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14.10.2011 07:39 Uhr - Aktualisiert 14.10.2011 07:46 Uhr

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Krankenhäuser ohne Ärzte

Von Daniela Windolff

Prenzlau (MOZ) Wie viel Krankenhaus kann sich eine dünn besiedelte Region wie die Uckermark leisten? Wie motiviert man junge Ärzte, sich auf dem Lande niederzulassen? Viele Fragen sorgten am Mittwochabend in Prenzlau für eine angeregte Diskussion über die medizinische Versorgung auf dem Lande.

Die Stadt Prenzlau stellt jungen Ärzten mietfrei Eigenheime zur Verfügung. Die Gesellschaft für Leben und Gesundheit GLG vergibt Stipendien an Medizinstudenten aus der Region, die bleiben wollen. Das Asklepios Klinikum Schwedt rollt Bewerbern den roten Teppich aus, bezahlt Hotelzimmer, wirbt mit guten Gehältern und Ausbildungsmöglichkeiten. Dennoch fehlen Ärzte. All die vielen Initiativen und Ideen der Krankenhäuser und Kommunen, Ärzte aufs Land zu locken, schlagen bisher fehl. „Wir können uns keine Ärzte backen. Es gehört mehr dazu, auch die Infrastruktur wie Arbeit für die Partner, gute Schulen für die Kinder, Kultur“, sagt Prenzlaus Bürgermeister Hendrik Sommer.

Er gehörte zu den zahlreichen Gästen einer Podiumsdiskussion zur medizinischen Versorgung in der Uckermark, zu der der CDU-Kreis- und Stadtverband eingeladen hatte. In der Kreisstadt überschlagen sich die Emotionen vor Sorge um die Zukunft des Krankenhauses. Die Schließung der Geburtenstation sorgt ebenso für Wirbel wie der Weggang erfahrener Ärzte.

Eine Initiativgruppe Kreiskrankenhaus Prenzlau hat sich gegründet. Ein Trägerwechsel wurde diskutiert. 8000 Prenzlauer haben mit ihrer Unterschrift ihre Unzufriedenheit über die Entwicklung des Krankenhauses im Krankenhausverbund der GLG bekundet.

Stadt und Krankenhausträger GLG haben inzwischen einen Kooperationsvertrag abgeschlossen, man sucht nach Ideen und Modellen, vom kostenlosen Eigenheim für junge Ärzte bis zur Neuprofilierung des Krankenhauses mit Geriatrie statt Geburtsheilkunde. Eine Geburtenstation mit nur 60 bis 80 Entbindungen im Jahr würde kein Träger rentabel führen können, gab Sommer zu bedenken. Auch für Qualität und Erfahrung sei ein Mindestmaß an Fallzahlen notwendig.

In Prenzlau fokussieren sich offenbar die Probleme der Gesundheitsversorgung in Brandenburg wie unter einem Brennglas: Ärztemangel, demografischer Wandel, weite Wege, schmerzhafte Umstrukturierungen, Kostenzwänge ...

Michael Jürgensen, Geschäftsführer des Asklepios Klinikums Schwedt, das als Krankenhaus der Schwerpunktversorgung andere Aufgaben zu meistern, aber mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hat, legte den Prenzlauern ans Herz, die ewigen Negativdiskussionen zu beenden. „Kein Arzt kommt an einen unsicheren Arbeitsplatz!“ Auch in Schwedt habe er die Erfahrung machen müssen, dass die Unzufriedenheit der Bevölkerung und fehlende Identifikation mit der Region das Negativimage der Uckermark verschlechtern. „Wer kommt gern hierher, wenn ihm die Schwedter vorjammern, wie schlecht es sich in der Stadt lebt? Wenn wir nicht an uns selbst glauben, werden wir niemand an-?deren überzeugen. Junge Ärzte sind nicht mehr ortsgebunden, sie gehen dahin, wo sie am besten bezahlt werden, die besten Bedingungen für ihre Familien und sie die wenigsten Dienste haben“, so Jürgensen.

Mehr als 30 Prozent der Schwedter Mediziner sind ausländische Ärzte. Ohne sie würde die Versorgung zusammenbrechen. Auch die Bürokratie des Gesundheitssystems mache eigene, unkomplizierte Lösungen un-?möglich, kritisiert Jürgensen.

Professor Dr. Michael Schierack, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag und praktizierender Arzt, erwies sich als Kenner der Materie und pragmatischer Vorwärtsdenker. Er machte deutlich, dass an den Strukturen einer flächendeckenden Grundversorgung nicht gerüttelt werden dürfe. Die vier Krankenhausstandorte in der Uckermark seien unverzichtbar, allerdings müsse kritisch überlegt werden, ob alle Krankenhäuser auch alles anbieten müssen, oder nicht Profilierungen und Spezialisierungen der einzelnen Häuser sinnvoller für Qualität und Effektivität seien, ?damit die Uckermärker in ihrer Region rundum versorgt werden und nicht nach Berlin fahren müssen. In Angermünde sei es gelungen, den Standort durch die Spezialisierung zu einem Fachkrankenhaus zu sichern.

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