Beeskow . Den Rettungsdienst will der Kreis künftig nicht mehr ausschreiben, sondern in eigene Verantwortung übernehmen. Zum Jahresende laufen die Verträge mit dem DRK Märkisch Oder-Spree und der Johanniter Unfallhilfe aus. Seit 1990 haben die beiden Wohlfahrtsverbände die Dienstleistung mit rund 140 Mitarbeitern ausgeführt.
Jetzt hätte der Kreis die Rettungs-Dienstleistung europaweit ausschreiben müssen. Die Verwaltung will sich nicht nur den Aufwand sparen, sondern setzt auf Profis der Region in einem Bereich, wo es "um Leben und Tod" geht. So begründen Landrat Manfred Zalenga und Dezernent Eckhard Fehse den Vorstoß, eine Tochter-Gesellschaft mit eigenem Rettungspersonal zu gründen. Jetzige Mitarbeiter des DRK und der Johanniter können hoffen, hier neu eingestellt zu werden.
Zweifel äußerte in der Sitzung des Kreisausschusses der SPD-Abgeordnete Joachim Schulze (Erkner). Er schlug vor, sich für die Entscheidung mehr Zeit zu nehmen und die Verträge mit den Wohlfahrtsverbänden um ein Jahr zu verlängern. Rechtsexperte Michael Buhrke lehnte dies jedoch mit der Begründung ab, dass die Vergabeverfahren bereits liefen, der Kreis befinde sich unter Zeitdruck.
Diesem folgten die Mitglieder des Kreisausschusses nur bedingt, der Beschlussvorschlag für den Kreistag wurde geändert. Einig war man sich darin, das Rettungswesen im Kreis zu kommunalisieren, aber die Gründung einer Tochtergesellschaft steht noch nicht fest. Möglich ist auch, einen Eigenbetrieb zu bilden, allerdings kann hier kein billigerer Haustarif greifen. Aber auf Personalkosten schauen die Krankenkassen, die den Rettungsdienst finanzieren müssen.
Sowohl die AG der Krankenkassen als auch das DRK Märkisch Oder-Spree haben sich in Briefen an den Landrat gegen die Kommunalisierung des Rettungsdienstes gewandt. DRK-Chef Klaus Bachmayer und SPD-Stadtveroprdneter in Erkner, sagt, er hätte optimistisch einer Ausschreibung entgegengesehen, weil Wirtschaftlichkeit und Qualität stimmten. "Wir haben uns über die Jahre ein eigenes Knowhow erarbeitet und als zuverlässige Vertragspartner erwiesen", so Bachmayer. Eine Chance, beim Kreis zu intervenieren, sieht er nicht mehr: "Der Zug ist abgefahren."
Der Kreistag soll am 24. März die Kommunalisierung des Rettungsdienstes beschließen, in einer Sondersitzung soll dann über Eigenbetrieb oder eine Tochter-Gesellschaft entschieden werden. Der Kreis beruft sich in seiner Absicht auf ein Gutachten des "Institute for Health Care Systems Management Berlin" (HCBM). Mitglied der eingetragenen Genossenschaft ist Ulrich Schwille, angestellt als Ärztlicher Leiter Rettungsdienst beim Kreis Oder-Spree.
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