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Uferanrainer: Kormoran-Kot schädigt Erlen

JKUEHLN / 09.02.2008, 06:43 Uhr - Aktualisiert 09.02.2016, 13:59
Glowe () Am Glower See halten sich derzeit Dutzende von Kormoranen auf und bekleckern die Erlen am Uferbereich mit ihrem Kot. Die Uferanrainer sorgen sich nun um den Bestand des Auenbewuchses. Experten raten zur Gelassenheit.

Harry Mehl ist besorgt. Der Vorsitzende des Campingplatzes Glower See beobachtet jeden Tag Schwärme von Kormoranen, die sich auf den Bäumen am gegenüberliegenden Seeufer niedergelassen haben. "Die Erlenaue ist weiß vom Vogelkot", sagt Mehl. "Wenn das so weiter geht, werden die Bäume das nicht überleben." Mehl macht sich auch über das Erscheinungsbild der Urlauberregion Schwielochsee Sorgen: "Wie sieht das denn aus, wenn die Bäume hier erst einmal am Absterben sind?"

Während die Anwohner und Tourismusanbieter über die Kormoran-Versammlung besorgt sind, raten Experten zu Gelassenheit. Lutz Ittermann vom Umweltamt des Kreises sagt, man müsse unterscheiden zwischen Nistkolonien und Winterschlafplätzen. Während eine jahrelang etablierte Nistkolonie, wie sie etwa am Wochowsee bei Storkow existiert, eine wirkliche Gefahr für die Umwelt darstellen ("Die scheißen die Bäume tot"), seien Rastplätze, wie der am Glower See, ein vorübergehendes Phänomen. Wenn es wärmer werde, zögen die Kormorane weiter in Richtung Norden. Ähnlich sieht es auch Vogelexperte Torsten Ryslavy vom Landesumweltamt. "Die Schlafplätze der Kormorane sind eine flexible Geschichte. Die können morgen schon wo anders sitzen." Wichtig sei den Vögeln nur, an nahrungsreicher und störungsarmer Stelle zu ruhen. Bedingungen, die auch anderorts gegeben seien.

Biologin Irmtraut Zaspel, die sich bei der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft in Waldsieversdorf mit dem Thema "Das Erlensterben" auseinandersetzt, warnt vor zu schneller Stimmung gegen die Kormorane: Der Zustand der Erlen werde von den unterschiedlichsten Umweltfaktoren beeinflusst. Um eine Schadensprognose abgeben zu können, müsse man erst einmal Untersuchungen anstellen, etwa pH-Wert und Stickstoffgehalt des Bodens unter den betreffenden Bäumen messen.

Vom Grundsatz her sei es durchaus möglich, dass größere Mengen von Vogelkot den Erlen und anderen Baumarten schaden könne. Als Beispiel nennt sie die Symbiose der Erle mit bestimmten niederen Pilzgruppen, die den Bäumen Stickstoff zuführten. Der Vogelkot sei durchaus in der Lage, dieses sensible Gleichgewicht zu zerstören.

Axel Schmidt vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) widerspricht der unter anderem von Fischern vertretenen Ansicht, die Population von Kormoranen haben sich in den letzten Jahren sprunghaft vermehrt. Es habe, nachdem die Kormorane in den achtziger Jahren nahezu ausgerottet waren, lediglich eine Erholung der Bestände gegeben. Seit zehn Jahren sei die Population aber relativ stabil. Das massenhafte Auftreten der langbeinigen Fischfresser in der Region sein darauf zurückzuführen, dass die Vögel aus ihrem Winterquartier am Mittelmeer zurückkämen. Die Region um Beeskow und Storkow sei lediglich ein Zwischenstopp auf ihrem Zug nach Norden. "Die Kormorane ziehen in den nächsten Tagen weiter, sofern es keinen schärferen Frost mehr gibt."

Kormorane können bis zu einem Meter groß werden, ihre Flügelspannweite beträgt bis zu 1,50 Metern. Sie sind ausgezeichnete Gleiter. Die bis zu 3,5 Kilo schweren Vögel nehmen täglich ein Zehntel ihres Körpergewichtes an Nahrung zu sich. Die besteht überwiegend aus Fischen. Die Vögel sind meist stumm, nur in der Kolonie geben sie dumpf krächzende Laute von sich. Kormorane kommen nach einer Phase starker Bejagung und anschließender Erholung wieder in ganz Europa an Küsten und Binnengewässern vor. Wegen ihres ätzenden Kotes werden Brutbäume langfristig oft in Mitleidenschaft gezogen. Die These, Kormorane schädigen die kommerziellen Fischbestände, ist seit Jahren umstritten.

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