Bad Freienwalde (MOZ) Björn, Schüler der 8. Klasse der Schule mit sonderpädagogischem Schwerpunkt Lernen, steht allein auf dem Parkplatz vor dem Hauptgebäude des Vereins Spielbau und schaut auf den Wald. Sein Bleistift fährt über den Zeichenblock. Sogar den Maschendrahtzaun deutet er an. „Ich male am liebsten direkt nach der Natur“, sagt Björn. Mehr auf Natur und Fantasie setzt sein Klassenkamerad Tim: Auf seinem großen Zeichenkarton reckt ein brauner Baum seine kahlen Äste in den Herbsthimmel. Seine Blätter liegen bereits am unteren Bildrand. Er hat wohl der Natur schon etwas vorgegriffen. Auch Florian hat einen Naturwald gemalt: „Es ist gut, hier die Fantasie mit reinzumischen“, sagt er.
Rückkehr zu Schwarz-Weiß: Joanna Kozakiewicz mit Daria, Markus und Michelle bei der Arbeit Jugendlichen aus Miedzyzzecz als Künstler.
Foto: Johanna Kozakiewicz wacht über Michelle und Daria im Fotokurs
Die Achtklässler der Albert-Schweitzer-Schule haben eine Woche lang gemeinsam mit acht Schülern des Adam-Mieckewicz-Gymnasiums in Miedzyrzecz die letzte Etappe des diesjährigen Festivals der Sichtkunst, Inspiracije, gestaltet. Das beschränkte sich freilich nicht auf das Malen von Bäumen. So trafen sich in der Keramik-Werkstatt junge Plastiker, um ihre Empfindungen in Ton auszudrücken. Fachlich angeleitet von der Keramikerin Susanne Eigenfeldt, schaffen sie dabei ganz erstaunliche kleine Kunstwerke. Und nicht alle sind klein. Der Weihnachtsengel, den Anne gestaltete, ist rund 30 Zentimeter hoch und kann ein richtiger Blickfang in der Weihnachtsstube werden. „Ich will ihn meinen Eltern schenken“, verrät Anne. Auch der stellvertretende Leiter der Albert-Schweitzer-Schule, Axel Laabs, sitzt mit am Tisch – neben ihm Przemyslaw, Adrian, Dariusz, Damian und Loren. Teelichthalter, kleine und große Engel sind der Renner in dieser künstlerischen Wichtelwerkstatt. Doch wie klappt die Verständigung? „Das geht toll, das funktioniert wunderbar“, sagt Susanne Eigenfeldt. Man müsse ja gar nicht viel sagen, beim Tonkneten helfen einfach die eigene Anschauung und das Vormachen weiter.
In Englisch unterhalten sich hingegen Michelle, Daria und Markus. Die drei Jugendlichen haben sich mit der klassischen Fotografie beschäftigt, heutzutage etwas sehr Außergewöhnliches. Betreut von Joanna Kozakiewicz bereiten sie die Vorstellung der Gruppe in fotografischen Porträts vor. Doch sind das nur zum Teil Fotos der Gesichter, und zum anderen Fotografiken. Das heißt, sie haben in der Dunkelkammer mit Vergrößerungsapparat, Licht und Fotopapier experimentiert und zauberhafte Schwarz-Weiß-Grafiken geschaffen, die scheinbar willkürlich kleine Gegenstände auf einem Blatt vereinen, auf einem anderen die Haare oder die Hand eines Teilnehmers. Mit Sonnenbrille und Schminkutensilien nehmen sie sogar das Thema des Workshops „Glamour“ neu auf.
Joanna ist fasziniert von den fantasievollen Schattenrissen: „Die Kinder haben mit der klassischen Fotografie für sie vollkommenes Neuland betreten, denn sie kennen nur Digitalkameras. Das ist irgendwie verrückt im wahren Wortsinn.“ Und es habe ihnen großen Spaß gemacht, bestätigen Michelle, Daria und Markus: „A lot of fun!“
Elke Brähmer vom Verein Spielbau wertet das Inspiracije-Projekt als vollen Erfolg.
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