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Geld rettet die Welt

. Die Geschichte der Klimaverhandlungen ist die Geschichte von Neid und Misstrauen. Das war 1992 in Rio so und hat sich in den 13 großen Konferenzen seither nur wenig geändert. Wer macht den ersten Schritt, wer den letzten, wer den größten, wer den kleinsten? Klimapolitik wurde als nationales Thema missverstanden: Schlimmstenfalls als negative Standortpolitik, weil es Arbeitsplätze dorthin zieht, wo die ökologischen Lasten am geringsten sind. Und bestenfalls als Thema für Finanzminister, weil Umweltsteuern Steuern sind.

  Dieter Degler. Foto: privat ©

Diesmal könnte es ein bisschen anders und besser werden. Nie war die globale Aufmerksamkeit für ein Klimatreffen höher als heute. Und nie wurde deutlicher, woran es mangelt: Einer mit Exekutivkraft ausgestatteten globalen Instanz. Die Finanzkrise haben die Administratoren der Industrieländer mit Ach und Krach eindämmen können. Doch schon dort wurde deutlich, dass die Gremien, von nationalen Regierungen über G7 und G20 bis zum Weltwährungsfonds, überfordert sind. Von den gut 190 in Kopenhagen versammelten Regierungschefs könnte jetzt erstmals das starke Signal ausgehen, dass die Globalisierung in Wirtschaft, Arbeit und Umwelt auch die Globalisierung der Politik erfordert.

Das ist schon deshalb angeraten, weil auf nationalen Ebenen das als Nötige schwer durchzusetzen wäre: Umweltsteuern hochsetzen, Tempolimit einführen, Flugbenzin besteuern, Heizungen herunterdrehen. Es muss sich die Erkenntnis durchsetzen, dass es weniger hilfreich ist, alte Technologien wie Verbrennungsmotoren zu verbessern. Sinnvoller ist es, in die Entwicklung alternativer Antriebe zu investieren. Und es muss in den reichen Ländern verstanden werden, dass es nur einen ersten Schritt darstellt, den armen Nationen ein bisschen Geld zu überweisen, damit sie ihre Küsten gegen die Fluten schützen können. Das Problem selbst aber ist damit nicht gelöst.

Es ist ja einer der angenehmeren Aspekte des Kapitalismus, dass sich nahezu alles in Geld ausdrücken lässt, also auch die Rettung des Weltklimas. Die Kosten für einen nachhaltigen Erwärmungsschutz werden auf ein Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts geschätzt. Das klingt teuer, ist aber in Wirklichkeit Kleingeld. Allein die Rettung der Banken hat rund fünf Prozent gekostet.

Fair und vernünftig könnte ein Klimafinanzausgleich sein, der die Völker nach ihrem Anteil am globalen Bruttosozialprodukt belastet. Dann würden Länder wie Bangladesch Geld erhalten, mittel entwickelte Länder müssten ihren Anteil aus eigener Kraft aufbringen und die Industrienationen, welche die Hauptverantwortung für den von Menschen verursachten Teil der Erderwärmung tragen, müssten bezahlen.

Ziemlich genau das fordern die ärmsten Länder und Inselstaaten. Bekommen sie es nicht, wollen sie sich den Entscheidungen in Kopenhagen verweigern - mit dem absurden Ergebnis, dass genau jene Nationen Fortschritte im Kampf gegen die globale Erwärmung verhindern, die am stärksten darunter leiden werden. Es liegt also an den Großen und Starken, was in Dänemark beschlossen wird.

Die Nachkriegsgenerationen haben ihre Eltern und Großeltern gefragt, warum sie gegen den Hitlerismus so wenig und das Entscheidende erst so spät, nach dem Tod von Abermillionen Menschen, getan haben. Künftige Generationen werden fragen, warum ihre Vorfahren im vollen Bewusstsein der heraufziehenden Katastrophe so lange gezaudert haben.

Der ehemalige "Stern"- und "Spiegel"-Redakteur sowie "Morgen"-Chefredakteur Dieter Degler (59) schreibt über politische Trends.

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