Fürstenwalde . 100 Jahre hat das Leuchtfeuer auf dem Buckel, das seit zweieinhalb Jahren auf dem Hof des Museums steht. Grund genug für eine Sonderausstellung zur Geschichte des Seezeichenbaus in Fürstenwalde. Am Freitag wurde sie eröffnet.
Die Ausstellung fokussiert ein vermeintlich bekanntes Stück Fürstenwalder Industriegeschichte neu und stellt so die Bedeutung Fürstenwaldes für den Bau von Seezeichen heraus. Bekannt ist die große Bedeutung der Firma Pintsch für die Entwicklung des Industriestandorts Fürstenwalde im Allgemeinen, weniger bekannt wohl, dass die dort entwickelten Seezeichen in der ganzen Welt freudig begrüßt und gerne gekauft wurden.
Denn diese Entwicklung, so der schwedische Delegierte Stephenson bei einer internationalen Schifffahrtskonferenz 1913 im nordamerikanischen Philadelphia, galten als die bedeutendste Errungenschaft auf diesem Gebiet seit langem. Mit der Boje war endlich eine praktikable Lösung für die nächtliche Beleuchtung von Schifffahrtsstraßen gefunden worden. Dabei half, das macht die Ausstellung deutlich, die Erfahrung, die Pintsch mit der Beleuchtung von Bahnstrecken hatte. Die Probleme ähnelten sich.
Ganze Leuchttürme begann Pintsch um 1905 zu bauen. In der Exposition - zu sehen im Sonderausstellungsraum im ersten Obergeschoss des Stadtmuseums - sind nicht nur Leuchttürme und -feuer abgebildet, die von Pintsch hergestellt wurden, aber diese Fürstenwalder Produktionen sind mit einem gelben Punkt markiert. Pintsch-Leuchttürme standen oder stehen auf Amrum, bei Warnemünde, am Kap Arkona, in Büsum, auf Sylt und anderswo.
Der letzte Leuchtturm, das berichtete am Freitag ein ehemaliger Gaselan-Mitarbeiter, der dabei war, wurde in den 50er Jahren gebaut. Gaselan hatte die Seezeichenproduktion übernommen. Leuchtfeuer wurden bis zur Wende produziert. In den 60ern ging die Seezeichenproduktion aufgrund veralteter Technik zurück. Mitte der 80er war sie wieder stärker gefragt, seit der Fährhafen Mukran auf Rügen ausgebaut wurde. Die Küstenbefeuerung der DDR sollte noch modernisiert werden - dazu kam es indes nicht mehr.
Überhaupt kommen Seezeichen ein wenig aus der Mode. Die Firma Pintsch Bamas im nordrhein-westfälischen Dinslaken produzierte noch bis voriges Jahr. Wie im Auto zunehmend der Navigator den Fahrern hilft, so übernimmt auf dem Wasser das satellitengestützte GPS-System die Orientierung für die Schifffahrt, sagte ein Vertreter der Interessengemeinschaft Seezeichen. Sie hat die Ausstellung erarbeitet und kümmert sich um die Erhaltung der guten Stücke.
Wie begehrt sie sind, haben die Fürstenwalder vor drei Jahren auch erfahren, als sie ihren Turm in die Stadt holten. Die Erinnerung an dieses schwierige Unterfangen stand am Anfang der Ausstellungseröffnung am Freitagabend. Wer diese denkwürdige Geschichte ganz genau nachvollziehen will, kann dies mit einer CD tun, auf der einer der federführenden Beteiligten, Siegfried Rolle, mit zahlreichen Fotos jeden Schritt dokumentiert hat, den der 100 Jahre alte Leuchtturm von der Ostsee nach Hause zurückgelegt hat. Preis: 9,90 Euro.
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