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"Irgendwann bricht jedes Eis"

Grünheide . Mit fünf Eisbrechern sorgt das Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin (WSA) in den frostigen Winterwochen für freie Wasserstraßen. Einer davon, der "Seeotter", ist regelmäßig auf dem Oder-Spree-Kanal unterwegs. Gestern wurde er für einige Wochen nach Grünau verlegt.

"Ich schätze, fünfzehn Zentimeter an dieser Stelle!" Matrose Gerhard Tauber (49) ruft seinem Kollegen, dem Schiffsführer Thomas Redel (40), nach einem Blick über die Reling die geschätzte Dicke des Eises auf dem Oder-Spree-Kanal zu: Zehn Zentimeter dickes Eis, und das, obwohl der Eisbrecher "Seeotter" hier erst am Vortag zweimal entlanggefahren ist. Hier, das ist der Oder-Spree-Kanal zwischen den beiden WSA-Außenbezirkshäfen Fürstenwalde und Grünau.

Der knapp 22 Meter lange und etwas über fünf Meter breite "Seeotter" wurde 1973 in Genthin gebaut. Sein Sechs-Zylinder-Diesel leistet 305 PS. In der Flotte des Berliner WSA bewegt er sich mit diesen Eckdaten am unteren Ende. Eisstärken von bis zu 30 Zentimetern bricht er aber problemlos. Und wenn es noch dicker kommt? "Bei besonders stabilem Eis setzen wir ein Stück zurück und halten dann mit ordentlich Geschwindigkeit direkt drauf", sagt Redel, und Tauber ergänzt: "Irgendwann bricht jedes Eis!"

Mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 10 Stundenkilometern schiebt sich der Eisbrecher auf das Eis und drückt die täglich frisch zugefrorene Decke in der Breite einer schmalen Fahrrinne ein. Der Eisbrecher erzielt seine Wirkung aber nicht allein durch den massigen Bug aus dickem Stahl mit seinem steil aufragenden Steven. Dünnes Eis wird auch durch die Wellen gebrochen, die der Schiffsrumpf schlägt. So kommt es zu dem spektakulären Anblick, dass das Schiff lediglich eine kleine Furche durch den Kanal pflügt, das Eis an den Seiten aber bis zum Ufer in große Schollen zerbricht, wenn das Schiff dort bereits vorbeigeglitten ist. Bei dickerem Eis ist es daher wichtig, dass der Eisbrecher regelmäßig durch die Wasserstraßen fahren, damit die zersprungenen Eisschollen nicht gleich wieder zusammenwachsen: "Meistens fahren wir in die eine Richtung erst einmal eine Rinne frei, und dann auf der Rücktour nochmal richtig mit Schwung durch!", erklärt Schiffsführer Thomas Redel.

Inmitten der 20 bis 30 Meter breiten Eislandschaft auf dem Oder-Spree-Kanal sind aber auch immer wieder kleine Tümpel zu sehen, in denen Grüppchen von Enten hastig umherschwimmen und sich so ein eisfreies Becken erhalten.

Nach einigen Tagen Eisbrecher-Einsatz wird die Eisschicht immer dicker, weil sich die zerborstenen Eisschollen übereinanderschichten: "Wenn es auch tagsüber friert, dann klebt das alles schnell wieder zusammen", erklärt Gerhard Tauber. Das kann rasch zu einem Teufelskreis werden. Deshalb fährt die Besatzung keine wilden Zickzacklinien, sondern konzentriert sich darauf, eine Fahrrinne immer wieder freizuhalten.

Doch dies ist die vorerst letzte Fahrt, die der "Seeotter" auf seiner angestammten Route macht: Nach einer rund vierstündigen Fahrt und vierzig Kilometern vertäuen Redel und Tauber den Seeotter an der WSA-Anlegestelle in Grünau, direkt an der Einmündung zum Oder-Spree-Kanal.

Der Grund: Bei extrem frostigen Temperaturen wächst das Eis auf dem Oder-Spree-Kanal einfach zu schnell wieder zu. Der Kanal wird daher vorerst für die Schiffahrt gesperrt, sagt Gordon Starcken, Technischer Mitarbeiter der WSA im Außenbezirk Fürstenwalde: "Das ständige Aufbrechen des Eises auf dem Kanal würde die Uferböschung und die Schleusenanlagen beschädigen." Erst bei anhaltendem Tauwetter kommt der "Seeotter" wieder auf dem Oder-Spree-Kanal zum Einsatz: "Meine Prognose ist, dass wir hier noch mindestens drei bis vier Wochen Schifffahrtssperre haben werden", sagt Starcken.

Vorerst werden Thomas Redel und Gerhard Tauber daher auf anderen Wasserstraßen unterwegs sein, auf denen der Verkehr auch an den kältesten Tagen des Jahres unverzichtbar ist. Zum Beispiel auf der seenreichen Strecke zwischen Königs Wusterhausen und dem Berliner Kraftwerk Klingenberg, das regelmäßig mit Kohle versorgt werden muss.

Es kann aber auch sein, dass die beiden mit ihrem Schiff weiter bis in die Gegend von Eberswalde fahren werden. Für solche Einsätze stehen ihnen an Bord auch Betten, Duschen und eine kleine Küche zur Verfügung. Die fünf Eisbrecher des WSA sind für ganz Berlin und Brandenburg zuständig.

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