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24 Stunden: Frankfurt (Oder)


Der Tag hat 24 Stunden . Auch in Frankfurt ist in jeder dieser Stunden irgendwo etwas los. Wir waren dabei und stellen Ihnen die Erlebnisse eines Tages vor.



Tina Zimmermann 19.07.2010 16:07 Uhr - Aktualisiert 20.07.2010 18:44 Uhr

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Pflegedienst auf vier Rädern

Frankfurt (moz) Das Asylbewerberheim An den Seefichten in Frankfurt erscheint grau und trostlos. Irgendwo in
einem der oberen Stockwerke sitzt ein Mann mit asiatischer Abstammung auf einem einfachen Metallbett in einem kleinen, schlicht möblierten Zimmer. Dreimal am Tag bekommt der Migrant, der namentlich nicht genannt werden möchte, Flüssignahrung durch eine Magensonde verabreicht. „Da er einen Tumor im Halsbereich hat“, so erklärt die examinierte Krankenschwester Kerstin Komode, „kann er oral keine Nahrung mehr aufnehmen.“

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  © Tina Zimmermann

Seit drei Monaten betreut die junge Frau abwechselnd mit ihren Kollegen von der häuslichen Krankenpflege Klementz den 74-jährigen Vietnamesen. Die Verständigung läuft mit Händen und Füßen, da der Mann kein Deutsch spricht. Wenn essentielle Dinge geklärt werden müssen, dann wird auch schon mal ein Dolmetscher zu Rate gezogen. „Allerdings wohnt dieser an der Küste und ist schlecht zu erreichen“, ergänzt Kerstin Komode. Etwa zehn Minuten braucht die geübte Krankenschwester, um Handschuhe anzuziehen, die Magensonde mit abgekochtem Wasser zu reinigen und den Mann mit 500 Milligramm Flüssignahrung und leichten Schmerzmitteln zu versorgen. Sie lächelt dabei und redet beruhigend auf den Asiaten ein. Das macht sie mit allen Patienten so und in den meisten Fällen bekommt die ruhige 24-Jährige auch ein warmes Lächeln zurück.

11:13 Uhr: Kerstin Komode sprintet in ihrem gelben VW-Fox zum nächsten Termin. „Zeitdruck herrscht in unserem Unternehmen glücklicherweise nicht“, so die junge Frau, „die Patienten sind uns wichtig und daher nehmen wir uns Zeit für jeden Einzelnen.“

Nur wenige Augenblicke später hält der Wagen der Krankenschwester vor einem Haus im Eichenweg. Hier wohnt der 85-jährige Herbert Koster. Der insulinpflichtige Rentner ist gerade dabei, mit Gummihandschuhen und Krückstock den Hausmüll zu durchsuchen. Er vermutet, dass die Reinigungskraft am Morgen versehentlich die Pulmotin-Salbe mit entsorgt hat. Die Salbe bleibt unauffindbar. Krankenschwester Kerstin Komode sammelt den verstreuten Müll wieder ein und begleitet Herbert Koster ins Haus, um die benötigte Insulinspritze zu verabreichen. Als der Rentner gerade versorgt ist, klingelt es an der Tür: das Essen ist da. Heute gibt es Salat, Fisch und Kartoffeln für Herbert Koster. Mit gutem Gewissen kann sich Kerstin Komode nun um die nächste Diabetes-Patientin in der Warschauer Straße kümmern. Waltraud Felix wohnt schon seit 1973 zusammen mit ihrem Mann in der Neubauwohnung. Die 71-Jährige hat seit 20 Jahren Diabetes. Durch einen Unfall kann sie ihre rechte Hand nicht mehr richtig bewegen. „Ohne den Pflegedienst wäre das Spritzen also schwierig“, erläutert die Rentnerin.

Es ist kurz vor zwölf und der gelbe VW-Fox von Kerstin Komode bahnt sich seinen Weg durch den Frankfurter Stadtverkehr. In der Lessingstraße angekommen findet die junge Frau wider Erwarten einen Parkplatz vor dem Haus Nummer drei. Giesela und Johannes Hanschel und Ruth Kalitzke sitzen am Mittagstisch, als die Krankenschwester die Wohnung der drei Geschwister betritt. Schwarze Dielen, ein großes verziertes Holzbett und Fransen-Lampen aus längst vergangenen Jahrzehnten lassen den Eindruck aufkommen, in der Wohnung sei die Zeit stehen geblieben.

Kollegin Ines Krüger ist bereits vor Ort und hat die über 90-Jährigen mit Essen versorgt. „Wie schmeckt es denn?“, fragt Kerstin Komode mit lauter Stimme Ruth Kalitzke. „Ganz manierlich“, lächelt die 96-Jährige. Die drei sitzen schweigend am Mittagstisch. Plötzlich entwischt dem dementen Johannes Hanschel ein gewaltiger Nieser, worüber sich seine Schwester Giesela furchtbar beschwert. Das ist das einzige Mal, das es laut wird am Tisch. Dann kehrt wieder Stille ein. Weil Ruth Kalitzke über starke Müdigkeit klagt, wird noch der Blutzucker gemessen. Alles im grünen Bereich. Als die drei Geschwister sich auf den Mittagsschlaf vorbereiten, ist Kerstin Komode längst wieder unterwegs. Der nächste Patient wartet schon.

 

Alle Teile der Serie 24 Stunden unter www.moz.de/24h

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