Vancouver . Für den deutschen UN-Sonderbeauftragten Willi Lemke wäre das Internationale Olympische Komitee (IOC) ein starker Kandidat für den Friedensnobelpreis. "Ich würde das nachdrücklich unterstützen. Der Sport trägt zur Entwicklung von Frieden bei, deshalb wäre ich für eine Nominierung des IOC", sagte der ehemalige Fußball-Manager von Werder Bremen, der auch zu den Olympischen Winterspielen nach Vancouver reisen wird, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Es wäre auch ein positives Signal im Kampf gegen die Auswüchse des Sports."
Den olympischen Frieden, der auch während der Vancouver-Spiele vom 12. bis 28. Februar von IOC und UN ausgerufen wird, hält er trotz vieler Krisen und Kriege nicht für einen Appell ohne Wert. "Das ist unbedingt beizubehalten. Der olympische Friede ist eine öffentliche Demonstration für die, die Kriege führen, dass sie nicht einfach alles machen können", meinte Lemke. "Wir versuchen, dass Frieden während Olympia gehalten wird. Und es ist bedauerlich, dass sich nicht alle auf der Welt daran halten."
Lemke, der sich als UN-Sonderberater für Sport im Dienst von Entwicklung vor allem um Förderprojekte mit Schwerpunkt in Afrika und anderen armen Regionen der Welt kümmert, hält Olympische Spiele für eminent wichtig. "Wir brauchen den Spitzensport als Lokomotive, die die Waggons mit dem Breitensport oder Sport für Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen zieht", sagte er. "Deshalb sind auch Olympische Spiele sehr wichtig. Es müssen aber faire und saubere Leistungen sein, die gezeigt werden."
Doping sei absolut inakzeptabel. "Man betrügt nicht nur die Konkurrenz, sondern auch sich selbst, weil man ohne Mittel solche Leistungen nicht bringen könnte", stellte der 63-jährige frühere Bremer Innensenator fest. "Wir können alle dazu beitragen, dem Problem zu begegnen, indem wir diese 'The winner takes it all'- Mentalität nicht unterstützen. Auch der Zweit-, Dritt- oder Viertplatzierte verdient Anerkennung und Respekt."
Der Fußball-WM im Sommer in Südafrika wünscht er einen Erfolg wie bei der WM 2006 in Deutschland. "Für das Land und den Kontinent ist die WM eine große Chance", sagte Lemke. "Wenn die WM ein Erfolg wird, wird das Auftrieb geben und die innere Identität stärken. Ich würde mir wünschen, dass so etwas wie bei der WM 2006 in Deutschland passiert." Dass der Ticketverkauf für die WM auch angesichts der Sicherheitsdiskussion so schleppend läuft, ist für ihn nicht verständlich. "Es wäre schade, wenn die deutsche Mannschaft da fast alleine spielen müsste", meinte Lemke. "Aus Sicherheitsgründen nicht nach Südafrika zu fahren, halte ich nicht für richtig." Er würde seine ganze Familie zur WM mitnehmen, wenn sie Zeit hätte. "Denn ich bin in Südafrika immer mit offenen Armen aufgenommen worden."
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