Rund 90 Gentechnikgegner müssen mit Verfahren rechnen

Zehdenick (dpa) Nach den Protesten gegen den Anbau von Genmais am Sonntag in Zehdenick (Oberhavel) müssen laut Polizei rund 90 Umweltaktivisten mit Verfahren rechnen. Allein 24 Personen waren wegen des Verdachts der Sachbeschädigung vorübergehend festgenommen worden. Sie sollen Pflanzen aus dem Genmaisfeld gerissen haben. Weitere 64 wurden in Gewahrsam genommen, da sie Platzverweisen nicht nachkamen. "Alle konnten am späten Sonntagabend die Wache verlassen", sagte eine Polizeisprecherin. Der Einsatz sei zufrieden stellend verlaufen.

Die FDP-Bundestagsfraktion kritisierte die Aktion der Gentechnikgegner und appellierte an Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU), für eine bessere Information über Forschungsergebnisse der Grünen Gentechnik zu sorgen. Zugleich betonte die Gentechnikexpertin der FDP-Fraktion, Christel Happach- Kasan, es bedeute eine Irreführung junger Menschen, die Zerstörung von Privateigentum als Aktion des zivilen Ungehorsams schön zu reden. Sie wies darauf hin, dass sich kein einziger Umweltverband an der Aktion beteiligt habe. Der BUND hatte diese im Vorfeld verurteilt.

Nach Angaben der Kampagne "Gendreck weg" hatten sich rund 500 Menschen an den Protesten beteiligt, bei der "Feldbefreiung" seien mindestens 1000 Quadratmeter zerstört worden. Der Eigentümer sprach dagegen nur von 150 Quadratmetern. Die Polizei hatte etwa 200 Beamte vor Ort. Auch ein Hubschrauber, Polizeipferde und Hunde kamen zum Einsatz. Ein Aktivist wurde von einem Polizeihund leicht verletzt, ein weiterer erlitt einen Schwächeanfall.

Mitorganisatorin Anja Becker von der Kampagne "Gendreck weg" hatte im Anschluss an das Aktionswochenende, bei dem auch eine Podiumsdiskussion veranstaltet wurde, betont: "Unser Aktionskonzept ist aufgegangen. Auch mit Unterstützung der Staatsmacht wird die Gentechnikindustrie den Widerstand gegen ihre gefährlichen Pflanzenkonstrukte nicht kleinkriegen." Beispielsweise fürchten Berufsimker unter den Aktivisten, dass es durch den Anbau genmanipulierter Pflanzen in Zukunft nicht mehr möglich sein wird, naturreinen Honig zu produzieren.



Montag, 31. Juli 2006 (14:28)



 

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