Früheres DDR-Gefängnis in Cottbus für 310 000 Euro versteigert
Berlin/Cottbus (dpa) Wachtürme, vergitterte Fenster und Stacheldraht auf den Mauern - das zweitgrößte DDR-Gefängnis für politische Häftlinge in Cottbus ist für 310 000 Euro versteigert worden. Was aus der knapp fünf Hektar großen, seit Jahren leerstehenden Liegenschaft wird, steht nach der Auktion am Samstag im Berliner Meistersaal aber in den Sternen. "Den Zuschlag erhielt ein privater Investor", sagte eine Mitarbeiterin des Auktionshauses Karhausen. Zu seinen Absichten wollte sich der in Berlin lebende Mann jedoch zunächst nicht äußern. Denkbar sei ein Abriss, sagte er der RBB-Sendung "Brandenburg aktuell".
Das Areal wurde mit Ausnahme einer Teilfläche versteigert, auf der der Verein Menschenrechtszentrum Cottbus bis 2010 eine Dokumentations- und Bildungsstätte zum DDR-Unrecht errichten will. Schließlich hätten in der Cottbuser Haftanstalt insgesamt zwischen 15 000 und 20 000 der etwa 50 000 politischen Gefangenen der DDR eingesessen, sagte der Vorsitzende und CDU-Landtagsabgeordnete Dieter Dombrowski. Die 4000 Quadratmeter große Teilfläche hatte die Stadt für einen Euro vom Land gekauft. Die Stadt besitzt nach Auskunft des Finanzministeriums auch die Planungshoheit für die jetzt versteigerte Fläche, der Käufer müsse ihr sein Nutzungskonzept vorlegen.
Nach Einschätzung von Chefauktionator Mark Karhausen dürfte erstmals bundesweit ein Gefängnis unter den Hammer gekommen sein. Das Mindestgebot hatte 9000 Euro betragen. Dombrowski sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa: "Ich hoffe, dass eine kurzfristige städtebauliche Aufwertung des Areals passieren wird." Dombrowski, der selbst in Cottbus als politischer Gefangener einsaß, sprach von einem "emotional belastenden" Verfahren. Aber: "Unter den meisten ehemaligen Häftlingen besteht Einigkeit, dass nicht aus reiner Nostalgie das gesamte Areal erhalten werden kann." Nach Auskunft von Beobachtern der Auktion sorgte es bei ihnen für Unbehagen, dass auch ein einst hoher Stasi-Offizier im Saal anwesend war.
Der Cottbuser Gefängnisbau war 1855 als Zentrale Haftanstalt begonnen und 1860 als Frauengefängnis fertiggestellt worden. Neben Kriminellen inhaftierten dort später die Nationalsozialisten und dann das SED-Regime auch politische Gefangene. Zu DDR-Zeiten war dort das zweitgrößte Gefängnis für politische Häftlinge nach dem "Gelben Elend" im sächsischen Bautzen. Nach der Wende waren die Gefangenen 2002 in die neue Justizvollzugsanstalt in Cottbus-Dissenchen verlegt worden. Seitdem steht der Komplex leer.
Beklemmung macht sich breit, beim Blick auf das Areal am Rande der Innenstadt mit seinen vier Hafthäusern, einem Verwaltungsgebäude, einer Direktorenvilla und Lagergebäuden. Die hellgrün gestrichene Außenmauer ist mit Stacheldraht auf der Krone umgeben, auch die Wachtürme stehen noch, der Putz blättert überall ab. Ob hier in wenigen Jahren hell-freundliche Wohngebäude die Gedanken an die einst dunklen Zellen verdrängen werden - diese Ungewissheit blieb auch nach der aufsehenerregenden Versteigerung.
Samstag, 08. Dezember 2007 (16:59)








