Angermünde (MOZ) Der Angermünder Seesportclub bangt um seine Zukunft. Zum Jahresende soll dem Verein auf der Halbinsel des Wolletzsees gekündigt werden, weil diese Fläche als Ausgleich für den geplanten neuen Campingplatz geräumt und renaturiert werden soll. Eine Alternative ist bisher noch nicht in Sicht.
Zurück zur Natur: Camper und Seesportclub mit den großen Bootsstegen müssen von der Halbinsel am Wolletzsee weichen
Segeln, paddeln, rudern - seit 60 Jahren frönen Wassersportler am Wolletzsee ihrem Hobby. Jetzt befürchtet der Seesportclub ein Ende der langen Tradition. Der Verein muss ebenso wie die Camper nach Jahrzehnten die Halbinsel am Wolletzsee räumen und weiß nicht, wohin. Am Wolletzsee, im Biosphärenreservat, will die Stadt Angermünde durch die Städtischen Werke einen neuen, großen Campingplatz mit vielfältigen Freizeitangeboten errichten. Die Stadtverordnetenversammlung steht hinter diesem Projekt. Eine Bedingung, die das Ministerium an die mögliche Genehmigung des Großvorhabens knüpft, ist die Räumung und Renaturierung der Halbinsel als Ausgleich für Eingriffe in die Natur am Schäferberg und im Wald - den künftigen Standorten des Freizeitareals.
Im ersten Planentwurf wurde dem Seesportclub eine neue bebaubare Fläche am Strandbad ausgewiesen. In der überarbeiteten zweiten Fassung ist diese Fläche nicht mehr enthalten. "Jetzt heißt es lediglich, der Seesportclub wird integriert", sorgt sich Vereinsvorsitzender Silvio Arendt, der deshalb mit seinem Vorstand vor dem Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung das Problem schilderte und Klarheit fordert. Auch sei von Eigenanteilen des Vereins in sechsstelliger Höhe die Rede, die sich der Verein nie leisten könne, so Arendt.
Der Entwurf für den geänderten Flächennutzungsplan und den vorhabenbezogenen Bebauungsplan für Strandbad und Campingplatz Wolletzsee muss auf Grund von Formfehlern erneut öffentlich ausgelegt werden, um Planungsrecht zu bekommen und das Vorhaben auf den Weg bringen zu können. Deshalb stand das Thema aktuell auf der Tagesordnung des Ausschusses. Die Zeit drängt. Auch für den Seesportclub. "Wir sollen zum Jahresende 2013 gekündigt werden und wissen nicht, wo wir danach bleiben und wo wir die Boote lagern sollen, bis in zwei, drei Jahren oder noch länger das Konzept umgesetzt ist", verdeutlichte Silvio Arendt das Problem.
Der Seesportclub nutzt Grundstück samt Boots- und Vereinshaus der Stadt Angermünde. Die habe als Eigentümer jederzeit das Recht zu kündigen, mit einer sechsmonatigen Kündigungsfrist, erläuterte Rechtsamtsleiter Michael Martin und verwies zugleich auf Beschlüsse der SVV, die Einvernehmlichkeit mit den Nutzern voraussetzen, sowie auf die Auflagen des Ministeriums zur Räumung der Insel.
Doch zugleich beruhigte er, dass eine Kündigung immer erst der Zustimmung der SVV bedürfe. Im Hauptausschuss nahm man die Verunsicherung der Seesportler ernst, die ebenso den Campingverein auf der Halbinsel betreffen. Man wolle das Investitionsvorhaben der Städtischen Werke unterstützen und vorantreiben. Man habe aber einvernehmliche Lösungen vorausgesetzt und nicht die Absicht, den Verein "platt zu machen", betonten Burkhard Grambauer (LBG) und Kurt Habermann (FWG). Frank Bretsch (SPD) schlug vor, einen zeitweiligen Ausschuss oder Beirat zu bilden, "der so ein aufwendiges Investitionsvorhaben begleitet, die Verzahnung zwischen Verwaltung und Abgeordneten und die Bürgernähe sichert und die vielen offenen Detailfragen mit Betroffenen berät."
In der erneuten öffentlichen Auslegung der Pläne können Betroffene Einwände und Bedenken schriftlich äußern.
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