Eberswalde . Sonst sind sie es, die Zeit verschenken. Diesmal wurde ihnen Aufmerksamkeit zuteil: den ehrenamtlichen Kräften des Patienten-Besuchsdienst im Werner-Forßmann-Krankenhaus. Anlässlich des einjährigen Bestehens würdigte die Geschäftsführung das Engagement der 15 Damen, deren "Dienstkleidung" eine grüne Weste ist.
"Donnerwetter!" Harald Kothe-Zimmermann, Chef der Gesellschaft für Leben und Gesundheit (GLG), ist baff. Mit einer derartigen Resonanz hat er offensichtlich nicht gerechnet. Viele Partner sind zum ersten Geburtstag des Besuchsdienstes gekommen, um Projektleiterin Andrea Busse und ihren 15 Frauen zu gratulieren.
Nicht gerechnet hat der Konzernchef auch mit dem Erfolg des Projektes, wie er selbst gesteht. "Am Anfang war ich schon recht skeptisch, ob die Bereitschaft für das Ehrenamt da ist", bekennt Kothe-Zimmermann. Andrea Busse und ihre Mitstreiterinnen haben aber alle Vorbehalte widerlegt. Erstaunlich sei zudem, dass unter den Freiwilligen nicht nur frühere Krankenschwestern seien, sondern auch eine Fotografin, eine Bauzeichnerin oder eine Zerspanerin, was laut Kothe-Zimmermann für die hohe Flexibilität der Damen spricht.
Insgesamt 3000 Besuche am Krankenbett in zwölf Monaten stehen zu Buche. Rein rechnerisch sind das 250 pro Monat. Bei 400 Betten im "Forßmann" sowie einer Verweildauer von fünf bis Tagen kämen etwa zehn Prozent aller Patienten in den Genuss einer zusätzlichen Stippvisite. Das Angebot, so der Geschäftsführer weiter, werde durchweg gelobt - von Patienten und Mitarbeitern. Es gebe keine Kritik. "Der Besuchsdienst ist für alle uneingeschränkt ein Gewinn." Ein beispielgebendes Projekt, das zum "Funktionieren des Krankenhauses beiträgt".
Voll des Lobes ist auch Heike Festner, Pflegedienstleiterin im "Forßmann". Sie bestätigt: Die Mitarbeiter schätzen den Dienst der Frauen in den grünen Westen, die den Patienten Aufmerksamkeit und Trost schenken, die zuhören und reden. Den Schwestern würde dafür leider oft die Zeit fehlen. Der Einsatz sei umso höher zu bewerten, da die Kräfte vor allem auf den "schweren Stationen" unterwegs sind: in der Geriatrie, in der Onkologie sowie in der Strahlenklinik. Als Dankeschön bietet Festner den Ehrenamtlern an, "an unseren Fortbildungen teilnehmen" zu dürfen.
"Mit grüner Weste, Namensschild und Zuversicht habe ich mich vor einem Jahr an die Arbeit gemacht", berichtet Elke Hammer (56), die durch einen Zeitungsbericht neugierig geworden war. Die Verkäuferin geht zwei Mal pro Woche in die Klinik für Strahlentherapie, besucht also vor allem Krebskranke. Selbst die Männer, sonst eher wortkarg oder aber das Ehrenamt mit einem flotten Spruch belächelnd, würden den Service gern in Anspruch nehmen. "Und das, was von den Patienten zurückkommt, baut auch uns wieder auf", sagt die Eberswalderin. Es sei ein Geben und Nehmen. Margrit Wenkebach (61) pflichtet dem bei. Wenn sie die Station 16, die Onkologie verlasse, dann "erscheinen die eigenen Beschwerden und Wehwehchen klein und nichtig", so die frühere Verwaltungangestellte.
Wegen der großen Nachfrage nach Besucherinnen, benötigt Projektleiterin Andrea Busse dringend Verstärkung. "Berufliche Erfahrung im Gesundheitswesen ist sicher von Vorteil, aber keine Voraussetzung. Alle Besucherinnen werden professionell geschult", so Busse. Auch im Martin-Gropius-Krankenhaus soll der Service künftig angeboten werden. "Dort suchen wir vor allem für die Gerontopsychiatrie Besucherinnen, die mit den Patienten beispielsweise spazieren gehen."
Informationen und Meldungen: Andrea Busse, 03334 692465
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