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Zossen streitet über Umgang mit rechter Gewalt

Zossen . Nach dem mutmaßlichen Brandanschlag am Wochenende auf das "Haus der Demokratie" in Zossen (Teltow-Fläming) entbrennt ein Streit über den Umgang mit rechter Gewalt in der Stadt. Die Zossener Bürgermeisterin Michaela Schreiber (parteilos) hatte sich kritisch über die Arbeit der Bürgerinitiative "Zossen zeigt Gesicht" geäußert und sie als "zu links" dargestellt. Die Initiative betreibt das Demokratie-Haus mit Spendengeldern.

"Wird sind über diese Äußerungen enttäuscht. Da wird auch die Gefahr rechter Umtriebe verharmlost", sagt Jörg Wanke, Sprecher der 50 Mitglieder starken Bürgerinitiative, der auch Landespolitiker sowie der Landrat von Teltow-Fläming, Peer Giesicke (SPD) angehören. Man vermisse seit Gründung der Initiative jegliche Rückenstärkung aus dem Rathaus. So habe sich die Bürgermeisterin zur Eröffnung des Demokratie-Hauses im September geweigert, ein Transparent "Tolerantes Brandenburg" ans Rathaus zu hängen. Zuschüsse aus der Stadtkasse gebe es nicht. "Die Bürgermeisterin meint, dass durch uns Unruhe in den Ort gekommen ist", sagt Warnke. Dabei würden sich vielfach Menschen aus der Mittelschicht in der Initiative engagieren, "die Zossener wollen Gesicht zeigen". Auch um eine für heute geplante Gedenkveranstaltung für die Opfer der Nationalsozialisten auf dem Marktplatz gibt es Streit. "Das Rathaus hat es abgelehnt, uns Strom zur Verfügung zu stellen", sagt Warnke. Kritik an dem Gebahren der Verwaltungsspitze kommt auch von Opferverbänden.

Durch den Brand will sich die Initiative nicht entmutigen lassen. "Eine Mehrheit der Zossener steht hinter uns, viele Menschen bestärken uns", berichtet Warnke. Man werde in einem anderen Gebäude weitermachen.

Das Demokratie-Haus, in dem zuletzt eine Ausstellung über jüdisches Leben in Zossen gezeigt wurde, wurde bereits kurz nach der Eröffnung verwüstet und rechte Parolen an die Fassade gesprüht. Einen Monat später wurde Wanke bedroht. "Wenige Tage vor dem Feuer gab es weitere drei Anschläge", sagt der Sprecher.

Auch der Zossener Pfarrer erhebt Vorwürfe gegen das Rathaus. "Dort wird jede politische Bürgerinitiative beargwöhnt", sagt Andreas Domke. Es gebe Menschen im Ort, die zivilgesellschaftliches Engagement kritisch sähen. "Von einem Schulterschluss aller Demokraten sind wir hier weit entfernt", sagt er. Der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Schulze sagt nur: "Zossen ist demokratisch unterentwickelt." Bürgermeisterin Schreiber weist die Vorwürfe entschieden zurück. "Politische Fehden erweisen der Demokratie keinen Dienst." In der Stadt gebe es viele Aktivitäten gegen Rechts.

Offiziell ist die Brandursache noch unklar. Nach Berichten von Augenzeugen hatten sich Neonazis gegenseitig vor den Flammen fotografiert. Ein Polizeisprecher wollte daraus gestern keine Rückschlüsse auf die mutmaßlichen Täter ziehen. "Es werden weitere Zeugen gehört, die sich in der Nähe des Brandes aufhielten", sagt er.

Nach Einschätzung des Mobilen Beratungsteams gegen Rechts sei die Neonazi-Kameradschaft "Freie Kräfte Teltow-Fläming" in Zossen aktiv. "Die Rechten treten immer aggressiver auf", sagt Mitarbeiter Jan Kasiske. Der Landesverfassungsschutz rechnet in Zossen und Umland 70 Personen der rechten Szene zu.

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