Ronny Fiedler . Dreieinhalb Jahre Ausbildung liegen hinter dem Wandlitzer Sören Liebchen. Und auch wenn der Gesellenvertrag bei seinem Bernauer Ausbildungsbetrieb erst einmal nur auf ein halbes Jahr befristet ist, stellt sich bei dem 21-Jährigen im abgedunkelten Kinosaal Stolz ein. "Klar, ich hab' was geschafft!", sagt er. Der Autobauer, der es mit seinem Hobby bis zum Gesellenbrief gebracht hat, ist einer der 122 Jung-Gesellen, die am Freitag in Eberswalde freigesprochen wurden. Zwei Fleischer, zwei Tischler, sieben Elektroniker und 111 Auszubildende anderer Gewerke haben ihre Prüfungen bestanden.
Das sind 70 Prozent. Im vergangenen Jahr waren es bei der Kreishandwerkerschaft Barnim fünf Prozent weniger. "Da hatten wir mehr Durchfaller. Das liegt aber alles im Durchschnitt", sagt Kreishandwerksmeister Uwe Manke. Immer weniger im grünen Bereich liegen allerdings die Bewerberzahlen. "Wir haben in vielen Bereichen mehr Ausbildungsplätze als Lehrlinge", sagt Manke. Deshalb läuft zur Gesellenfreisprechung auch der Imagespot des Deutschen Handwerks auf großer Leinwand. "In diesem Jahr läuft alles unter der Imagekampagne", betont Kerstin Rehfeldt, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft. Nichts geht ohne Handwerk, das zeigt der Spot. Bei den frischgebackenen Gesellen kommt er gut an. Im Saal wird gelacht.
"Sie haben sich den hohen Anforderungen gestellt. Seien Sie stolz, Handwerker zu sein", greift Uwe Manke die Imagekampagne in seiner Festrede auf. "Wir brauchen jungen Leute mit PS im Kopf." Ein Großteil der frischgebackenen Gesellen werde von den Ausbildungsbetrieben übernommen, sagt Manke. Wer nicht, könne bei der Kreishandwerkerschaft auch Hilfe in der Vermittlung finden. "Die jungen Leute sollen hierbleiben, dazu fordern wir auf."
Zuversichtlich sind dennoch nicht alle. Die Berlinerin Laura Zumpe erhält ihre Anerkennung von der Handwerkskammer nach sechs Jahren im Friseurberuf. Mit dem Gesellenbrief will sie ihre bisherige Firma verlassen. Was nicht läuft? "Das Gehalt", sagt die 21-Jährige. 680 Euro brutto - und das nach Tarif. Christian Kuhn aus Lichterfelde macht nach seiner Zweitausbildung als Kfz-Mechatroniker erst einmal den Zivildienst. "Später will ich vielleicht den Meisterbrief in Angriff nehmen."
Auch Ronny Fiedler macht nicht dort weiter, wo er gelernt hat. "In der Werkstatt ist zur Zeit Kurzarbeit", erklärt der Tischler. Der 25-Jährige fängt in der nächsten Woche zwar wieder an zu arbeiten. "Allerdings erst einmal in einem anderen Beruf." Während er die Gesellenfreisprechung mit der sechs Monate alten Alysia auf dem Schoß verfolgt, hütet seine Freundin den Gesellenbrief des Tischlers wie einen Schatz. "So etwas hat ja doch nicht jeder."
Maler und Lackierer:
Robert Ring (Lichterfelde)
Bauten- und Objektbeschichter:
Dachdecker:
Metallbauer :
Sven Drews, Eduard Schukin (beide Eberswalde)
Jacob Splitter (Friedrichswalde)
Elektroniker:
Kraftfahrzeugmechatroniker:
Claudia Seeger, Sven Stimmel, Michael Wendt (alle Finowfurt)
Christian Kuhn (Lichterfelde)
Tischler:
Andreas Marx (Groß Schönebeck)
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