Woltersdorf . Die Kommunen müssen sparen - was würden Sie als erstes schließen? Die Feuerwehr - meinten 42 Prozent der User, die sich am Dienstag an einer Online-Umfrage der Märkischen Oderzeitung beteiligten. Dieses Ergebnis sorgte nicht nur bei der Woltersdorfer Freiwilligen Feuerwehr für Kopfschütteln.
Woltersdorfs Feuerwehr-Chef Ralph Utecht traute am Dienstag beim Klick in die MOZ-Online-Umfrage des Tages seinen Augen nicht: 42 Prozent der User hatten angeklickt, dass sie die Feuerwehr für entbehrlich halten. Mit Blick auf die unzähligen Stunden ehrenamtlicher Arbeit seiner Mitstreiter dachte Utecht: "Wenn ich das Ergebnis meinen Leuten zeige, könnte der eine oder auch andere auf den Gedanken kommen, was mache ich hier eigentlich?"
Stehen doch bei der Woltersdorfer Feuerwehr allein für das vorige Jahr 455 Einsätze - geleistet zu jeder Tages- und Nachtzeit - zu Buche. Und das wissen viele Bürger auch zu schätzen. So meldete sich bei der MOZ gestern Christian Grune, den das Online-Umfrage-Ergebnis ebenfalls befremdet hat. "In Woltersdorf ist die Feuerwehr - trotzdem sie eine kommunale Pflichtaufgabe ist - wesentlich ehrenamtlich betrieben." Er bekomme regelmäßig mit, dass die Wehr nicht nur in Brandschutz und Rettung aktiv, sondern auch über ihre Jugendarbeit und bei öffentlichen Festen im Ort sehr präsent ist. "Die Leute, die dahinter stehen, bekommen dafür von der Gemeinde kein Geld. Sie machen es ehrenamtlich. Es gibt also gar nichts zu sparen - aber jede Menge zu zerstören, was an Ehrenamt vorhanden ist", meinte Grune.
Angesichts des Online-Umfrage-Ergebnisses schwankte denn auch gestern die Stimmung im Kreis der Woltersdorfer Feuerwehrleute zwischen Kopfschütteln und Verärgerung. Nicht ohne Ironie bemerkte zum Beispiel Gruppenführerin Caroline Lange: "Wenn die Feuerwehr eingespart werden kann, brauchen wir ja nicht mehr ausrücken oder nur noch an den geraden Tagen jedes Monats - dann können wir unsere Freizeit besser planen." Die junge Frau gehört seit 2001 der Freiwilligen Feuerwehr an, ist als Aktive bei vielen Einsätzen dabei und hat sich mittlerweile - ebenfalls in ihrer Freizeit - für den Dienst in der Wehr auch als Ersthelfer (First Responder) und Sanitäter ausbilden lassen.
Denn das Aufgabenspektrum ist breit gefächert: Es gilt nicht nur, Brände zu bekämpfen, Verunglückte aus Autos zu befreien, Rettungskräften Türen zu öffnen, wenn dahinter ein hilfloser Mensch vermutet werden muss. Auch umgestürzte Bäume und Ölspuren müssen beseitigt werden. Und manchmal werden die Feuerwehrleute unmittelbar zu Lebensrettern, so wie am 14. April 2009, als aus der Kalkseestraße der Notruf kam, dass auf dem Wasser ein Kind gekentert sei und zu ertrinken drohe.
Einsätze wie dieser lassen keinen der Männer und Frauen unberührt. Wer wüsste das besser als Horst Krienelke. Der Stellvertreter von Ralph Utecht kann im Mai auf 50 aktive Feuerwehrjahre zurückblicken. Was ihn so lange dabei bleiben ließ? "Es hat mir immer gefallen, zu denen zu gehören, die Menschen in Not helfen. Und dann ist da die Gemeinschaft in der Feuerwehr, die ich einfach nicht missen möchte", sagte Krienelke, der sich auch um die Weiterbildung kümmert und mit Freude die Jugendwehr unterstützt.
Caroline Lange kam durch ihren Bruder dazu, der Feuerwehrmann ist. "Ich wollte immer das tun, was er macht - Menschen helfen und vielleicht sogar Leben retten", sagte sie. Dasselbe trifft für die anderen in der Runde zu, die gleich wieder dem Ruf des Piepers folgten. Denn an der Schleuse hat es einmal mehr ein totes Wildschwein angespült; der Kadaver musste geborgen werden.
"Noch ein Tier, das im Eis festgefroren war, verendet ist und nun angeschwemmt wurde", erläuterte Thomas Langner. Der Zugführer, seit 24 Jahren Feuerwehrmann, hat beim Stichwort Wildschwein gleich ein Bild vor Augen: "Mit Ralph Utecht haben wir mal fünf kleine Wildschweine aus einem Pool gefischt und vor dem Ersaufen bewahrt." Nachts um halb eins hatte der Hilferuf von Bürgern an jenem Tag die Wehr erreicht.
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