Landkreis entscheidet: 672 Bäume fallen
Von Hans Still
Diese Nachricht wurde erwartet und wird dennoch für gehörige Proteste sorgen. Die Untere Naturschutzbehörde hat eine Fällgenehmigung erteilt, damit darf das Strukturentwicklungsamt den Ausbau der Kreisstraße vorantreiben. Verkehrsgefährdungen durch brüchige Äste und nicht standfeste Bäume sowie der Zustand der Straße gaben den Anlass, die Sanierung der Straße ins Auge zu fassen.
Wichtigstes Argument für die Fällgenehmigung war der "langfristige Alleenschutz", wie Solveig Opfermann, Sachgebietsleiterin Naturschutz, argumentierte. "Wir blicken auf die Allee der Zukunft und bekennen uns zur nachhaltigen Entwicklung. Die sehen wir durch die Neupflanzung an gleichem Ort und gleicher Stelle gewährleistet." Laut Ihrke seien "Pro und Kontra zuvor sorgfältig ausgetauscht worden", es gehe von der Entscheidung keine Beispielwirkung für andere Alleen aus. Die Diskussion über Alleen müsse im Barnim aber fortgesetzt werden. "Die Frage, wie wir künftig mit unseren Alleen umgehen wollen, gehört in den politischen Raum", so Ihrke.
Brisant wird der Bescheid nicht allein durch die Fällgenehmigung, sondern auch durch die an den Tag gelegte Konsequenz. Mögliche Widersprüche gegen den Bescheid haben nicht automatisch eine aufschiebende Wirkung. Damit stehen etwaige Gegner der Fällung mächtig unter Zeitdruck. Sie müssten beim Verwaltungsgericht ein einstweiliges Rechtsschutzverfahren anstreben, um die Fällung noch zu verhindern.
Begründet wurde dieses Vorgehen mit dem zeitlichen Verzug, den ein juristisches Tauziehen bringen würde. Bis zum 15. März bleibt Zeit zur Fällung, danach verbietet der Nist- und Brutschutz für Vögel das Abholzen. Zudem steht der Kreis wegen der Fördermittel unter Zeitdruck, die nicht unbegrenzt lange zur Verfügung stehen. 1,5 Million Euro bekommt der Kreis aus Mitteln der Gemeinschafts- initiative Interreg III, das Bauvorhaben muss bis zum Jahresende 2007 abgeschlossen sein.
Wie es jetzt weitergeht, erläuterte auf der eigens einberufenen Pressekonferenz Baudezernent Carsten Bockhardt (CDU). "Wenn der Kreisausschuss am Montag der Ausschreibung der Fällleistung zustimmt, werden wir diese zügig erarbeiten. Bis zum Februar soll der Zuschlag erteilt werden, dann wird gefällt." Anschließend soll die Straße auf 5,50 Meter Breite ausgebaut und neue Bäume gepflanzt werden.
Dienstag, 12. Dezember 2006 (08:21)








