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Heike Hahn 26.01.2013 07:55 Uhr
Red. Seelow, seelow-red@moz.de

heimat/lokalredaktionen/seelow/artikel7/dg/0/

Obdachlosenheim hat noch Platz

Voßberg (MOZ) Im Obdachlosenheim des Arbeitersamariterbundes in Voßberg ist noch Platz. Von 35 Betten sind derzeit 16 belegt. Besonders alkoholkranke Männer sind auf die günstige Bleibe angewiesen.

heimat/lokalredaktionen/seelow/artikel7/dg/0/1/1093888/

"Wir würden bei der Kälte nie jemanden ablehnen, der vor der Tür steht und einen Ort sucht, wo er übernachten kann", sagt die Leiterin des Obdachlosenheims Martina Schurig. Bei minus 17 Grad Celsius in der Nacht sind die 16 Bewohner froh, ein Dach über dem Kopf und eine funktionierende Heizung an der Wand zu haben. 35 Plätze stehen in Voßberg für diejenigen zur Verfügung, die am Rand der Gesellschaft angekommen sind.

Viele sind arbeitslos und alkoholkrank, konnten ihre Miete nicht bezahlen, bis schließlich der Gerichtsvollzieher vor der Tür stand. "Die meisten kommen nach einer Zwangsräumung ihrer Wohnung hierher", sagt Martina Schurig. Im Heim kommen sie meist nur mit zwei Beuteln an, viel besitzt niemand von ihnen. Möbel dürfen sie nicht mitbringen, höchstens einen Fernseher und Kühlschrank. Nach dem Computer braucht man gar nicht fragen.

Die Wohnungslosen kommen aus den Gebieten der fünf Verbandspartner, die mit dem Arbeitersamariterbund zusammenarbeiten. Darunter sind Letschin, Seelow, Golzow, Neuhardenberg und Lebus. Das Durchschnittsalter beträgt 50 Jahre. "Für einen Mietvertrag braucht man aber eine Einweiseverfügung", sagt die Heimleiterin, die mit der Zeit wahrlich abgehärtet ist. Sie kümmert sich seit zwölf Jahren zwar um vieles, für das sie eigentlich nicht bezahlt wird, doch es ist weniger geworden. Es komme einfach zu wenig zurück. Seit ein paar Jahren gibt es nur noch das Weihnachtsfest. Ostern und Herrentag werden nicht mehr gemeinsam gefeiert.

Martina Schurig versucht auch, die Bewohner dazu zu bewegen, ihre Schulden abzubezahlen. Denn eigentlich soll das Wohnheim keine Endstation sein. Doch die älteren Männer seien froh, nicht mehr aus ihrem Leben im Heim herausgerissen zu werden. "Ihnen ist es wichtig, dass es so bleibt." Ulrich Schüler ist derjenige, der schon am längsten dort wohnt. Seit 1996 lebt er im Voßberger Heim. "Na klar, man braucht sich nichts vormachen", sagt er. "Ich denke oft an Zuhause, an die Familie und meine geschiedene Frau." Soweit gehe es ihm ganz gut, allein das Bein mache ihm gerade Ärger. Es schmerzt, er kann nur humpelnd laufen.

Sein kleines Zimmer ist für die Umstände ganz hübsch eingerichtet. Ein Aquarium in der Ecke gibt blubbernde Geräusche von sich, das Bett ist gemacht und der kleine Fernseher steht in einem Regal, auf dem auch allerlei Klimbim drapiert ist. Der 61-Jährige sitzt in seinem Sessel und sinniert über seinen Tagesablauf. "Kurz nach sechs Uhr bin ich aufgestanden, habe den Fernseher angemacht, eine geraucht", zählt er auf. "Und dann überlegt man, was zu tun ist."

Bei Horst Schirok und Eberhard Kernicke im Zimmer sieht es etwas karger aus. Doch die beiden haben eine tolle Aussicht auf die Winterlandschaft. "Mehrere Rehe, einen Fuchs und Rebhühner konnten wir schon beobachten", sagt Horst Schirok. Er hat dafür extra ein Fernglas auf dem Fensterbrett positioniert. Endstation Obdachlosenheim - für viele die Realität. Immerhin - Mutter und Tochter, die einige Zeit in der einzigen Heim-Wohnung lebten, können demnächst ausziehen. Beide haben ihre Schulden abbezahlt und eine Wohnung gefunden.

Das Obdachlosenheim ist auf Sachspenden angewiesen. Derzeit fehlt es an Liegen. Der ASB holt gut erhaltene auch beim Spender ab. Tel. 033475 57071

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