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Größte Protestaktion seit der Wende

Schwedt . 250 Menschen haben am Freitag an einem Protestmarsch teilgenommen und Unterschriften gegen den geplanten Bau eines Atomkraftwerkes auf den Weg nach Warschau geschickt. 20 000 Bürger haben sich gegen die Pläne Polens ausgesprochen, in Gryfino ein Atomkraftwerk zu errichten. Das ist die größte Unterschriftensammlung, die größte Protestbekundung in der Uckermark seit der Wende. Die Bürgerinitiative "Atomkraftfrei leben in der Uckermark" hatte mit Kerzen die Stadtbrücke beleuchtet als Zeichen für den erhofften Brückenschlag des Protestes nach Polen.

  Mit Kerzen und Fackeln: Im Protestzug gegen den Bau von Atomkraftwerken begleiteten auch viele Kinder und Jugendliche die 20 000 Unterschriften auf den ersten Metern ihres Weges nach Warschau. ©

Vom Platz der Befreiung starteten kurz nach Einbruch der Dämmerung etwa 150 Menschen auf den Protestmarsch. Sie hielten Sturmlichter mit dem Aufdruck "Atomkraft - Nein Danke!" in den Händen und folgten den Trommlern und Fackelträgern in Strahlenschutzanzügen, die einen Traktor mit einem großen gelben Paket auf dem Anhänger eskortierten. "Wir sagen 20 000 x Nein" stand darauf". Der Tross bewegte sich durch die Innenstadt zum Alten Markt. Dort angekommen, war die Demonstration auf 250 Teilnehmer angewachsen.

"Ich hätte gern auf diese Aktion verzichtet", gestand Mike Bischoff als erster Redner. Der SPD-Landtagsabgeordnete aber warnte davor, die Sache mit dem Atomkraftwerk auf die leichte Schulter zu nehmen: "Die Pläne sind real. 2010 will Polen den Bau von mindestens drei Atomkraftwerken beschließen, und dann wird gebaut. Gryfino ist einer von acht möglichen Standorten." Deshalb sei der 20 000-fache Protest ein wichtiger Anfang eines langen Weges des Widerstandes gegen das Vorhaben.

Unter den Teilnehmern waren auch die Bürgermeister Jürgen Polzehl aus Schwedt, Burkhard Fleischmann aus Gartz, Wilfried Burghard aus Mescherin, der mit seiner Enkeltochter den Traktor fuhr, und der Grünen-Fraktionschef im Landtag Axel Vogel. Vor den Zuhörern forderte Vogel: "Wer glaubwürdig sein will, muss generell gegen Atomkraftwerke sein, ob auf deutscher oder polnischer Seite". Ein Supergau, warnte er, mache vor keiner Grenze halt, und versprach, im Landtag nicht locker zu lassen, ein klares Bekenntnis gegen die polnischen Pläne zu fordern.

Nach den kurzen Reden stellten die Demonstranten ihre Lichter auf dem Geländer der Stadtbrücke ab, während der Traktor mit dem Unterschriften-Paket in Richtung Polen rollte. "Das ist ein klares Votum unserer Bürger", sagte Jürgen Polzehl. Pfarrer. i. R. Rainer Harney fühlte sich an Demos in Wendezeiten erinnert. Die Bürgerinitiative informierte, dass sie in polnischen Städten Chojna, Gryfino und Stettin ähnliche Aktionen plane, um auch dort den Widerstand gegen die Atomkraftwerke zu entfachen.

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