Bad Freienwalde .
Eine böse Überraschung erlebten gestern Morgen die Autofahrer, die ihren Tank auffüllen wollten. Die Kraftstoffpreise waren drastisch angestiegen. Der Liter Super kostete am Donnerstag 1,44 Euro, Dieselkraftstoff bis zu 1,22 Euro.
An den Tankstellen in Wriezen und Bad Freienwalde waren die Zapfsäulen am Donnerstag verwaist. Nur selten fanden einzelne Autofahrer ihren Weg zur Tankstelle. Der Blick wanderte meistens verdrießlich zur großen Preistafel. "Im Radio habe ich gehört, dass die Rohölpreise gar nicht so hoch sind", sagt Renate Raasch aus Neuenhagen-Insel. Sie müsse jeden Tag rund 20 Kilometer zurücklegen. "Das ist nicht viel, aber mein Lebensgefährte muss schon 70 Kilometer bis zur Arbeit fahren", erklärt sie. Sie sammle übers Jahr die Tankquittungen und sei sich sicher, dass der Benzinpreis im letzten Jahr nicht so hoch war.
Margot Pötter aus Wriezen kaufte sich im Tankshop lediglich eine Tüte Bonbons. "Ich verzichte heute aufs Tanken", erklärt die 71-Jährige. Sie warte meistens bis die Preise wieder sinken oder fahre manchmal sogar nach Polen, um dort preiswerter zu tanken, sagt sie. "Freie Tankstellen gibt es leider nur in der Nähe von Berlin. Da ist mir der Verkehr zu anstrengend."
Doch nicht nur die Autofahrer sind über die Benzin preise verstimmt. "Wir ärgern uns genauso über steigende Preise wie unsere Kunden", sagt Peter Göbel, Pächter von vier Tankstellen in Bad Freienwalde, Angermünde und Eberswalde. Der Umsatz seiener Tankstellen setze sich aus den Provisionen für den Kraftstoff, den Shop sowie die Waschanlage zusammen. "Wenn die Kunden ausbleiben, sinkt unser Gesamtumsatz. Die Kunden reagieren meist verständig, auch wenn der Eine oder Andere seinen Unmut äußert", so Göbel.
Die Preisveränderung für Kraftstoff hängt von vielen Faktoren wie Dollarkurs, Rohölpreise und Steuern ab. Im letzten Jahr stieg der Ölpreis zwischenzeitlich auf eine Rekordhöhe von 150 Dollar pro Barrel. Damals stieg der Literpreis für Superbenzin auf 1,30 Euro.
Mit dem Fortschreiten der Wirtschaftskrise fiel der Rohölpreis vorübergehend auf 40 Dollar. Im Februar 2010 kostete das Barrel nur noch rund 80 Dollar, stieg jedoch bis Donnerstag auf 83,03. Trotz der großen Preisdifferenz im Vergleich zum letzten Jahr zahlen die Kraftfahrer rund 14 Cent mehr fürs Superbenzin. Der Mineralölwirtschaftsverband (MWV) begründete gestern die hohen Spritpreise mit den Einkaufskosten für Benzin am Rotterdamer Markt.
Das Bundeskartellamt untersucht aktuell die Preisentwicklung nach Hinweisen auf illegale Absprachen der Mineralölkonzerne. Im Sommer werden Ergebnisse erwartet.
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