. Ostbrandenburg hat erfolgreiche und kreative Mittelständler. Zu ihnen gehören die zehn Preisträger des von der MOZ und der IHK Frankfurt (Oder) ausgelobten Zukunftspreises Ostbrandenburg. Wir stellen sie in einer Serie vor. Heute Teil 1: die Berolina Metallspritztechnik Wesnigk GmbH Hennickendorf (Märkisch-Oderland).
Hennickendorf Siemens, ABB, EADS, Vattenfall, Heidelberger Druckmaschinen AG - die Kundenliste der Berolina Metallspritztechnik Wesnigk GmbH liest sich wie ein Querschnitt der großen deutschen Industriekonzerne. Der kleine Industriebetrieb im Gewerbegebiet am Pappelhain ist seit Jahren auf Erfolgskurs. Ein Beweis dafür: Die jährlichen Umsatzzuwächse betragen nach eigenen Angaben 35 bis 40 Prozent. Vor einem Jahr lag der Umsatz demnach bei 2,2 Millionen Euro, in diesem Jahr sollen mehr als drei Millionen Euro erreicht werden. Ein weiterer Beweis: Die Zahl der Mitarbeiter stieg von acht im Jahr 2000 - da war Reiner Wesnigk, seit 1975 Inhaber, mit dem Betrieb von Berlin-Köpenick nach Hennickendorf gezogen - bis auf aktuell 32.
Die große Stunde schlug der 1948 gegründeten Firma mit dem Siegeszug der Marktwirtschaft im Osten. "Zu DDR-Zeiten waren wir maximal zwei Mann", erzählt Reiner Wesnigk, einer der beiden Geschäftsführer und Sohn des Firmengründers Alfred Wesnigk. In der DDR habe man Ersatzteile regeneriert, beispielsweise "die Pumpenwellen für die Zapfsäulen aller Minol-Tankstellen". Die Nachwende-Durststrecke wurde als Werksvertretung eines führenden Metallspritztechnik-Herstellers überstanden.
"Wir haben unsere Gewinne immer investiert", erklärt Reiner Wesnigk. Im Vordergrund steht dabei der Einsatz von Robotern. "Bei uns kommt auf sechs Arbeiter ein Roboter, deutschlandweit beträgt das Verhältnis 56:1", sagt der Geschäftsführer. "Die Roboter vernichten keine Arbeitsplätze, sondern sie schaffen welche. Die Arbeit wird qualitativ besser und preiswerter, das bringt neue Kunden." Seit der Anschaffung des ersten Roboters habe sich die Zahl der Mitarbeiter verdoppelt.
Diese Mitarbeiter fertigen beispielsweise Papiereinzugsrollen für Laserdrucker. Oder Beschichtungen für Wärmetauscher in den Satelliten der EADS. Auch die Großschaltanlagen in Kraftwerkstechnik von ABB und Siemens arbeiten mit Produkten der Wesnigk GmbH.
Mit Siemens ist der Betrieb besonders eng verbunden. Jeden Morgen um 5.45 Uhr wählt sich ein Mitarbeiter in Hennickendorf in den Lagerrechner des Konzerns ein und schaut nach, welche Ersatzteile gebraucht werden. Um 9 Uhr startet dann ein beladener Lkw in Richtung Berlin-Spandau oder einer anderen Niederlassung. "Dank dieser Vernetzung können wir auch unsere Produktion besser planen", so Reiner Wesnigk.
Den Zukunftspreis Ostbrandenburg hat die Firma, die in diesen Tagen die Fertigstellung des Rohbaus einer neuen Produktionshalle feiern kann (insgesamt werden eine Million Euro investiert), für den Einsatz innovativer Technologien erhalten. Seit diesem Jahr arbeitet in Hennickendorf eine von weltweit erst drei Kaltgasspritzanlagen. Diese beschichtet Metalle nicht mit Hilfe von Hitze, sondern mit einem Gasstrahl, der sich mit vierfacher Schallgeschwindigkeit (Mach 4) bewegt, das aufzubringende Metallpulver ebenfalls auf Mach 4 beschleunigt und das Pulver regelrecht in den zu beschichtenden Werkstoff "einschmiedet". So wird beispielsweise Kupfer- oder Silberpulver auf Aluminium aufgebracht, um hochwertige Kontaktschichten für die Elektroindustrie herzustellen.
Der Vorteil: Die erzeugten Schichten haben keine Poren, beinhalten keine Oxide und sind zu 100 Prozent leitfähig - mit herkömmlicher Flammspritztechnik werden nur 70 Prozent erreicht. "Der Wirkungsgrad elektrischer Großanlagen wird dramatisch erhöht, das bringt neue Kunden", verdeutlicht der Chef, warum sich der Einsatz solcher teuren Anlagen unbedingt lohnt. Schwierig sei es nur, die großen Konzerne, die feste Fertigungsvorschriften hätten, von der neuen Technologie zu überzeugen. Bei Siemens sei das schon gelungen.
Rationalisierungstechnik kommt auch aus dem Betrieb selbst. Die Lehrlinge bauen in ihrer Ausbildungszeit Spezialvorrichtungen, die dann in der Produktion zum Einsatz kommen. So hat Sebastian Wesnigk, Sohn des Geschäftsführers, einen Flammspritzroboter entwickelt, an dem er jetzt selbst arbeitet. Überhaupt lohnt es sich in Hennickendorf, innovativ tätig zu sein: Laut Reiner Wesnigk erhalten "alle Angestellten, die es länger als drei Jahre bei uns aushalten, eine Gewinnbeteiligung zusätzlich zum Gehalt, welches ohnehin weit über Tarif liegt. Das ist unsere Art, die Mitarbeiter zu motivieren."
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