Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Dorfgemeinschaftshaus in Hohenfelde steht auf Abriss / Neubau zugesagt / Bürger bangen um wöchentlichen Termin zum Haareschneiden

Immer donnerstags beim Friseur

Stammkunde: „Schon immer“ ließ sich Wolfgang Reißer von Eva Kanzler den Bart und die Haare im Stützpunkt in Hohenfelde schneiden.
Stammkunde: „Schon immer“ ließ sich Wolfgang Reißer von Eva Kanzler den Bart und die Haare im Stützpunkt in Hohenfelde schneiden. © Foto: MOZ/Lina Hatscher
Lina Hatscher / 07.09.2011, 07:23 Uhr
Hohenfelde (MOZ) Noch kommt einmal die Woche die Friseurin Eva Kanzler ins Gemeindehaus Hohenfelde. Die Baracke soll abgerissen werden und die Bürger fürchten, dass der Friseur-Stützpunkt im neuen Gebäude keinen Platz findet. Der wöchentliche Friseurtermin ist der Überrest des früheren Dorfzentrums.

Sonnenblumen strahlen vor dem großen Bauernhaus neben der Bushaltestelle in Hohenfelde. Pralle, rote Äpfel hängen am Baum. In dem Schwedter Ortsteil leben rund 230 Einwohner. Es ist ruhig. Doch einmal die Woche, halten mehr Autos als sonst vor dem Dorfgemeinschaftshaus, einer niedrigen Baracke direkt neben der Bushaltestelle. Denn jeden Donnerstag ist Eva Kanzler da. In dem Stützpunkt der „Friseur und Kosmetik eG Angermünde“ schneidet und färbt sie Haare und stutzt Bärte von sieben Uhr in der Früh bis nachmittags um vier. „Früher war hier im Gemeinschaftshaus so viel Leben“, erinnert sich die Friseurin. Vor ihr in einem der zwei Stühle sitzt eine Kundin, der Ansatz soll nachgefärbt werden.

Es gab einen Konsum, ein Postamt, eine Arztpraxis, einen Kindergarten, eine Kantine und die örtliche Verwaltung – alles auf einem Fleck. „Da war es manchmal so voll beim Friseur, da sind gar nicht alle drangekommen“, erzählt Eva Kanzler, die schon vor der Wende in Hohenfelde gearbeitet hat. „Unser Betrieb ist seit knapp 40 Jahren in Hohenfelde.“ Ähnlich alt scheint der Kinderstuhl aus Holz in der Ecke. „Es kommen auch die ganz Kleinen mit her“, sagt Eva. Sie lächelt. Kinder lassen sich gern von ihr die Haare schneiden. Die kleinen Kunden werden liebevoll umsorgt – und bekommen einen Lolli. „Das gehört dazu. Selbst die Kinder, die nur ihre Großeltern in Hohenfelde besuchen, wissen das.“

Viel Platz nimmt der kleine Salon nicht ein – auf rund 17 Quadratmetern können zwei Kunden vor Spiegeln und Waschbecken Platz nehmen, vor den Fenstern hängen Spitzengardinen. Für drei Wartende stehen Stühle bereit. Leise spielt ein Radio, während sich der Geruch von Haarfärbemittel im Raum ausbreitet. Termine werden nicht vergeben, die Kunden kommt einfach vorbei. So macht es auch Wolfgang Reißer, ein Fernfahrer, der in Kunow wohnt. „Ich bin viel unterwegs, aber Eva schaffte es eigentlich immer, mich zwischendurch dranzunehmen.“ Auch an diesem Donnerstag hat er Glück, und kann vor dem Spiegel Platz nehmen, um sich den Bart stutzen zu lassen. Es wird ein wenig geplaudert. Wenige Minuten später steht Wolfgang Reißer wieder auf. Das nächste Mal müssten auch die Haare geschnitten werden. „Mädels, machts gut!“ Renate Fleske kehrt auf ihren Stuhl zurück. Sie lässt immer mal jemanden vor, wenn der es eilig hat. „Ich komme schon seit Jahren aus Schwedt nach Hohenfelde. Hier erfährt man immer etwas Neues“, sagt sie. Eva Kanzler kennt Renate Fleske schon seit mehr als 25 Jahren. „Sie war schon immer meine Friseurin und bleibt es auch.“ Auch aus ihrer Familie lassen sich viele die Haare von Eva Kanzler schneiden. Warum sie einmal im Monat aus Schwedt herkommt? „Es ist gemütlich“, sagt Renate Fleske. Wie viele andere macht sie sich Sorgen, wie es nach dem Abriss des Dorfgemeinschaftshauses weitergeht.

„Die Baracke steht seit 1969 und ist baufällig. Das Gebäude soll durch ein neues, kleineres ersetzt werden, um die laufenden Kosten gering zu halten“, sagt der Ortsvorsteher Detlev Martens. „Die Bürger möchten, dass der Friseur erhalten bleibt.“ Für rund ein Jahr – die Bauzeit – wird es kein Gemeinschaftszentrum geben. 2013 soll das neue Gebäude stehen. Eine Übergangslösung gibt es noch nicht.

Ralf Müller ist der Geschäftsführer der Friseur- und Kosmetik-Genossenschaft. „Wir mussten im letzten Jahr zwei Stützpunkte aufgeben.“ Das sei eine schwere Entscheidung gewesen, aber schlicht durch die demografische Entwicklung zu erklären. „In Hohenfelde ist die Entwicklung dagegen positiv“, unterstreicht Ralf Müller. „Wir sind daran interessiert, den Stützpunkt zu erhalten.“ Gespräche mit der Stadt Schwedt habe es schon gegeben. Jetzt muss nur noch eine Übergangslösung für den Bauzeitraum gefunden werden.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG