Frankfurt/Slubice (MOZ) Polnische Schüler aus berufsbildenden Schulen in Slubice und Osno Lubuskie können künftig leichter Praktika in Frankfurter Unternehmen absolvieren. Eine entsprechende Kooperation vereinbarten gestern der Landkreis Slubice, die Stadt Frankfurt und die Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg. Nach Angaben von IHK-Hauptgeschäftsführer Gundolf Schülke haben 22 Frankfurter Betriebe Interesse an polnischen Praktikanten gezeigt. Sie sollen in den Berufen Kfz-Mechatroniker, Speditions- und Bürokaufmann sowie in der IT-Branche lernen.
Das Projekt sei ein Aspekt, die Arbeitnehmerfreizügigkeit umzusetzen, begründete Schülke die Kooperation. "Das Ziel ist, Gemeinsamkeiten zu entwickeln und zu verstetigen", sagte er. Der Slubicer Landrat Andrzej Bycka erhofft sich Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt. "Wie wir wissen, gibt es bei einigen Berufsgruppen Defizite."
Defizite in der Gewinnung von Nachwuchs kennt auch Karsten Bohlig. Sein Autohaus ist einer der Betriebe, in dem die Praktikanten künftig unterkommen werden. Bohlig sieht in dem Projekt vor allem die Chance für polnische Schüler, später auch eine Ausbildung bei ihm zu beginnen. Ihm fiel es in den vergangenen Jahren immer schwerer, geeignete deutsche Bewerber zu finden. Vier Jahre lang bildete er deshalb gar keine Mechatroniker mehr aus, im Februar begann ein polnischer Auszubildender seine Lehre bei ihm. "Karsten, wie kannst du denn einen polnischen Auszubildenden einstellen, findest du keinen deutschen?", zitierte er gestern die Skepsis seiner Mitarbeiter. Die sei aber inzwischen verflogen. Für Bohlig zählen zwei Argumente gleichermaßen: Er will sich Fachkräfte sichern und einen Beitrag zur interkulturellen Verständigung leisten.
Eine Hürde, die Bohlig genauso sieht, wie die Verantwortlichen von den Schulen ist die Sprache. "Wir können uns nur Schüler mit den Voraussetzungen auch in der deutschen Fachsprache rausgucken und diese dann motivieren", sagte Maria Skalniak, Direktorin der Slubicer Schule für Wirtschaft und Landwirtschaft gestern.
Einen verstärkten Austausch in die andere Richtung, also von deutschen Lehrlingen an polnische Betriebe, hält IHK-Chef Schülke für "außerordentlich wünschenswert". 170 Lehrlinge aus dem Kammerbezirk seien im vergangenen Jahr für Praktika ins Ausland gegangen - die allermeisten aber in englisch-sprachige Länder. Dennoch wünsche er sich, dass die gegenseitige Ausbildung im deutsch-polnischen Grenzgebiet "ganz alltäglich" werde.
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