Angermünde (MOZ) Kein Licht, keine Heizung, kein Kaffeekocher, kein Computer, kein Telefon - ohne Strom ist das alltägliche Leben beinahe lahm gelegt. Stundenlange Stromausfälle hielten Mittwoch und Donnerstag Anwohner, Ladeninhaber und Techniker der Eon.edis in Atem.
Fehlersuche: Reiner Eichstedt zeigt an der Trafostation, welches Kabel betroffen ist. Die Suche nach der Fehlerstelle ist kompliziert.
Marlies Burchert weiß sich zu helfen. Kerzen und Teelichter hüllen den Handarbeitsladen in der Rosenstraße in gemütliches Licht. Kunden treten zögernd ein, wenn sie das kleine Licht im dunklen Geschäft erspähen. Der Stromausfall am Donnerstag ab 15 Uhr betrifft rund 30 Haushalte, Geschäfte und Büros in der Rosenstraße und am Markt.
Ein defektes Kabel hatte schon am Mittwoch in diesem Bereich die Stromversorgung lahm gelegt. Nach gut zwei Stunden Fehlersuche hatten Techniker der E.ON edis das Kabel provisorisch geflickt. Doch die Notreparatur war nicht von Dauer. Am nächsten Tag brach die Behelfsleitung komplett zusammen. "Wir hatten gedacht, die Fehlerstelle gefunden zu haben. Doch die Stelle, an der wir gebuddelt hatten, war es nicht. Jetzt müssen wir erneut suchen, und dauere es bis in die Nacht", erklärt Reiner Eichstedt von E.ON edis, der mit Technikern vor Ort die Nadel im Heuhaufen sucht.
In dem riesigen Kabeldschungel, der von der Trafostation am Rathaus unterirdisch die Altstadt versorgt, ist irgendwo ein kleines Leck. Welches der Ein-Kilovolt-Kabel betroffen ist, haben die Fachleute schnell herausgefunden. Doch das windet sich lang und verschlungen unter dem Altstadtpflaster in Dutzende Häuser. Irgendwo noch unsichtbar ist der Wurm drin. "Das Kabel kann durch frühere Bauarbeiten oder beim Verlegen beschädigt worden sein. Das rächt sich irgendwann, manchmal erst viel später nach Wochen, Monaten, Jahren", so Eichstedt.
Mit dem Messwagen wird der Stromfluss geprüft. "Das ist ein recht kompliziertes technisches Verfahren, bei dem akustische Signale, Entfernungen und mehr gemessen und berechnet werden und dadurch geortet werden können, wo es irgendwo abweichende Werte gibt. Dort muss dann der Fehler gesucht werden", erklärt Reiner Eichstedt. Und das bedeutet: Rein in die Erde, Kabel ausbuddeln, Schadstelle suchen und hoffentlich finden, flicken ... Bei 40 Zentimeter tief gefrorenem Boden beißt sich der kleine Bagger die Zähne aus. Da hilft nur der Presslufthammer.
Zuvor muss in jedem betroffenen Haus vorsichtshalber die Hauptsicherung abgeschaltet werden, damit es nicht zu Überspannungsschäden an Geräten in den Haushalten kommt, wenn der Strom plötzlich wieder durch die Leitungen gejagt wird. "Das Problem ist, dass nachmittags ja nicht alle zu Hause sind. Auch das kostet Zeit", seufzt Reiner Eichstedt. Inzwischen ist es 16 Uhr. "Es wird länger dauern." Eichstedt hat Bereitschaft und stellt sich schon mal auf eine lange Nachtschicht nach dem normalen Arbeitstag ein.
Indes versuchen die Betroffenen in der Rosenstraße die stromlose Zeit zu überstehen. Solange das Tageslicht ausreicht, verkauft Birgit Brandt im Presseladen weiter Zeitschriften und Süßigkeiten. Die Kasse funktioniert auch mechanisch. Nur das Fax für die Tabakbestellung konnte sie nicht abschicken. Am Café Kobi und am Telefonshop hängen handgeschriebene Zettel an der Tür: "Aus technischen Gründen geschlossen". Einfach zuschließen können die Lokalredakteure der Märkischen Oderzeitung nicht. Die Zeitung muss morgens im Briefkasten stecken. Weil weder Computer, noch Internet, noch Telefon funktionieren, quartieren sich die Redakteure abends notdürftig in der Schwedter Redaktion ein, um die halbfertigen Texte zu Ende zu schreiben.
Um 20 Uhr gibt es immer noch keinen Strom. Eine junge Mutter zieht mit ihrem Baby zur Oma. Ihre Wohnung kühlt ohne Heizung schnell aus. Weder Wasser noch Brei können gewärmt werden.
Erst gegen 23 Uhr ist der Schaden behoben. Die Ursache ist noch nicht sicher geklärt.
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