Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Kanada ist nicht ausgeträumt

© Foto:
RBUDERN / 27.03.2009, 08:00 Uhr
Kohlsdorf () Eric und Jordan haben das Leben ihrer Eltern - Sandra Pisch und Michael Schütz - völlig durcheinandergewirbelt. Denn der schöne Traum von Kanada zerplatzte und das Paar wurde zurückgeholt in die nüchterne Wirklichkeit von Kohlsdorf. Dort dürfen sie jetzt Mutter und Vater sein. Ihre süßen Zwillinge kamen bereits am 15. Februar auf die Welt, sie sind aber erst seit wenigen Tagen zu Hause. Da die beiden Jungen fünf Wochen zu früh geboren wurden, mussten sie noch einige Zeit unter ärztlicher Obhut bleiben. Jetzt träumen sie zu viert den Traum von Kanada.

Am 3. Juni vergangenen Jahres stiegen Sandra Pisch (28) und Michael Schütz (22) in den Flieger nach Vancouver. Sie hatten das Visum für ein Jahr "Work and Travel" in der Tasche, wollten sich ihr Traumland ansehen und nebenher jobben und den Weg für die Auswanderung vorbereiten. Beide hatten ihre Jobs - sie ist Bilanzbuchhalterin, er Reiseverkehrskaufmann - gekündigt. Doch es kam anders als gedacht. Schon Ende Juli ging es Sandra so schlecht, dass sie in Invermere (Provinz British Columbia) den Arzt aufsuchen mussten. Seine Diagnose: Sie sind nicht krank, sie sind schwanger. Das war erst einmal für beide ein Schock. Während Sandra durch ihre extreme Übelkeit gar nicht in der Lage war zu arbeiten, jobbte ihr Freund als Kellner in einem österreichischen Restaurant in Radium Hot Springs. Da die Auslandskrankenversicherung die Kosten für ihre ärztliche Versorgung nicht übernahm - niemand ahnte zu dieser Zeit, dass es sich um eine komplizierte Zwillingsschwangerschaft handelte -, , mussten die angehenden Eltern für die medizinischen Behandlungen tief in die Tasche greifen. Eine Entscheidung musste getroffen werden: Ende August entschloss sich Sandra, nach Deutschland zurückzureisen, Michael sollte vorerst in Kanada bleiben, weil er hier einen Job hatte und Geld verdiente.

Am 24. September landete sie allein in Tegel, am 3. März wollte er nachkommen, einige Tage vor dem geplanten Geburtstermin. "Ich wollte bei der Geburt dabei sein", sagt er

Doch auch dann kam alles anders: Sandra hatte schon kurz nach ihrer Rückkehr in Deutschland erfahren, dass sie Zwillinge bekommt und stand wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes unter ständiger medizinischer Betreuung. Schon Mitte Januar musste sie ins Krankenhaus, am 15. Februar kamen die beiden Kinder auf die Welt, fünf Wochen zu früh. Zu früh auch für den jungen Papa, der so schnell keinen günstigen Flug bekam. Von der Geburt seiner beiden Söhne erfuhr er per SMS, erst Anfang März kam er nach Deutschland zurück und konnte sie und seine Freundin in die Arme nehmen.

Im Haus ihrer Oma in Kohlsdorf, in der sie kostengünstig leben können, geben sich die beiden jetzt liebevoll ihrem Nachwuchs hin. Eric, der Erstgeborene, möchte am liebsten immer getragen werden, Jordan ist zufrieden, wenn er den Nuckel bekommt. Papa Michael plagt allerdings die Sorge um die Arbeit, er möchte schnell einen Job im Tourismus finden.Wenn die jungen Eltern, die zwischen Fläschchen und Windeln pendeln, Zeit haben, träumen sie von ihrer Zukunft. "Wir haben unseren Traum von Kanada nicht aufgegeben", sagt Sandra. Sie und Michael können sich vorstellen, in zwei, drei Jahren ihre Koffer zu packen und auszuwandern. Mit dabei sollen dann natürlich auch Eric und Jordan sein.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG