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Doris Steinkraus 31.01.2013 06:50 Uhr
Red. Seelow, seelow-red@moz.de

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Ausgeprägter Blick fürs Detail

Carzig (MOZ) Im kleinen Carziger Kirchenraum ist derzeit eine Fotoausstellung zu sehen. Gestaltet wurde sie von Bianka Portee, einer jungen Frau, die seit ihrer Geburt an Mukoviszidose leidet. Obwohl schwer krank, bringt sie mit ihren Bildern anderen Menschen Freude, macht Mut.

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Bereitet sich und anderen mit ihren Bildern Freude: Bianka Portee gestaltet Fotobücher, zeigt derzeit in der Kirche einige ihrer Fotografien.  

Bereitet sich und anderen mit ihren Bildern Freude: Bianka Portee gestaltet Fotobücher, zeigt derzeit in der Kirche einige ihrer Fotografien.

© Johann Müller

Auf dem kurzen biografischen Abriss an der Wand sind zwei Bilder von Bianka Portee zu sehen. Eines zeigt eine unbeschwerte Jugendliche, das zweite eine Frau mit Sauerstoffschläuchen in der Nase. Dass es ein und dieselbe Person ist, erkennt man erst auf den zweiten Blick.

"Ich habe es schon viel weiter geschafft als man mir vorausgesagt hat", sagt die Carzigerin mit einem matten Lächeln. Sie spricht ganz selbstverständlich über ihre Krankheit. "Ich sollte nur fünf Jahre alt werden, dann haben sie auf 18 Jahre aufgestockt und jetzt bin ich schon 35", sagt sie.

Sie sei eine richtige Kämpferin, bescheinigt Mutter Christiane. Sie gebe sich nicht auf, lasse sich nicht hängen. Schon kurz nach der Geburt diagnostizierten Ärzte die unheilbare Krankheit. Die Familie, die in Frankfurt (Oder) lebte, war kurz zuvor ins damalige Karl-Marx-Stadt gezogen. "Weil wir dort eine schöne Wohnung bekommen konnten, unsere Bianka war doch unterwegs", erzählt Christiane Portee. Sie seien nur ein Jahr dort geblieben, weil die Familie zurück wollte. Der kurze Ausflug sei aber wahrscheinlich die Rettung für ihr Kind gewesen, denn in Karl-Marx-Stadt gab es eines der wenigen Zentren, die sich speziell mit der Krankheit beschäftigten.

Zurück in Frankfurt habe es nur einen Arzt gegeben, der sich damals bereit erklärte, das kranke Kind dauerhaft zu betreuen - Dr. Rönitz. Trotz einiger Einschränkungen verlebte die Tochter mit drei weiteren Geschwistern eine relativ unbeschwerte Kindheit und Jugend. 1985 zog die Familie nach Carzig.

Rückblickend weiß die Mutter, dass man das kranke Mädchen viel zu sehr in Watte packte. Sie sollte sich schonen, durfte keinen Sport mitmachen. Heute ist die Medizin weiter, fördert die Bewegung. Bianka machte den 10.-Klasse-Abschluss, schaffte auch die Ausbildung als Floristin. Doch danach war für sie Schluss. "Ich muss alle drei Monate ins Krankenhaus. Welcher Betrieb will schon so eine Kranke?" sagt sie.

So blieb ihr nur das elterliche Zuhause. Da war sie lange Zeit Stubenhocker, gesteht sie. Dann entdeckte sie die Fotografie. Erst waren es Handyfotos, dann kaufte sie sich eine Digitalkamera und dann noch eine Spiegelreflex. "Ich habe damit die Natur, meine Liebe zu Pflanzen und Tieren entdeckt", erzählt sie. Und will vom MOZ-Fotografen auch gleich ein Urteil über ihre Bilder haben. Aber bitte ein ehrliches, sagt sie. Denn nur das helfe ihr wirklich.

Johann Müller bescheinigt der jungen Frau viel Talent. Ihre Beobachtungsgabe sei bemerkenswert. Es sind die Bilder eines Menschen, der jeden Augenblick genießt, der Dinge entdeckt, an denen der stets Gehetzte vorbei läuft: Die krabbelnde Ameisenschar auf dem Ast; der Grashüpfer, der so grün ist, dass man es kaum glauben mag; die Biene in der Blüte. Auch Phantasien sind dabei, entstanden durch Bearbeitung am Computer. Da spiegelt sich die Carziger Kirchenruine in einem See, den es gar nicht gibt, oder ist der Turm von Wolken umgeben.

Karl-Heinz Labes vom Förderverein der Carziger Kirche hat die junge Frau oft gesehen, wenn sie mit ihrer Kamera durch den Ort marschierte. "Wir sind jeden Tag draußen, auch im Winter", sagt Bianka Portee stolz. Als Labes fragte, ob sie nicht eine Ausstellung gestalten will, freute sie sich. Die Eröffnung konnte sie nicht miterleben. Wieder einmal lag sie im Krankenhaus. 2012 sei kein gutes Jahr gewesen, blickt ihre Mutter zurück. Ihre Tochter musste sich einer Gallenoperation unterziehen. Das hat Kraft und viel Gewicht gekostet. Seit langem wartet sie auf eine Spenderlunge. Momentan könnte sie gar keine bekommen, weil sie zu leichtgewichtig ist. Doch die junge Frau ist optimistisch. Sie hofft auf die Operation, von der sie weiß, dass sie ein Risiko für sie sein wird. Doch sie möchte noch viele Momente erleben und im Bild festhalten. Dass jetzt schon Privatleute kommen und von ihr Fotobücher gestaltet haben möchten, spornt sie an. Bald soll sie auch in der Berliner Charitee Bilder zeigen.

"Sie gibt mit ihren Bildern Freude und macht anderen Kranken Mut", sagt Karl-Heinz Labes anerkennend. Das hatte auch Dr. Christoph Grüber, Chefarzt im Klinikum Markendorf, in seiner Laudatio zur Ausstellungseröffnung gewürdigt. Noch bis April können sich Besucher die Bilder ansehen. Am Wochenende ist die Kirche stets geöffnet.

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