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Brigitte Horn 12.01.2015 04:35 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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Kleinkunst vom Feinsten

Biesenthal (MOZ) Zum ersten Poetry-Slam dieses Jahres hatte der Kulturbahnhof am Sonnabend eingeladen. Sechs Akteure warben mit selbst kreierten Texten und schauspielerischen Künsten um die Gunst der Zuschauer und der Jury. Am erfolgreichsten dabei war Sebastian Randjunge.

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Gaben ihr Bestes: Die Moderatoren Jessy James LaFleur und Manuel Goldbach (vorn, Mitte) und die Poetry-Slammer Marien Loha, Paul Cossmer und Juston Buße (vordere Reihe, v. l.) sowie Lennart Willowood, Sebastian Randjunge und Schmidde (v. l.).

© Rainer Horn

Alles schien zu strahlen. Obwohl der Biesenthaler Kulturbahnhof im Moment noch nicht so wahnsinnig viel hermacht. Mit Farbe, Abbeizer und anderem mehr hat der Verein zwar schon ein Menge getan, um das alte Bahnhofsambiente verschwinden zu lassen, dennoch wirkt manches noch etwas provisorisch. Doch die Stimmung und die Begeisterung beim Poetry-Slam ließen all das vergessen. Zumal die Veranstalter nicht nur den jungen Künstlern eine Bühne bereiteten, sondern ganz nach der Manier großer Theaterhäuser auch ein kleines Büfett bereithielten.

Wer noch nie bei einem Poetry-Slam war, der muss wissen, dass hier ganz normale junge Leute, der Sohn oder die Tochter von nebenan, selbst verfasste Texte vortragen und dabei alles geben. Denn sie dürfen, wie Moderatorin Jessy James LaFleur aus Brighton und Manuel Goldbach aus Bernau erklärten, keinerlei besonderes Bühnenkostüm tragen, sondern sollten in ganz normaler Alltagskleidung auftreten. So muss aller Ausdruck nur mit Mimik, Gestik und den Möglichkeiten der Stimme gestaltet werden. Dazu hat das Moderatorenpaar mit viel Charme durch den Wettbewerb geführt und verstanden, das Publikum immer mit einzubeziehen. Genausowenig hätten sie es geduldet, wenn der eine oder andere junge Schreiber und Rezitator, die sich selbst auch Slammer nennen, ausgebuht worden wäre. Doch diese Gefahr bestand an diesem Abend ohnehin nicht. Die Zuschauer waren begeistert. Einige lobten die ungeheure Kreativität, die wie eine geistige Erfrischung wirkte und oft mehr ansprach als das, was Film oder Fernsehen bieten. Das Spektrum reichte von lyrischen bis hin zu kabarettistischen Texten und waren oft wahre Meisterstücke der Kleinkunst.

So brillierte Juston Buße aus Berlin mit der Geschichte vom Alleinstehenden, der das Mysterium in der Waschmaschine verschwindender Socken erlebt. Schließlich spricht ihn eine imaginäre schwarzen Socke an, erzählt ihm seine Sorgen und fordert ihn letztlich auf, sie zu seinen vielen einzelnen Socken im Schubfach mitzunehmen, damit sie wieder intelligente Gesprächspartner habe. Buße gewann die erste Runde.

Sieger unter vier Finalisten wurde aber Sebastian Randjunge, der unter anderem mit einer Story das Publikum erfreute, die an bestimmte Reaktionen auf den Songcontest mit Conchita Wurst angelehnt war. Die Zuschauer erfuhren dabei, was einem Auto passieren kann, wenn es nicht bestimmten gängigen Klischeevorstellungen entspricht. Das etwas andere Auto aber ließ er von einem Sternenhimmel, wie tausende Kontrolllämpchen, träumen.

In der Geschichte eines anderer Slammers, in der von Lennart Willowood, weinten die Regale eines großen Möbelhauses. Schmidde hatte es die Vorliebe der Berliner angetan, sich auf den Rasen zu setzen. Würden sie sich überall Rollrasen mitnehmen, wäre die Stadt wohl bald komplett grün, weil Berliner mitunter die Angewohnheit hätten, alles liegen zu lassen, nahm er berlin-brandenburgische Befindlichkeiten auf die Schippe.

Manuel Goldbach, der nicht nur moderiert, sondern selbst Slammer ist, sprach von einer sehr gelungenen Veranstaltung. Immerhin hat er darin einige Erfahrung. Am 24. Januar feiert nämlich der von ihm moderierte bAernau sLam seinen vierten Geburtstag. Den Slam in Biesenthal gibt es wieder am 2. Mai.

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