Paten für illegale Tomaten

Von Frank Groneberg

Die Posse um die Tomatenpflanzen vor der Cafeteria "Brot & Zucker", die morgen auf dem Brunnenplatz eröffnet wird, hat bei den Frankfurter Bürgern eine große Resonanz gefunden. Wie berichtet, hatte Gastwirt Stephan Klopsch ein städtisches Blumenbeet vor der Cafeteria in Eigeninitiative von Unkraut und Müll befreit und auf eigene Kosten 22 Pflanzen - darunter zwei Tomaten - neu eingesetzt. Ein Nachbar hatte sich beim Grünflächenamt über die Tomaten beschwert. Das Amt musste dieser Beschwerde nachgehen und wies den Besitzer der Cafeteria an, die Pflanzen zu entfernen. Begründung: In Frankfurt dürfen Nutzpflanzen in öffentlichen Beeten nicht wachsen. Gleichzeitig bedankte sich das Amt aber für das Engagement des Wirtes.

Nach der MOZ-Veröffentlichung am Mittwoch bekam Stephan Klopsch Besuch von unzähligen Frankfurtern, die sich selbst ein Bild von den illegalen Tomaten machen wollten und sich spontan mit ihm solidarisierten. "Diese Resonanz ist mir schon fast unangenehm", sagte er gestern. "Einige Leute haben mir sogar finanzielle Unterstützung bei der Verteidigung meiner Tomaten angeboten", erzählte er. Ein Mann habe sich bereit erklärt, die beiden Pflanzen zu gießen, sollte er mal nicht selbst vor Ort sein.

Auf der Landesgartenschau in Oranienburg sind derzeit Grünanlagen zu bewundern, in denen bewusst Gemüse zwischen Blumen gepflanzt wurde. Die Laga hat die "Traumlandschaften einer Kurfürstin" zum Motto und erinnert an Prinzessin Louise Henriette, die einst Schönes und Nützliches auf Beeten verband.

Prominente Unterstützung erhält Stephan Klopsch von den Oderhähnen. Die Kabarettisten erklärten sich gestern zu "Tomaten-Paten" und schenkten der Cafeteria zwei weitere Pflanzen. Auf der Patenschafts-Urkunde wünschen sie: "Mögen diese zarten Pflänzchen wachsen und reifen zur Freude der Bürger, allzeit geschützt vor Denunzianten und pflichteifrigen Mitarbeitern kommunaler Obrigkeit."

Oderhähne-Geschäftsführer Herman Bunsen gestand zwar augenzwinkernd ein, dass "im öffentlich-rechtlichen Unkraut eine nichtöffentliche Tomate nichts zu suchen hat". Dennoch sei die Initiative Stephan Klopschs sogar ausbaufähig: "Nach der Ernte könnten wir die Früchte ja versteigern und den Erlös für die Bepflanzung der städtischen Blumenrabatten im nächsten Jahr nutzen", schlug er vor.



Freitag, 29. Mai 2009 (08:00)



 

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