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Mit Kugelbauch zur Abi-Prüfung

. Von Isabell-Marie Griesert

und Seraphine Peries

Den Schulabschluss noch nicht in der Tasche und schon Mutter. Über die Gedanken einer schwangeren Schülerin und wie man das Abitur nachholt, wenn in der Kita der zweijährige Sohn wartet.

Carolin Zernick, schwanger und Robert Zickerow, beide 19

Als Carolin am 11. September des vergangenen Jahres bei einem Arztbesuch erfahren hat, dass sie schwanger ist, war sie zunächst geschockt. In erster Linie beschäftigte sie, wie sie es ihren Eltern und ihrem Freund Robert Zickerow sagen würde. Robert hat es schließlich noch am gleichen Tag in der Schule erfahren. Begeistert war er nicht.

Inzwischen diskutiert er aber gerne mit Carolin, welchen Namen ihr Kind tragen soll. "Windeln werde ich aber nicht wechseln", sagt er und grinst seine Freundin dabei an, womit die beiden schon beim nächsten Streitthema sind.

Auch Carolins Mutter war weit entfernt von Begeisterung, als sie es erfahren hat. "Ihr ist der Appetit vergangen", sagt Carolin, "wir saßen gerade in einem Café, als ich es ihr gesagt habe." Ihr Vater hingegen, dem ihr verändertes Verhalten aufgefallen ist, war nicht sehr überrascht.

Ihre Mitmenschen würden Carolins Zustand jedoch gut aufnehmen, eine Lehrerin hat ihr sogar ein Schwangerschaftsbuch geschenkt. Eine Abtreibung kam für sie schließlich auch nicht in Frage, "ich bin gegen so etwas", sagt sie. Auch ihr Freund oder die Tatsache, dass sie sich mitten im Abitur befindet, konnten daran nichts ändern. Der Geburtstermin ist für den 2. Mai angesetzt, wenn dies so bleibt kann sie noch zwei der vier Abiturprüfungen schreiben, die übrig gebliebenen muss sie später nachholen. Wenn ihr Baby da ist, wird Carolin, die momentan bei ihrem Vater wohnt, zu ihrer Mutter umziehen, um sich von ihr unterstützen zu lassen. Nach einem Jahr Pause plant sie nach Möglichkeit ein Studium.

Steffi Borkmann (22), Mutter von Philipp (2)

Steffi hat einen langen Tag. Um sieben Uhr früh setzt sie ihren kleinen Philipp bei der Kita ab. Um halb acht beginnt ihre Schule, die im Schnitt 16 Uhr, montags erst 17 Uhr endet. Anschließend holt sie ihren Sohn wieder ab. Dann wird zu Hause Kaffee getrunken, für Philipp gibt es Kekse oder etwas Süßes. Etwas zunehmen könnte der Kleine mit seinen zwei Jahren ruhig. Dann heißt es Spielen und Toben, bis der kleine Fratz gegen acht Uhr dann endlich schläft.

"Nach so einem Tag und um die Uhrzeit ist die Konzentration erst mal weg", gibt Steffi zu. Die Hausaufgaben werden trotzdem gemacht, aber Steffi muss zum Glück nicht allzu viel lernen und hält trotzdem ihren recht guten Notendurchschnitt. "Als er kleiner war und noch nicht durchgeschlafen hat, war es wesentlich anstrengender", erzählt sie und blättert durch Philipps Baby-Fotoalbum.

Auf den Bildern strahlen die blauen Augen des Kleinen und die der Mama - auch wenn sie etwas müde aussieht. "Ich war oft so todmüde, dass ich neben meinem schreienden Kind hätte einschlafen können." Der biologische Vater hat sie nicht unterstützt. "Das ist okay so. Ich wusste, dass er kein Kind wollte, aber ich habe mir so sehr eines gewünscht und ich hatte mir ausgerechnet, dass ich zum Zeitpunkt der Geburt mit meiner Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau bereits fertig sein würde." Ihre Mutter war davon wenig begeistert. "Aber sie hat mich die gesamte Zeit über unterstützt, nachts auch auf ihn aufgepasst, wenn ich dringend Schlaf brauchte." Mit neun Monaten, ausgerechnet zu Silvester, habe er dann das erste Mal durchgeschlafen.

Beruflich hat Steffi noch einiges vor. "Lehrerin würde mir sehr großen Spaß machen, vielleicht für Mathematik und Recht." Auch aus diesem Grund besucht sie jetzt das Konrad-Wachsmann-Oberstufenzentrum, um dort ihre Fachoberschulreife zu erreichen.

Und was ist ihr Ausgleich für einen so vollen Tag? "Es klingt vielleicht komisch, aber meinen Nebenjob als Kassiererin finde ich entspannend. Es ist etwas Praktisches. Dass sie stolz auf ihren hübschen Blondschopf ist, hört man ihr an. Sie erzählt gern von ihm. "Sein momentanes Lieblingswort ist Bus. Mein Freund ist Busfahrer und Philipp ist immer glücklich, wenn er eine Runde mitfahren darf", berichtet die junge Mutter.

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