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Zwei Sichten und ein tiefes Misstrauen

. Das russisch-polnische Verhältnis war und ist schwierig. Warschau sieht sich bis heute als Opfer eines von Hitler und Stalin initiierten Überfalls. Staatspräsident Lech Kaczynski nannte am Dienstag den Einmarsch der Roten Armee in Ostpolen einen "Messerstich in den Rücken". Moskau hat eine andere Sicht. Premier Wladimir Putin bezeichnete den Hitler-Stalin-Pakt zwar als unmoralisch, sieht aber Deutschland als jenes Land, das den Zweiten Weltkrieg entfesselt hat, begünstigt durch die vorherige Beschwichtigungspolitik der Westmächte Frankreich und Großbritannien.

  Uwe Kr³ger Foto: MOZ ©

Aus dieser unterschiedlichen Bewertung resultiert ein tiefes Misstrauen, das eine konstruktive bilaterale Zusammenarbeit behindert und sich negativ auf die Entwicklung in Gesamteuropa auswirkt. Warschau fürchtet immer noch, einem Interessenausgleich zwischen Moskau und Berlin geopfert zu werden. Nicht umsonst sah der damalige Verteidigungsminister Radoslaw Sikorski die Ostseepipeline in der Molotow-Ribbentrop-Tradition. Und keineswegs zufällig buhlte Polen regelrecht um die Stationierung von US-Raketen auf seinem Territorium, obwohl es der NATO und damit dem stärksten Militärbündnis der Welt angehört. Russland reagierte unter anderem mit einem Einfuhrverbot für polnisches Fleisch. Daraufhin blockierte Warschau per Veto die Verhandlungen über ein neues Kooperationsabkommen zwischen der EU und Moskau.

Wirklich weiter hilft da nur eine Entkrampfung der Beziehungen, die in der Ära der nationalkonservativen Regierung von Jaroslaw Kaczynski ihren Tiefpunkt erreicht hatten. Dessen Nachfolger Donald Tusk fährt einen pragmatischen Kurs, ohne die Differenzen zu verkleistern. Putins Anwesenheit bei der Gedenkfeier auf der Westerplatte und die bekundete Bereitschaft, die Vergangenheit mit der Öffnung der Archive vorbehaltlos aufzuarbeiten, verdeutlicht Bewegung auch auf russischer Seite.

Das wird zu keiner schnellen Entspannung führen, aber Möglichkeiten für ein normales Miteinander eröffnen. Es geht dabei nicht allein um Polen und Russland, sondern um die Integrationsprozesse auf dem Kontinent. Diesen sollte gerade aus denkwürdigem Anlass ein neuer Schub gegeben werden.

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