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Banzendorfer Bio-Imkerin wundert sich, dass niemand so recht gegen das Bienensterben aufbegehren will

Der Bienen ist auch des Menschen Tod

Katrain Vent-Schmidt lebt seit April in Banzendorf.
Katrain Vent-Schmidt lebt seit April in Banzendorf. © Foto: MZV/Schönberg
Christian Schoenberg / 30.09.2011, 17:40 Uhr - Aktualisiert 04.10.2011, 12:40
Banzendorf (MZV) Einsteins Bonmot „Stirbt die Biene, dann stirbt der Mensch“ ist für Katrain Vent-Schmidt Verpflichtung. Die Bio-Imkerin sorgt sich um die Zukunft des Insekts – und damit um die Zukunft der Welt, wie wir sie kennen.

Seit vier Jahren erntet Vent-Schmidt Honig. Seit April lebt sie in Banzendorf. Sie zog von Pabstthum ins einstige Forstamtshaus in der Banzendorfer Straße um.

Die Bienen hat sie noch nicht mit her gebracht. Das liegt nicht nur an der Jahreszeit. „Ich suche noch nach einem günstigen Standort“, erzählt sie. Banzendorf ist es nicht unbedingt. Die Vielfalt der Vegetation sei zu gering. „Es fehlt die Aufbautracht“, sagt die junge Frau und meint damit die ganz frühen Blüten, die die Bienen zeitig zum Sammeln locken. Die Landschaft sei relativ weit. „Zu wenig blühende Bäume“, so Vent-Schmidt, „Robinie, Linde, Kastanie – das brauche ich alles.“

Die Monotonie der Pflanzenwelt an manchen Orten ist aber nicht das wesentliche Problem, mit dem Imker zurzeit zu kämpfen haben. Zum einen stört der Einsatz von Insektiziden, den Vent-Schmidt selbst in Pabstthum schon negativen Einfluss gespürt hat: „Die Gifte sind direkt in die Blüte gespritzt worden“, weist sie darauf hin. Ihre Flugbienen kamen nicht mehr zurück. Nie mehr werde sie ihre Immen in Rapsfeldnähe bringen wollen, sagt sie.

Zum anderen sind es Krankheiten, die den Nutzinsekten zu schaffen machen – allen voran die Varroa-Milbe. Dieses Kleinlebewesen gehört nun seit Jahren zu den gefürchteten Todesbringern ganzer Bienenvölker. Auch Vent-Schmidt muss dagegen vorgehen. Sie tut es nicht mit Kunstchemie-Keulen. Als bio-zertifizierte Imkerin nimmt sie Ameisensäure - den Stoff, den die Krabbler aus dem Wald produzieren, um ihre Bisse schmerzhaft zu machen.

Doch die Milbe bildet mit wachsender Zahl der Generationen auch Resistenzen gegen die hohe Konzentration dieses Bekämpfungsmittels aus der Natur: „Früher habe ich 60-prozentige Ameisensäure genommen“, sagt Vent-Schmidt. „Heute muss sie schon 80-prozentig sein.“ Aber alles weit darüber wäre schon gefährlich – für die Königin, die zentrale Lebensader jedes Bienenstaats.

Für Vent-Schmidt ist das Milbenproblem eines, das man mit gezielter Zucht der Bienenvölker hätte untergraben können. Doch die Chance scheint jetzt verpasst. Jetzt werden die Wunden nur noch geflickt.

Das dritte Problem, das die Bienen verdrängt. Es gibt immer weniger Imker: „Der Altersdurchschnitt liegt doch schon bei 70Jahren“, sagt Vent-Schmidt. Sie führt das auch auf das Konsumverhalten der Leute zurück. „Sie sollten beim örtlichen Imker kaufen“, appelliert die Banzendorferin.

Denn das Wohl und Wehe der Menschheit hängt durchaus von den Hausbienen ab. „80Prozent unserer Nahrungsmittel haben wir nur, weil sie bestäuben“, sagt Vent-Schmidt. Und andere geflügelte Kerbtiere könne sie keineswegs ersetzen. „Ein Hummelvolk hat nur 600Individuen, eines der Bienen hat 600000“, rechnet sie vor. Zudem, um beim Beispiel zu bleiben, sei die Hummel zu fahrig in der Blütensuche, kann sich zum Beispiel nicht auf einen Nutzbaum einpeilen.

Vor verschwindenden Bienenvölkern ist schon des Öfteren gewarnt worden. Katrain Vent-Schmidt wundert sich nicht nur darüber, wie teilnahmslos solche Meldungen von den Menschen hingenommen wird. Vent-Schmidt verlangt ein Stück weit Wutbürgertum: „Dass wir noch keine Demo hatten, weil die Biene umgebracht wird“, fragt sie sich und verweist auf das anfangs genannte Zitat, das schon alt ist und von Einstein populär gemacht worden ist. Die Leistung der Bienen „wird in der Gesellschaft überhaupt nicht gewürdigt“. Dabei sei sie das wichtigste Nutztier überhaupt. „Und im Gegensatz zu anderen Nutztierhaltern gibt es für Imker nicht einmal Förderung vom Staat.“

www.bioimkerhonig.de

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