Hennickendorf . Die Gemeindevertreter haben auf ihrer jüngsten Sitzung einer Änderung des Flächennutzungsplanes zugestimmt. Dabei geht es u. a. auch um das Gewerbeindustriegebiet an der Berliner Straße in Hennickendorf. Sehr zum Ärger der BVM Betonprodukte GmbH und dem Betonwerk Fehrbellin, die dort produzieren.
Die Gemeinde Rüdersdorf kämpft mit einem Problem, das viele Brandenburger Kommunen haben: Die Einwohnerzahlen sind rückläufig. Eine Möglichkeit, dem entgegenzuwirken ist, neue Baugebiete zu erschließen. In landschaftlich reizvoller Lage. Drei solche Bebauungspläne in unmittelbarer Nachbarschaft zum Großen Stienitzsee und nahe der Berliner Straße gibt es. In der "Gartensiedlung" könnten 20 Einfamilienhäuser gebaut werden, 40 bis 45 Wohnungen im Bebauungsplan "Villa Thyssen" sind machbar, auch 40 Eigenheime und 90 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern rund um die Alte Ziegelei/Tonloch.
Was stört an dieser möglichen Idylle ist das Gewerbeindustriegebiet an der Berliner Straße. Der Flächennutzungsplan sieht stattdessen vor, dass der vordere Bereich in ein gewerbliches Baugrundstück und der hintere Bereich als Waldfläche ausgewiesen wird. "Damit zerstört man unsere Arbeitsplätze. Die Betonfertigteilproduktion steht dann im Wald", befürchtet Katrin Schulz, die im Auftrag des Eigentümers das Areal betreut.
Sie vermutet, dass die Gemeinde gar nicht weiß, wer auf diesem Gelände, das bereits seit den 1920er/30er Jahren als Zementwerk genutzt wird, arbeitet. Denn nicht anders kann sie den Besuch einer Mitarbeiterin des Ordnungsamtes vor wenigen Tagen deuten, die genau diese Frage gestellt hat: Nämlich: Wer arbeitet hier überhaupt?
"Was mich ärgert ist, dass hier über unsere Köpfe hinweg entschieden wird. Unsere Einwendungen werden vom Tisch gewischt", sagt Katrin Schulz. Auf dem Areal befinden sich Deutschlands modernstes Betonelementdeckenwerk sowie ein Fertigteilwerk mit einem Jahresumsatz von rund zehn Millionen Euro. Insgesamt arbeiten hier mehr als 50 Betonarbeiter und Stahlbieger, der Großteil aus Rüdersdorf, Herzfelde und Hennickendorf. Sie fertigen aktuell Teile für das Feuerwehrgebäude auf dem neuen Flughafen in Berlin-Schönefeld und für die neue Brücke über die S-Bahn bei Tasdorf.
"Wir befürchten, dass unser Standort auf Dauer hier keinen Bestand haben wird. Denn jede bauliche Veränderung, die vielleicht notwendig wird, um auf den Markt reagieren zu können, müsste nach der Änderung des Flächennutzungsplanes von der Gemeinde genehmigt werden", sagt Katrin Schulz, die auch verrät, dass das BVM rund 100 000 Euro Gewerbesteuer alljährlich an die Gemeinde zahlt, also eine nicht unerhebliche Summe.
Auch für Matthias Engler, Betriebsleiter des Fertigteilwerks, ist die Änderung des Flächennutzungsplanes unverständlich. Maximal ein leichtes Brummen sei zu hören, wenn seine Maschinen arbeiten. Allerdings wird nur tagsüber produziert. Gelegentlich gibt es nachts Transporte. Warum der bisherige Zustand und die Umsetzung der Bebauungspläne nicht dennoch gleichermaßen machbar sind, versteht er nicht. "Hier wird ignoriert, dass wir ein nicht unwichtiger Arbeitgeber sind", kritisiert er. Und deshalb steht von Katrin Schulz und den Mitarbeitern die Einladung an die Gemeindevertreter, in die Berliner Straße 32 a zu kommen und sich das Werk anzuschauen. Vielleicht erfolgt ja dann doch ein Umdenken.
Vom Anwalt des Eigentümers wurde jetzt ein Normenkontrollverfahren in Gang gesetzt. Darin soll geklärt werden, ob die Bebauungspläne rechtens sind.
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