Contra Genkartoffel-Versuche
Von Ines Rath
Müncheberg (MOZ) Nach dem Genmais sollen nun auch gentechnisch veränderte Kartoffeln nach Märkisch-Oderland kommen. In diesem Jahr sollen Feldversuche bei Müncheberg starten. Ausgerechnet dort, wo es die größte Konzentration von Öko-Landbetrieben im Landkreis gibt. Die Öko-Bauern wollen den Widerstand gegen die Versuche formieren.
Walter Prochnow hält das Vorgehen der Firma BASF für eine "glatte Provokation". Der Schlag für die Versuche der Firma mit gentechnisch veränderten Kartoffeln soll sich nur rund 1,5 Kilometer Luftlinie von seinem eigenen Kartoffelacker entfernt befinden. Prochnows Jahnsfelder Landhof wirtschaftet nach ökologischen Grundsätzen. Dasselbe gilt auch den Betrieb Apfeltraum Feldbau aus Eggersdorf bei Müncheberg. Dessen Kartoffel-Lager steht nur etwa 500 Meter von der geplanten Versuchsfläche zwischen Müncheberg und Trebnitz entfernt.
"Der Kartoffelanbau ist in Märkisch-Oderland seit der Wende eingebrochen. In nennenswerter Größenordnung werden die Knollen nur noch im ökologischen Landbau hergestellt. Und dieser Anbau konzentriert sich ausgerechnet um Müncheberg", macht Walter Prochnow deutlich.
Sein Betrieb, der auf rund 12 Hektar Kartoffeln anbaut, vermarktet die Knollen seit Jahren gemeinsam mit "Apfeltraum" und dem Libbenichener Bauerngut Templin für den Berliner Bio-Frischemarkt. Die drei Öko-Landbetriebe - und nicht nur sie - sehen mit dem Anbau der Genkartoffeln ihre Existenz bedroht.Denn zwar seien in den seit Anfang Dezember im Müncheberger Rathaus ausliegenden Ausschreibungsunterlagen für den Versuchsanbau "allerlei Sicherheitsvorkehrungen genannt", wie Walter Prochnow sagt. So soll die eigentliche Versuchsfläche auf dem 14,27 Hektar großen Schlag nur einen Hektar groß sein. Doch die Zweifel bleiben.
Unter anderem, weil 30 der mehr als 150 Seiten Ausschreibungstext der Öffentlichkeit vorenthalten werden, wie der Landwirt erfahren musste. Ihm hat man im Bürgerbüro zudem erklärt, dass das Material nur zur Information da sei. Einwände könnten nicht erhoben werden. Und dabei gebe es Erfahrungen mit dem Genkartoffel-Versuchsanbau, die solche Einwände mehr als rechtfertigen würden, macht Frank Thum von Almas Garten aus Obersdorf deutlich. Auch er baut Öko-Kartoffeln an. Die Risiken hängen unter anderem mit dem zum Teil hohen Anteil an Restkartoffeln im Boden und dem von Insekten übertragenen Pollen der Kartoffelblüten zusammen. Den Mindestabstand von 20 Metern vom Versuchsfeld zum nächsten "normalen" Kartoffelacker halten die Gentechnik-Gegner angesichts dessen für entschieden zu gering. Doch für sie ist die Standortwahl an sich problematisch: "Hier geht es ums Image unserer gesamten Region", sagt der Libbenichener Jürgen Templin. Die BASF würde solche problematischen Versuche gezielt in Ostdeutschland durchführen, weil sie hier kein so großes Kritiker-Potenzial sieht, vermutet er.
Die betroffenen Landwirte, aber auch Imker und der Marienfelder Schäfermeister Frank Hahnel wollen die Öffentlichkeit gegen den Genkartoffel-Anbau mobilisieren. Hahnel, dessen Koppel unmittelbar ans Versuchsfeld grenzt, ist Stadtverordneter von Müncheberg. Und war als solcher bis zur Veröffentlichung im Amtsblatt über das BASF-Vorhaben nicht informiert. Zur nächsten Stadtverordnetenversammlung will er nachhaken.
Kontakt für Gentechnik-Gegner unter Tel. 033477 240.
Dienstag, 01. Januar 2008 (15:42)







