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NEU_Frei 15.04.2012 20:10 Uhr
Red. Neuruppin, lokales@ruppiner-anzeiger.de

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Anekdoten aus dem Gerichtsalltag

Rüthnick (MZV) Viele interessierte Zuhörer waren am Freitagabend der Einladung ins Rüthnicker Vereinshaus gefolgt: Zu Gast war der Berliner Richter Rüdiger Warnstädt (RA berichtete). Über 25Jahre lang sorgte er mit seiner originellen, fast bühnenreifen Verhandlungsführung, seinem verantwortungsvollem Umgang mit der Rechtssprechung oder aber mit kritischen Worten zum Rechtssystem für wohlwollende Schlagzeilen in der Presse und für so manches Bauchweh bei ihm vorstehenden Autoritäten.

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Amüsant: Rüdiger Warnstädt plauderte aus dem Gerichtssaal.  Krüger  

Amüsant: Rüdiger Warnstädt plauderte aus dem Gerichtssaal. Krüger

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Er begann seine Karriere als Strafrichter beim Amtsgericht Tiergarten im Berliner Kriminalgericht Moabit, dem größten Strafgericht Europas. Dort pflegte er sein Image vom außergewöhnlichen Richter, dessen Saal bis zum letzten Platz mit Beobachtern gefüllt war. Seine schriftlichen Urteile fällte und schrieb er in einer Sprache, die jeder verstehen konnte.

Warnstädt scheint die Gabe zu besitzen, Mimik und Gestik wie ein guter Schauspieler einsetzen zu können. Auf diese Fähigkeit und auch auf seine Theaterleidenschaft, der er seit seinem zwölften Lebensjahr ergeben ist, besann er sich nach seiner Pensionierung: Er verabschiedete sich nicht von der Öffentlichkeit, sondern ließ diese teilhaben an seinem Erlebten, an seinem didaktischem Können, das er in Lesungen zum Besten gibt. Mittlerweile ist nun nach „Recht so“, „Herr Richter, was spricht er“, „Ortstermine“ auch sein viertes Werk „… immer wieder Warnstädt“ sowie ein Hörbuch im Eulenspiegel Verlag erschienen.

In Rüthnick kamen seine in Berliner Mundart vorgetragenen Anekdoten überaus gut an. Als Einstieg gab er sein persönliches „Dinner for one“ – eine Geschichte über Gerda, eine Frau, die ihrer wegen Drogendelikten angeklagten bildhübschen Tochter ein Alibi verschaffen wollte und dann selbst in Schwierigkeiten geriet, weil die beste Freundin bei dieser Geschichte nicht ganz mitspielen wollte. Zum Schluss sei Gerda mit einem „Zeugenentbindungsgesuch“ ins Gericht gekommen, erzählte der Richter. Er schuf dabei mit wenigen Worten ein plastisches Bild jener Frau: „ … sie erschien als Würfel, so ein Meter fuffzig hoch als auch breit, hatte eng anliegende rosa Radlerhosen und wasserstoffsuperblonde Haare und sagte: Ick komme zu Ihnen wegen meiner Entbindung.“

Richter Warnstädt erwiderte daraufhin, dass ein Stück die Straße runter entbunden werde, worauf die Neuköllnerin sagte: „Sie jefalln mir, Sie haben Humor, ick ziehe den Antrag zurück. Ick freu mir schon uff Ihnen.“

Neben unterhaltsamen Exkursen in seinen Gerichtsalltag erzählte Warnstädt an diesem Abend in Rüthnick jedoch auch viel Persönliches. Dabei gab er Einblicke in seine Verhandlungsstrategie, verteilte Seitenhiebe auf Lehrer, die ihm einst als Schöffen zur Seite standen, und vermittelte glaubhaft das Bild eines engagierten Richters, der sich für den Menschen auf der Anklagebank interessiert und nicht allein dessen verbrecherische Tat zu bewerten hat.

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