typischen Pfeifen durch die Luft flogen und dann der dumpfe Rumms der Landung", so Augen- und Ohrenzeuge Ewler.

Die kontrollierte Sprengung wurde tagelang vorbereitet. Mehr als vierzig Helfer, die meisten Feuerwehrleute aus der Gemeinde Rietz-Neuendorf, waren im Einsatz, um sämtliche Zufahrten und Wege im Umkreis von 1700 Metern rund um die Bombe abzuriegeln.

Die Fliegerbombe war im Zuge einer Munitionssuche gefunden worden, die die Oberförsterei Neubrück in Auftrag gegeben hatte. Die Landesforstbehörde ist gerade dabei, in dem Waldstück bei Kunersdorf Schneisen zu schlagen, die für den Einsatz der schweren Holzerntemaschinen nötig sind.

Oberförster Harald Griesbach hat sich in den Forst-Tagebüchern der letzten beiden Kriegsjahre kundig gemacht, und ist fündig geworden: "Es gibt dort einen Eintrag, in dem von einem englischen Flieger die Rede ist, der über dem Waldstück drei Bomben abgeworfen hat." Ob es sich bei dem nun gesprengten Exemplar um eine davon handelt, konnte Griesbach nicht einschätzen: "Möglich wäre das aber schon."

Der gestrige Knall war selbst im vier Kilometer entfernten Pfaffendorf noch gut zu vernehmen: "Es gab einen dumpfen Schlag, es klang wie ein Gewitter", sagte Christiane Tillack vom dortigen Minimarkt.

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