Beeskow (MOZ) Die Gehaltssituation am Krankenhaus Beeskow, einer hundertprozentigen Gesellschaft des Kreises, wird Thema auf der Sitzung der SPD-Kreistagsfraktion am 11. Februar sein. Das mittlere medizinische Personal beklagt, seit 2005 vom Tarif abgekoppelt zu sein.
Bereits am 5. Dezember hatten Pfleger und Schwestern (Ärzte haben meistens attraktive Einzelverträge) an einer von der Gewerkschaft ver.di initiierten "aktiven Mittagspause" vor dem Krankenhaus teilgenommen, um auf ihre Gehaltssituation aufmerksam zu machen. Seit 2005 wird hier nicht mehr nach Tarif gezahlt, aber es gibt eine Betriebsvereinbarung, die noch unter dem Vorgänger des jetzigen Geschäftsführers Ulrich Wegener abgeschlossen wurde. Danach werden die Mitarbeiter am Gewinn beteiligt. Nach Aussagen des Betriebsratsvorsitzenden Jörg Zickmüller erhielten jeder für 2011 etwa 1700 Euro. Die Summe sei aber kein Ausgleich zu einem Tarifgehalt und auch nicht planbar.
Geschäftsführer Wegener verspricht auch für 2012 eine Ausschüttung, aber die genaue Summe stünde erst nach der Betriebsprüfung fest. "Wir schreiben schwarze Zahlen, das können nicht alle, nach Aussagen der Deutschen Krankenhausgesellschaft nur noch etwa 50 Prozent der Krankenhäuser", weiß Wegener. Mehr Gehalt kann er dem mittleren medizinischen Personal nicht versprechen. Seine Kritik richtet sich an den Gesetzgeber, Wettbewerb und Kostendruck hätten sich enorm verschärft. "Wir hier in Beeskow können die externen Rahmenbedingungen nicht ändern, wir können uns diesen nur anpassen."Er sei in der Pflicht, das Krankenhaus auch in schwierigen Zeiten sicher zu führen. Es habe keinen Personalabbau gegeben, Mitarbeiter anderer Häuser würden sich in Beeskow bewerben.
Die Situation werde auch in Zukunft nicht besser, denn das vor 15 Jahren eröffnete Beeskower Krankenhaus müsste jetzt aus eigener Kraft wieder mehr investieren.
Dass gerade ein kommunales Krankenhaus nicht tarifgerecht bezahlt, hat nun, nachdem der Unmut öffentlich wurde, auch die Abgeordneten auf den Plan gerufen. Die Kreis- und Landtagsabgeordnete Elisabeth Alter (SPD), die selbst einmal Krankenschwester war, bat den Landrat um eine Stellungnahme. Der Brief ist inzwischen an alle Kreistagsabgeordneten gegangen. Am 11. Februar wird sich die SPD-Fraktion damit befassen.
In dem Brief äußert sich der Landrat dahingehend, dass der Kreis (anders als andere Träger) keine Renditeerwartungen an das Krankenhaus hat, dieses könne über seine Einnahmen vollständig verfügen, müsse aber alle Ausgaben selbst erwirtschaften.
Die Gewerkschaft ver.di will jetzt im Beeskower Krankenhaus eine Tarifkommission einsetzen und gemeinsam mit dem Betriebsrat Gehaltsvergleiche zu umliegenden Krankenhäusern anstellen. Tarifnah werde im Klinikum Markendorf gezahlt, im Helios-Klinikum Bad Saarow liefen zurzeit "schwierige Verhandlungen", sagt ver.di-Funktionär Norbert Paas. Nicht besser als in Beeskow sehe es für die Mitarbeiter im Städtischen Krankenhaus Eisenhüttenstadt aus.
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