Bernau . In Barnimer Kindertagesstätten mehrt sich der Protest der Erzieherinnen gegen den ungünstigen Personalschlüssel. "Wir müssen Eltern aufmerksam machen, was hier los ist", fordert die Bernauer Kita-Leiterin Beate Grimm.
Zu viele Kinder auf eine Erzieherin: Der Personalschl³ssel f³r Kitas sorgt f³r ─rger. (Foto aus der Kita "Kreatives Freizeitzentrum" in Bernau
Als erfahrene Erzieherin ist Beate Grimm es gewohnt, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun, doch heute stößt selbst sie an ihre Grenzen. Mit der einen Hand dirigiert sie ein Kind in einen Gruppenraum, tröstet ein zweites und sucht händeringend eine Erzieherin, die aushelfen kann. "Sie sehen ja, wie es hier zugeht. Zwei Kolleginnen sind krank und eine hat Urlaub. Sofort bricht alles zusammen."
Brandenburg hat den schlechtesten Kita-Personalschlüssel von ganz Deutschland, sowohl was Kita, als auch die Krippe betrifft. Während in einer Krippe in Rheinland-Pfalz eine Erzieherin im Schnitt 4,2 Kinder betreut, sind es in Brandenburg 7,8 Kinder.
Im Kita-Bereich ist die Situation nicht besser. Ein Ideal gab die Europäische Union vor: Bei Kindern ab drei Jahren sollten sechs bis sieben Kinder von einer Erzieherin betreut werden. In Brandenburg kommen 13 Kinder auf 0,8 Erzieher. "15 bis 25 Kinder sind aber die Realität", stellt Beate Schmidt klar. Denn Krankheit und Urlaub der Erzieher seien nicht eingerechnet.
Einige Bernauer Erzieher wollen das nicht mehr mitmachen. Schließlich sind die Aufgaben der Kitas ständig gestiegen. So sollen die Pädagogen nach den neuen Bildungsinseln arbeiten. Sie sollen Auffälligkeiten bei Kindern früh erkennen und müssen daher ständig Beobachtungsbögen ausfüllen, müssen die Schulfähigkeit beurteilen und vieles mehr. "Wir sehen uns eigentlich als Partner der Kinder, wollen die ganzen Aufgaben ja auch gerne erfüllen, aber wie soll das mit der Besetzung gehen? Da kann man doch gar keine individuelle Arbeit mehr leisten. Das ist doch dann nur noch Beaufsichtigung. ", findet Bärbel Schmidt. Sie ist froh, dass sie in ihrer Kindertagesstätte "Kreatives Freizeitzentrum" viele Praktikanten hat. "Ohne die ginge es gar nicht", erklärt sie. "Das Kindeswohl wird mit dem jetzigen Personalschlüssel gefährdet", glaubt sie.
Mit ihrer Meinung steht Beate Schmidt nicht alleine. "Wir haben das Thema schon öfter bei den entsprechenden Stellen angesprochen. Alle sagen aber immer nur, das Problem sei bekannt, aber keiner tut was", erklärt auch Bärbel Paschkowski, Leiterin der Kita Regenbogen in Bernau. "Dabei ist das doch im Interesse der Kinder."
Daher wollen einige Erzieher in Bernau nun eine Initiative gründen, um ihre Bedenken äußern zu können. "Wenn ich unsere Politiker darauf anspreche, erklären die mir immer, dass sie nichts tun können und dass wir die Eltern aktivieren müssen", so Bärbel Schmidt. "Die müssen sich dafür einsetzen und sich regen, schließlich geht es ja um ihre Kinder."
Im Brandenburgischen Ministerium für Bildung, Jugend und Sport ist derzeit keine Verbesserung der personellen Ausstattungen der Kitas geplant. "Wir sehen durchaus, dass es Bedarf gibt", so Pressesprecher Stephan Breiding. Eine Aufstockung sei aber nicht finanzierbar. "Es stimmt, dass wir in Brandenburg den schlechtesten Personalschlüssel haben. Dafür haben wir aber auch eine viel höhere Angebotsdichte als in den anderen Bundesländern", gibt er zu Bedenken. Die Barnimer Kita-Erzieher werden mit ihren Wünschen also einen schweren Stand haben.
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