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Doris Steinkraus 30.01.2013 08:00 Uhr
Red. Bad Freienwalde, freienwalde-red@moz.de

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Heftige Debatte um Tarife für Retter

Seelow (MOZ) Seit dem 1. Januar 2013 fungiert der Rettungsdienst des Landkreises in einer neuen Struktur. Die Mitarbeiter der bis dahin agierenden drei Hilfsorganisationen wechselten in die neue kreiseigene Gesellschaft. Der Wechsel läuft nicht problemlos.

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Selten hat ein Thema die Kommentarlandschaft im MOZ-Internetforum so lange und intensiv beherrscht wie der Rettungsdienst. Mitte Dezember informierte Geschäftsführer Armin Viert im Amtsausschuss von Seelow-Land und in Letschin über einige Anlaufprobleme. Dazu gehörte auch die mitunter fehlende Ortskenntnis von Einsatzkräften. Das löste eine bis heute anhaltende hitzige Online-Diskussion aus. Die mitunter den Eindruck erweckt, als müssten sich Patienten sorgen, weil die Einsatzkräfte in erster Linie mit Fragen wie Tarif, Navi oder Ausstattung als mit der Hilfe für sie beschäftigt sind. Was Armin Viert entschieden zurückweist.

"Die Mehrheit ist loyal und leistet eine hervorragende Arbeit für die Patienten", unterstreicht er. Am Tisch von Landrat Gernot Schmidt kamen einige der Vorwürfe, die seit Wochen im Internet kursieren, zur Sprache. "Wir sind dabei, eine neue Struktur des Rettungsdienstes zu schaffen", stellte Schmidt klar. "Wir sind als Kreis für den Rettungsdienst verantwortlich, und wir werden die Geschäftsführung zwingen, die Kriterien für einen qualitätsvollen Rettungsdienst im Interesse unserer Bürger umzusetzen." Es werde auch einen Tarifabschluss geben, kündigte der Landrat an. Bei der nächsten Verhandlung im Februar mit den Gewerkschaften will er mit dabei sein.

Das Problem: Die neue Gesellschaft hat alle Rettungsdienstmitarbeiter der Hilfsorganisationen, die in Märkisch-Oderland agierten, übernommen. Das waren die Mitarbeiter der zwei DRK-Kreisverbände sowie die Johanniter. In allen gab es unterschiedliche Tarifverträge. Jetzt soll es einen einheitlichen geben. Genau darum dreht sich viel in der Online-Diskussion.

Gleich zwei Gewerkschaften sitzen mit im Boot. Schon im März 2012 gab es erste Verhandlungen. Es müssen spezielle Aspekte beachtet werden, weil etwa Bereitschafts- und Einsatzzeiten anders vergütet werden. Das erfolgte in den einzelnen Hilfsorganisationen anders als im öffentlichen Dienst vorgeschrieben. Für ein Jahr gelten ohnehin erst einmal für alle 136 Mitarbeiter die für sie bestehenden Tarife.

Der Landrat und auch der Geschäftsführer sind zuversichtlich, dass es eine Lösung in der Tarifdiskussion geben wird. Und sie versichern, dass unter diesen betriebsinternen Problemen kein Patient leiden darf und wird. Armin Viert sieht die hitzige - leider anonyme - Diskussion als die einiger weniger Mitarbeiter. Schon mehrmals sei er in allen Wachen gewesen. Immer habe er angeboten, sich mit Fragen oder Problemen an ihn zu wenden.

Viert hat für sich jetzt festgelegt, dass er ab Mitte Februar in allen Wachen mit jedem Mitarbeiter ein persönliches Gespräch führen wird. "Es geht um das Klima im Unternehmen", sagt er. Das wolle man sich nicht durch Halbwahrheiten und falsche Behauptungen Einzelner vermiesen lassen. Er nennt das Beispiel Medicalpads, über deren Sinn man im Online-Forum heftig diskutiert. Sie wurden im Dezember für viel Geld angeschafft und sollen auch das Thema Ortskenntnis entschärfen.

Mit der Neustrukturierung hat der Rettungsdienst sein Gebiet in drei Bereiche aufgeteilt - Nord mit den Wachen Bad Freienwalde, Wriezen und Strausberg, Süd mit den Wachen Seelow, Rathstock, Letschin und Müncheberg sowie West mit den Wachen Neuenhagen, Rüdersdorf und Eggersdorf - seit 6. Januar 2013 in Betrieb.

Jeder Mitarbeiter wurde gefragt, in welchem Bereich er seinen Hauptdienstort haben will. Das schließt Einsätze in anderen Wachen - bei Krankheit oder Urlaub - nicht aus. Um die Ortskenntnis zu sichern, wurden die Medicalpads angeschafft. Sie dokumentieren nicht nur jeden Einsatz, sondern verfügen auch über ein Navi. Es habe Anlaufprobleme gegeben, die inzwischen von der Firma jedoch in jeder Wache besprochen und behoben wurden, sagt Viert. Nach Märkisch-Oderland werden jetzt weitere Kreise die Medicalpads einsetzen.

Gerade hat der Rettungsdienst sieben neue Stellen ausgeschrieben. Ein Kriterium bei der Einstellung wird das Ergebnis der Ortskundenprüfung sein, erläutert der Geschäftsführer. Künftig werde das kreiseigene Unternehmen zudem selbst für gut ausgebildeten Nachwuchs - möglichst aus der Region - sorgen. In diesem Jahr sollen die ersten jungen Leute ihre Ausbildung zum Rettungsassistenten beginnen. Dafür sucht man derzeit noch eine Partnerschule.

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