Rechtsextreme in Oder-Spree besonders aktiv

Kreis Oder-Spree (bei/MOZ) "Es gibt keinen Ort im Landkreis Oder-Spree, in dem die Jugendhilfe nicht mit Rechtsextremismus in Kontakt kommt", lautet die Einschätzung von Robin Kendon. Er ist Mitarbeiter im Mobilen Beratungsteam "Tolerantes Brandenburg" (MBT) und hat jüngst im Jugendhilfeausschuss des Kreises über den Rechtsextremismus zwischen Berliner Rand und Oder informiert.

Sein Blick richtete sich dabei vor allem auf die NPD, die laut Verfassungsschutz mit Ortsverbänden in Fürstenwalde, Schöneiche (Stützpunkt Woltersdorf), Storkow sowie im benachbarten Strausberg und Frankfurt den aktivsten brandenburgischen Kreisverband bildet. Für Beeskow und Eisenhüttenstadt seien Gründungen angekündigt. Laut Kendon distanziere sich die NPD von Gewalt, aber dort, wo sie agiert, gebe es deutlich mehr Propagandastraftaten.

Im Alltagsgeschäft beschränke sich die NPD keinesfalls auf reine Parteiarbeit, viel mehr versuche sie, vor allem in Vereinen, vornehmlich im Sport, aber auch in den Feuerwehren und unter Jugendlichen Fuß zu fassen. Dabei seien die wichtigsten Aktivisten nicht etwa Jugendliche. Lediglich in Schöneiche seien sie recht jung, in Frankfurt dagegen bis zu 50 Jahre alt. Besonders gefährdet, so Kendon, seien ländliche Regionen, in denen es kaum andere politische Aktivitäten gibt. "Sie sitzen mit am Tisch, wenn diskutiert wird und spätestens zur Wahl erinnern sich die Leute: ,Mensch, der hat sich doch Zeit für uns genommen, der hat zugehört, der war immer da'", beschreibt Kendon die Situation.

Und gerade um Wähler gehe es. Denn erst mit dem Einzug in Parlamente fließen finanzielle Zuwendungen. Wer solch ein Parteiarbeiter ist, sei dem MBT nur in den wenigsten Fällen bekannt, eben dann, wenn schon mal für die Partei bei Wahlen kandidiert wurde. "Sie arbeiten noch an ihrer Infrastruktur, was relativ unbemerkt passieren soll", so Kendon.

Derzeit gehe es sehr stark darum, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken, unterhalb der Parteiebene zu agieren und nationalistisches Gedankengut einzuschleusen. Der Jugendchor der Chorgemeinschaft Woltersdorf zum Beispiel arbeite offenbar mit national-deutschem Liedgut. Ein anderer Weg: "In Fürstenwalde zum Beispiel hat sich ein Mittzwanziger um 12- bis 16-Jährige im Park gekümmert. Er kam mit einem Kasten Bier, sprach mit ihnen. Später klebten die Jugendlichen NPD-Aufkleber in der Stadt."

So solle eine Jugendkulturszene aufgebaut werden und das mit ganz schlichten Angeboten, eben Gesprächen, Partys, Konzerten. Mit dem Abbau in der staatlichen Förderung von Jugendsozialarbeit bestehe die Gefahr, Rechtsextremen das Feld zu überlassen.

Welches gesellschaftliche Gegengewicht kann da wirksam sein? Robin Kendon empfiehlt, dass die demokratischen Parteien ihre Arbeit an der Basis stärken müssen. "Manchmal ist nicht der Rechtsextremismus das Problem, sondern das Fehlen der Demokraten." Auch der Hangelsberger Pfarrer Martin Haupt sieht im Dasein, Hingehen, Zuhören und Reden ein probates Mittel, um den Kontakt zu Jugendlichen zu halten. Zudem war sich die Runde einig, dass viel über Informationsaustausch laufen muss, einfach um zu wissen, wie Rechtsextreme agieren, um Signale deuten zu können. "Und wir müssen ehrenamtliche Strukturen stärken", so Steffen Adam (FDP).



Montag, 11. Juni 2007 (07:19)



 

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