Eberswalde . Dass die große Mehrheit der Mitarbeiter im Rathaus freiwillig weiter auf fünf Prozent Gehalt verzichtet, hält Carsten Zinn für unwahr. Der Linken-Stadtverordnete und ehrenamtliche Gewerkschafter wirft dem Arbeitgeber vor, die 253 betroffenen Beschäftigten massiv unter Druck gesetzt zu haben. "Sonst wäre das nahezu sozialistische Traumergebnis von 96 Prozent kaum zustande gekommen", vermutet Carsten Zinn, der sich durch "sehr viele persönliche Gespräche mit Mitarbeitern aus dem Rathaus" in seiner Auffassung bestätigt sieht. Die weitaus meisten Betroffenen hätten sich für das kleinere Übel entschieden. Das Erleben von Arbeitslosigkeit im familiären Umfeld habe obendrein als Katalysator gewirkt, argwöhnt der Stadtverordnete. "Statt selbst auf der Straße zu landen, nehmen die Beschäftigten lieber nach wie vor Einbußen und eine Verdichtung ihrer täglichen Arbeitsaufgaben in Kauf", sagt Carsten Zinn. Für die Rathaus-Spitze sei die Bezahlung ihres Personals kein Ruhmesblatt.
Dass mit den Mitarbeitern Einzelverträge ausgehandelt werden mussten, habe mit der angespannten Haushaltslage der Stadt und der Weigerung der Gewerkschaft zu tun, die Laufzeit des Haustarifvertrages zu verlängern, entgegnet der Verwaltungsdezernent Bellay Gatzlaff, der findet, Druck sei eine Frage der Definition.
In mehreren Personalversammlungen sei den Beschäftigten umfassend erläutert worden, warum im Rathaus weiter statt 40 nur 38 Stunden pro Woche gearbeitet und das Gehalt um fünf Prozent unter dem Tarifniveau bleiben soll. "Wir haben auch erwähnt, welche Konsequenzen es haben könnte, wenn es keinen Haustarif oder keine Einzelvertragslösung geben würde", sagt Bellay Gatzlaff. Weil die Stadtkasse die dann zusätzlich nötigen 650 000 Euro pro Jahr nicht hergebe, hätte die Palette von einem Einstellungsstopp bis zu betriebsbedingten Kündigungen gereicht. Es sei nicht auszuschließen, dass dies als Druck empfunden werde. Doch zur Wahrheit gehöre auch, dass die Rathaus-Spitze über konstruktive Vorschläge, das Geld für eine bessere Bezahlung anderswo einzusparen, mehr als froh wäre, sagt der Dezernent. "Wir schätzen die hohe Arbeitsmoral und die Leistungsbereitschaft unserer Mitarbeiter sehr", hebt Bellay Gatzlaff hervor.
Es sei daher zu begrüßen, dass beim Tarifabschluss für den öffentlichen Dienst das Moment der leistungsgerechten Bezahlung gestärkt worden sei, sagt er. Die Gehaltserhöhung koste die Stadt aktuell 200 000 Euro und ab 2012 sogar 400 000 Euro pro Jahr, erklärt der Dezernent.
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